Erster Akt Acte premier Act one <1Personen:>1 Estragon, Wladimir, Lucky, Pozzo, ein Junge. <1Personnages:>1 Estragon, Vladimir, Lucky, Pozzo, un jeune garc#on. <1Characters:>1 Estragon, Vladimir, Lucky, Pozzo, a boy. <1Landstrasse. Ein Baum. Abend.>1 <1Estragon sitzt auf der Erde unde versucht, seinen Schuh>1 <1 auszuziehen. Er braucht beide Ha%nde dazu und sto%hnt da->1 <1 bei. Erscho%pft gibt er den Versuch auf, erholt sich schnau->1 <1 bend und versucht es von neuem. Das Spiel wiederholt sich.>1 <1 Wladimir tritt auf.>1 <2ESTRAGON>2 <1gibt es wieder auf:>1 Nichts zu machen. <2WLADIMIR>2 <1na%hert sich auf gespreizten Beinen, mit kurzen,>1 <1steifen Schritten:>1 Ich glaub es bald auch. <1Er bleibt stehen.>1 Ich hab mich lange gegen den Gedanken gewehrt. Ich sagte mir: Wladimir, sei vernu%nftig, du hast noch nicht alles versucht. Und ich nahm den Kampf wieder auf. <1Er>1 <1verharrt bei dem Gedanken an den Kampf. Zu Estragon:>1 Du bist also wieder da! <2ESTRAGON>2 Meinst du? <2WLADIMIR>2 Ich freue mich, dich wiederzusehen. Ich dachte, du wa%rst weg fu%r immer. <2ESTRAGON>2 Ich auch. <2WLADIMIR>2 Wie sollen wir dies Wiedersehen feiern? <1Er u%ber->1 <1legt.>1 Steh auf, lass dich umarmen! <1Er streckt seine Hand nach Estragon aus.>1 <2ESTRAGON>2 <1gereizt:>1 Wart schon! Wart schon! <1Schweigen.>1 <2WLADIMIR>2 <1gekra%nkt, ku%hl:>1 Darf man fragen, wo der Herr die Nacht verbracht hat? <2ESTRAGON>2 Im Graben. 27 <2WLADIMIR>2 <1verblu%fft:>1 Im Graben! Wo denn? <2ESTRAGON>2 <1ohne Geste:>1 Da hinten. <2WLADIMIR>2 Und man hat dich nicht geschlagen? <2ESTRAGON>2 Doch. .. Nicht so schlimm. <2WLADIMIR>2 Wieder dieselben? <2ESTRAGON>2 Dieselben? Ich weiss nicht. <1Schweigen.>1 <2WLADIMIR>2 Wenn ich bedenke . .. die lange Zeit... da frag ich mich . . . was wohl aus dir geworden wa%re . . . ohne mich . . . <1Mit Nachdruck.>1 Du wa%rst jetzt nur noch ein Ha%ufchen Knochen, das steht fest! <2ESTRAGON>2 <1gereizt:>1 Na, und? <2WLADIMIR>2 <1entmutigt:>1 's ist zuviel fu%r einen allein. <1Pause,>1 <1dann lebhaft.>1 Andererseits, wozu gerade jetzt den Mut aufgeben, das sage ich mir auch. Man ha%tte vor einer Ewigkeit daran denken sollen, so um 1900. <2ESTRAGON>2 Ho%r auf. Hilf mir die Dreckschuhe ausziehen. <2WLADIMIR>2 Hand in Hand ha%tten wir uns vom Eiffelturm runtergestu%rzt, mit den ersten. Da sahen wir noch ansta%n- dig aus. Jetzt ist es zu spa%t. Die wu%rden uns nicht einmal rauflassen. <1Estragon versucht mit aller Gewalt, den Schuh auszuzie->1 <1hen.>1 Was machst du da? <2ESTRAGON>2 Ich zieh die Schuhe aus. Ist dir wohl noch nie pas- siert, wie? <2WLADIMIR>2 Ich hab dir immer schon gesagt, dass man sie je- den Tag ausziehen soll. Du solltest besser auf mich ho%ren. <2ESTRAGON>2 <1mit schwacher Stimme:>1 Hilf mir doch! <2WLADIMIR>2 Tut's weh? <2ESTRAGON>2 Weh! Er fragt mich, ob es weh tut! <2WLADIMIR>2 <1aufbrausend:>1 Nur du leidest, nur du! Ich za%hle 29 nicht. Ich mo%chte dich mal an meiner Stelle sehen. Du Wu%rdest mir was erza%hlen. <2ESTRAGON>2 Tat dir was weh? <2WLADIMIR>2 Weh! Er fragt mich, ob mir was weh tat! <2ESTRAGON>2 <1mit ausgestrecktem Zeigefinger:>1 Das ist kein Grund, die Hose offen zu lassen. <2WLADIMIR>2 <1beugt sich nach vorn heru%ber:>1 Du hast recht. <1Er>1 <1kno%pft die Hose zu.>1 Nur keine Nachla%ssigkeit in den klei- nen Dingen. <2ESTRAGON>2 Was soll ich dazu sagen? Du wartest immer bis zum letzten Moment. <2WLADIMIR>2 <1tra%umerisch:>1 Der letzte Moment. . . <1Er denkt>1 <1nach.>1 Was lange wa%hrt, wird endlich gut. Wer hat das noch gesagt? <2ESTRAGON>2 Willst du mir nicht helfen? <2WLADIMIR>2 Manchmal sag ich mir, es kommt von allein. Dann fu%hl ich mich ganz komisch. <1Er nimmt seinen Hut ab, schaut hinein, steckt seine Hand>1 <1hinein, schu%ttelt ihn aus und setzt ihn wieder auf.>1 Wie soll man's sagen? Erleichtert und zugleich. . . <1Er>1 <1s ucht.>1 . . zerschmettert. <1Emphatisch.>1 Zer-schmet-tert. <1Er>1 <1nimmt seinen Hut wieder ab und schaut hinein.>1 Na, so was! <1Er schla%gt auf den Hut, als wolle er etwas daraus entfernen,>1 <1schaut wieder hinein und setzt ihn wieder auf.>1 Na, wenn schon! . .. <1Estragon gelingt es unter Aufbietung aller Kraft, seinen>1 <1Schuh auszuziehen. Er schaut hinein, steckt seine Hand>1 <1hinein, dreht den Schuh um, schu%ttelt ihn aus, sucht, ob>1 <1nicht etwas auf die Erde gefallen ist, findet nichts, steckt>1 <1seine Hand noch malin den Schuh; indem er wie abwesend>1 <1vor sich hinblickt.>1 31 Was ist denn? <2ESTRAGON>2 Nichts. <2WLADIMIR>2 Lass sehen. <2ESTRAGON>2 Es gibt nichts zu sehen. <2WLADIMIR>2 Versuch, ihn wieder anzuziehen. <2ESTRAGON>2 <1nachdem er seinen Fuss untersucht hat:>1 Ich lass ihn etwas an der frischen Luft. <2WLADIMIR>2 So ist der Mensch nun mal: er schimpft auf seinen Schuh, und dabei hat sein Fuss schuld. <1Er nimmt seinen Hut noch mal ab, schaut hinein, steckt>1 <1seine Hand hinein, schu%ttelt ihn aus, schla%gt darauf, bla%st>1 <1hinein und setzt ihn wieder auf.>1 Was ist denn nur los? <1Sch weigen. Estragon dreht seinen Fuss hin und her und be->1 <1wegt die Zehen, damit sie besser auslu%ften ko%nnen.>1 Einer von den Scha%chern wurde erlo%st. <1Pause.>1 Das ist ein guter Prozentsatz. <1Pause.>1 Gogo. .. <2ESTRAGON>2 Was? <2WLADIMIR>2 Wenn wir es bereuen wu%rden? <2ESTRAGON>2 Was? <2WLADIMIR>2 Nu ja. . . <1Er sucht.>1 Wir brauchen ja nicht gerade ins Detail zu gehen. <2ESTRAGON>2 Dass wir geboren wurden: <1Wladimir lacht auf und unterdru%ckt das Lachen sofort wie->1 <1der, indem er seine Hand in die Gegend der Blase fu%hrt und>1 <1sein Gesicht verzieht.>1 <2WLADIMIR>2 Man wagt schon nicht mehr zu lachen. <2ESTRAGON>2 Als ob das ein Verlust wa%re. <2WLADIMIR>2 Nur noch la%cheln. <1Er la%chelt so gut er kann, das>1 <1La%cheln erstarrt, dauert eine Weile und erlischt plo%tzlich.>1 Es ist nicht dasselbe. Na ja. . . <1Pause.>1 Gogo. . . <2ESTRAGON>2 <1gereizt:>1 Was ist denn? 33 <2WLADIMIR>2 Hast du die Bibel gelesen? <2ESTRAGON>2 Die Bibel... <1Er denkt nach.>1 Ich muss wohl mal reingeguckt haben. <2WLADIMIR>2 In der freien Schule? <2ESTRAGON>2 Weiss nicht, ob sie frei war oder nicht. <2WLADIMIR>2 Es war wohl in der Besserungsanstalt. <2ESTRAGON>2 Mo%glich. Ich erinnere mich an die Karten vom Heiligen Land. Bunte Karten. Sehr scho%n. Das Tote Meer war blassblau. Wenn ich nur hinguckte, hatte ich schon Durst. Ich sagte mir, da werden wir unsere Flitterwochen verbringen. Wir werden schwimmen. Wir Werden glu%ck- lich sein. <2WLADIMIR>2 Du ha%ttest Dichter werden sollen. <2ESTRAGON>2 War ich doch. <1Er zeigt auf seine Lumpen.>1 Sieht man das nicht? <1Schweigen.>1 <2WLADIMIR>2 Was sagte ich noch... Wie geht's deinem Fuss? <2ESTRAGON>2 Er schwillt an. <2WLADIMIR>2 Ach ja, ich hab's, die Geschichte der beiden Scha%cher. Erinnerst du dich? <2ESTRAGON>2 Nein. <2WLADIMIR>2 Soll ich sie dir erza%hlen? <2ESTRAGON>2 Nein. <2WLADIMIR>2 Zum Zeitvertreib. <1Pause.>1 Es waren zwei Diebe, die zusammen mit dem Erlo%ser gekreuzigt wurden. Man . . . <2ESTRAGON>2 Mit dem was? <2WLADIMIR>2 Dem Erlo%ser. Zwei Diebe. Man sagt, der eine sei erlo%st worden und der andere. .. <1Er sucht das Gegenteil>1 <1von erlo%st.>1 . . verdammt. <2ESTRAGON>2 Wovon erlo%st? <2WLADIMIR>2 Von der Ho%lle. <2ESTRAGON>2 Ich gehe. <1Er ru%hrt sich nicht.>1 <2WLADIMIR>2 Und doch. .. <1Pause.>1 Wie ist es mo%glich, dass . . . Ich langweile dich hoffentlich nicht. <2ESTRAGON>2 Ich ho%r gar nicht zu. <2WLADIMIR>2 Wie ist es mo%glich, dass nur einer von den vier Evangelisten die Dinge so darstellt? Sie waren doch alle vier dabei - jedenfalls nicht weit weg. Und nur einer spricht von einem erlo%sten Scha%cher. <1Pause.>1 Ho%r mal, Gogo, du musst mir von Zeit zu Zeit den Ball zuspielen. <2ESTRAGON>2 Ich ho%r zu. <2WLADIMIR>2 Einer von vieren. Von den drei anderen sagen zwei gar nichts daru%ber, und der dritte sagt, dass beide ihn beschimpft ha%tten. <2ESTRAGON>2 Wen? <2WLADIMIR>2 Wie bitte? <2ESTRAGON>2 Ich verstehe nichts davon... <1Pause.>1 Wen ha%tten sie beschimpft? <2WLADIMIR>2 Den Erlo%ser. <2ESTRAGON>2 Warum? <2WLADIMIR>2 Weil er sie nicht erlo%sen wollte. <2ESTRAGON>2 Von der Ho%lle? <2WLADIMIR>2 Ach was! Vom Tode. <2ESTRAGON>2 Na, und? <2WLADIMIR>2 Sie mu%ssen also beide verdammt worden sein. <2ESTRAGON>2 Und dann? <2WLADIMIR>2 Der andere hat doch gesagt, einer sei erlo%st wor- den? <2ESTRAGON>2 Nu ja? Sie sind sich nicht einig, das ist alles. <2WLADIMIR>2 Sie waren alle vier dabei. Und nur einer spricht von einem erlo%sten Scha%cher. Warum soll man ihm mehr glauben als den anderen? 37 <2ESTRAGON>2 Wer glaubt ihm? <2WLADIMIR>2 Mensch, alle! Man kennt nur diese Darstellung. <2ESTRAGON>2 Die Leute sind blo%d! <1Er steht mu%hsam auf, geht hinkend zur linken Kulisse,>1 <1bleibtstehen, schaut in die Ferne und schirmt dabei mit der>1 <1Hand die Augen ab, drehtsich um, geht zur rechten Kulisse>1 <1und blickt wieder in die Ferne. Wladimir schaut ihm nach,>1 <1dann geht er ein paar Schritte, um den Schuh aufzuheben,>1 <1er schaut hinein und la%sst ihn plo%tzlich fallen.>1 <2WLADIMIR>2 Bah! <1Er spuckt auf die Erde.>1 <1Estragon kehrt zur Mitte der Bu%hne zuru%ck und schaut>1 <1nach hinten aus.>1 <2ESTRAGON>2 Lauschiges Pla%tzchen. <1Er dreht sich um, geht bis zur Rampe, blickt ins Publikum.>1 Heitere Aussichten! <1Er wendet sich Wladimir zu.>1 Komm, wir gehen! <2WLADIMIR>2 Wir ko%nnen nicht. <2ESTRAGON>2 Warum nicht? <2WLADIMIR>2 Wir warten auf Godot. <2ESTRAGON>2 Ach ja. <1Pause.>1 Bist du sicher, dass es hier ist? <2WLADIMIR>2 Was? <2ESTRAGON>2 Wo wir warten sollen. <2WLADIMIR>2 Er sagte, vor dem Baum. <1Sie betrachten den Baum.>1 Siehst du sonst noch Ba%ume? <2ESTRAGON>2 Was ist das fu%r einer? <2WLADIMIR>2 Ich weiss nicht.. . Eine Trauerweide. <2ESTRAGON>2 Wo sind die Bla%tter? <2WLADIMIR>2 Sie wird abgestorben sein. <2ESTRAGON>2 Ausgetrauert. <2WLADIMIR>2 Es sei denn, dass es an der Jahreszeit liegt. 39 <2ESTRAGON>2 Ist das nicht vielmehr ein Ba%umchen? <2WLADIMIR>2 Ein Strauch. <2ESTRAGON>2 Ein Ba%umchen. <2WLADIMIR>2 Ein -- <1Er setzt von neuem an.>1 Was willst du damit sagen? Dass wir uns im Platz geirrt ha%tten? <2ESTRAGON>2 Er mu%sste eigentlich hier sein. <2WLADIMIR>2 Er hat nicht fest zugesagt, dass er ka%me. <2ESTRAGON>2 Und wenn er nicht kommt? <2WLADIMIR>2 Kommen wir morgen wieder. <2ESTRAGON>2 Und dann u%bermorgen. <2WLADIMIR>2 Vielleicht. <2ESTRAGON>2 Und so weiter. <2WLADIMIR>2 Das heisst... <2ESTRAGON>2 Bis er kommt. <2WLADIMIR>2 Du bist unbarmherzI-g. <2ESTRAGON>2 Wir sind gestern schon hier gewesen. <2WLADIMIR>2 Ach was, da ta%uschst du dich. <2ESTRAGON>2 Was haben wir gestern getan? <2WLADIMIR>2 Was wir gestern getan haben? <2ESTRAGON>2 Ja. <2WLADIMIR>2 Hm. . . <1A%rgerlich.>1 Wenn was zu bezweif n iSt, bist du da. <2EsTRAGON>2 Ich meine, dass wir hier waren. <2WLADIMIR>2 <1blickt in die Runde:>1 Kommt dir die Gegend be- kannt vor? <2ESTRAGON>2 Das will ich nicht sagen. <2WLADIMIR>2 Also? <2ESTRAGON>2 Das will nichts heissen. <2WLADIMIR>2 Immerhin. . . dieser Baum. .. <1Zum Publikum ge->1 <1wandt.>1 Dieser Sumpf. <2ESTRAGON>2 Bist du sicher, dass es heute abend war? <2WLADIMIR>2 Was? 41 <2ESTRAGON>2 Dass wir warten sollten? <2WLADIMIR>2 Er hat gesagt: Samstag. <1Pause.>1 Meine ich jeden- falls. <2ESTRAGON>2 Nach Feierabend. <2WLADIMIR>2 Ich muss es aufgeschrieben haben. <1Er wu%hlt in>1 <1seinen Taschen, die mit den verschiedensten Dingen voll->1 <1gestopft sind.>1 <2ESTRAGON>2 Aber an welchem Samstag? Ist heute denn Sams- tag? Kann nicht auch Sonntag sein? Oder Montag? Oder Freitag? <2WLADIMIR>2 <1blickt aufgeregt um sich, als wenn das Datum ir->1 <1gendwo in der Landschaft zu lesen wa%re:>1 Es ist nicht mo%g- lich. <2ESTRAGON>2 Oder Donnerstag? <2WLADIMIR>2 Was soll man machen? <2ESTRAGON>2 Wenn er sich gestern abend vergebens hierhin bemu%ht hat, dann kannst du dir wohl denken, dass er heute nicht kommt. <2WLADIMIR>2 Du sagst doch, wir wa%ren gestern abend hier ge- wesen. <2ESTRAGON>2 Ich kann mich irren. <1Pause.>1 Schweigen wir ein wenig, ja? <2WLADIMIR>2 <1mitschwacher Stimme:>1 Ja meinetwegen <1Estragon setzt sich auf die Erde, Wladimir geht mit grossen>1 <1Schritten erregt auf und ab, von Zeit zu Zeit bleibt er stehen,>1 <1um den Horizont abzusuchen. Estragon schla%ft ein. Wladi->1 <1mir bleibt vor Estragon stehen.>1 Gogo . . . <1Stille.>1 Gogo . . . <1Stille.>1 GOGO! <2ESTRAGON>2 <1fa%hrt aus dem Schlafe auf und wird so wieder in>1 <1seine schaudervolle Situation zuru%ckversetzt:>1 Ich schlief. <1Vorwurfsvoll.>1 Warum la%sst du mich nie schlafen? <2WLADIMIR>2 Ich fu%hlte mich einsam. 43 <2ESTRAGON>2 Ich habe getra%umt. <2WLADIMIR>2 Erza%hl es nicht. <2ESTRAGON>2 Ich tra%umte, dass. .. <2WLADIMIR>2 ERZA%HL ES NICHT! <2ESTRAGON>2 <1auf das Universum zeigend:>1 Genu%gt dir das? <1Schweigen.>1 Es ist nicht nett von dir, Didi. Wem soll ich denn meine Angsttra%ume erza%hlen, wenn nicht dir? <2WLADIMIR>2 Behalt sie fu%r dich. Du weisst gut, dass ich das nicht vertrage. <2ESTRAGON>2 <1ku%hl:>1 Manchmal frag ich mich, ob es nicht besser wa%re auseinanderzugehen. <2WLADIMIR>2 Du wu%rdest nicht Weit kommen. <2ESTRAGON>2 Das wa%re wirklich sehr schade. <1Pause.>1 Nicht wahr, Didi, das wa%re doch sehr schade? <1Pause.>1 Wenn man an die Scho%nheit des Weges denkt. <1Pause.>1 Und an die Gu%te der Reisenden. <1Pause. Schmeichlerisch.>1 Nicht wahr, Didi? <2WLADIMIR>2 Bleib ruhig! <2ESTRAGON>2 <1genusssu%chtig:>1 Ruhig! . . . Ruhig! . . . <1Tra%umerisch.>1 Die Engla%nder sagen calm. <1Sprich: kaaaam.Es>1 sind calme Leute. <1Pause.>1 Kennst du die Geschichte von dem Engla%n- der im Puff? <2WLADIMIR>2 Ja. <2ESTRAGON>2 Erza%hl sie mir! <2WLADIMIR>2 Ho%r auf! <2ESTRAGON>2 Ein Engla%nder, der mehr als gewo%hnlich getrun- ken hat, begibt sich in'n Puff. Die Puffmutter fragt ihn, ob er eine Blonde, eine Schwarze oder eine Rote haben will. Erza%hl weiter. <2WLADIMIR>2 HO%R AUF! <1Wladimir geht weg. Estragon steht auf und folgt ihm bis an>1 <1den Rand der Bu%hne. Estragons Mimik ist genauso wie die>1 45 <1Mimik von Zuschauern bei einem Boxkampf. Wladimir>1 <1kommt wieder, geht an Estragon vorbei, u%berquert die>1 <1Bu%hne mit niedergeschlagenen Augen. Estragon geht>1 <1einige Schritte auf ihn zu, bleibt dann stehen.>1 <2ESTRAGON>2 <1sanft:>1 Wolltest du mit mir sprechen? <1Wladimir>1 <1antwortet nicht. Estragon geht einen Schritt vor.>1 Hattest du mir etwas zu sagen? <1Schweigen. Er geht noch einen Schritt>1 <1vor.>1 Sag, Didi. . . <2WLADIMIR>2 <1ohne sich umzudrehen:>1 Ich hab dir nichts zu sa- gen. <2ESTRAGON>2 <1geht einen Schritt weiter vor:>1 Bist du bo%se? <1Schweigen. Einen Schritt vor.>1 Verzeih! <1Schweigen. Einen>1 <1Schritt vor. Er beru%hrt Wladimirs Schulter.>1 Ho%r mal, Didi. <1Schweigen.>1 Gib mir die Hand. <1Wladimir wendet sich ihm>1 <1zu.>1 Umarme mich! <1Wladimir stra%ubt sich.>1 Sei doch nicht so stur! <1Wladimir wird weich. Sie umarmen einander.>1 <1Estragon weicht zuru%ck.>1 Du stinkst nach Knoblauch. <2WLADIMIR>2 Ist gut fu%r die Nieren. <1Schweigen. Estragon be->1 <1trachtet aufmerksam den Baum.>1 Was sollen wir jetzt tun? <2ESTRAGON>2 Warten. <2WLADIMIR>2 Ja, aber beim Warten. <2ESTRAGON>2 Sollen wir uns aufha%ngen? <2WLADIMIR>2 Dann geht noch mal einer ab. <2ESTRAGON>2 <1aufgereizt:>1 Dann geht einer ab? <2WLADIMIR>2 Mit allen Folgen. Da, wo es hinfa%llt, wachsen Al- raunen. Darum schreien sie, wenn man sie ausreisst. Wuss- test du es nicht? <2ESTRAGON>2 Komm, wir ha%ngen uns sofort auf. <2WLADIMIR>2 An einem Ast? <1Sie na%hern sich dem Baum und betrachten ihn.>1 Ich ha%tte kein Vertrauen. <2ESTRAGON>2 Wir ko%nnen s doch mal versuchen. 47 <2WLADIMIR>2 Versuch's. <2ESTRAGON>2 Nach dir. <2WLADIMIR>2 Nein, du zuerst. <2ESTRAGON>2 Warum? <2WLADIMIR>2 Du bist leichter als ich. <2ESTRAGON>2 Das ist es ja eben! <2WLADIMIR>2 Das versteh ich nicht. <2ESTRAGON>2 Nun u%berleg mal ein bisschen, du. <2WLADIMIR>2 <1denkt nach. Endlich:>1 Ich versteh es nicht! <2ESTRAGON>2 Ich werd es dir erkla%ren. <1Er u%berlegt.>1 Der Ast. .. der Ast... <1Wu%tend:>1 Versuch doch, es zu verstehen. <2WLADIMIR>2 Ich verlasse mich ganz auf dich. <2ESTRAGON>2 <1angestrengt:>1 Gogo leicht -- Ast nicht brechen -- Gogo tot. Didi schwer -- Ast brechen -- Didi allein. <1Pause.>1 Dagegen . . . <1Er sucht den richtigen Ausdruck.>1 <2WLADIMIR>2 Daran hatte ich nicht gedacht. <2ESTRAGON>2 <1hat das Wort gefunden:>1 Wenn er dich ausha%lt, ris- kiere ich nichts. <2WLADIMIR>2 Bin ich denn u%berhaupt schwerer als du? <2ESTRAGON>2 Du sagst es immer. Ich weiss das nicht. Die Chan- cen stehen eins zu eins. So ungefa%hr. <2WLADIMIR>2 Was sollen wir also tun? <2ESTRAGON>2 Gar nichts. Das ist sicherer. <2WLADIMIR>2 Warten wir ab, Was er uns sagen wird. <2ESTRAGON>2 Wer? <2WLADIMIR>2 Godot. <2ESTRAGON>2 Ach ja. <2WLADIMIR>2 Warten wir ab, bis wir genau Bescheid wissen. <2ESTRAGON>2 Andererseits wa%re es vielleicht besser, das Eisen zu schmieden, bevor es eiskalt ist. <2WLADIMIR>2 Ich bin neugierig darauf, was er uns vorschlagen Wird. Es verpflichtet uns zu nichts. 49 <2ESTRAGON>2 Worum haben wir ihn eigentlich gebeten? <2WLADIMIR>2 Warst du nicht dabei? <2ESTRAGON>2 Ich hab nicht aufgepasst. <2WLADIMIR>2 Nu ja... Eigentlich nichts Bestimmtes. <2ESTRAGON>2 Eine Art Gesuch. <2WLADIMIR>2 Ganz recht. <2ESTRAGON>2 Eine vage Bitte. <2WLADIMIR>2 Wenn du willst. <2ESTRAGON>2 Und was hat er geantwortet? <2WLADIMIR>2 Er wu%rde mal sehen. <2ESTRAGON>2 Er ko%nne nichts versprechen. <2WLADIMIR>2 Er mu%sse u%berlegen. <2ESTRAGON>2 In aller Ruhe. <2WLADIMIR>2 Seine Familie um Rat fragen. <2ESTRAGON>2 Seine Freunde. <2WLADIMIR>2 Seine Agenten. <2ESTRAGON>2 Seine Korrespondenten. <2WLADIMIR>2 Seine Register. <2ESTRAGON>2 Sein Bankkonto. <2WLADIMIR>2 Bevor er sich a%ussern ko%nne. <2ESTRAGON>2 Das ist klar. <2WLADIMIR>2 Nicht wahr? <2ESTRAGON>2 Es scheint mir so. <2WLADIMIR>2 Mir auch. <1Ruhe.>1 <2ESTRAGON>2 <1unruhig:>1 Und wir? <2WLADIMIR>2 Wie bitte? <2ESTRAGON>2 Ich sagte, Und wir? <2WLADIMIR>2 Ich verstehe nicht. <2ESTRAGON>2 Was ist unsere Rolle dabei? <2WLADIMIR>2 Unsere Rolle? <2ESTRAGON>2 Lass dir Zeit. 51 <2WLADIMIR>2 Unsere Rolle? ...: Bettler! <2ESTRAGON>2 So weit ist es gekommen? <2WLADIMIR>2 Hat der Herr Anspru%che geltend zu machen? <2ESTRAGON>2 Haben wir keine Rechte mehr? <1Lachen Wladi->1 <1mirs, das er plo%tzlich unterbricht, wie vorher schon einmal.>1 <2WLADIMIR>2 Du wu%rdest mich zum Lachen bringen, wenn ich es wagen ko%nnte. <2ESTRAGON>2 Wir haben sie verloren? <2WLADIMIR>2 <1klar und deutlich:>1 Wir haben sie verschleudert. <1Schweigen. Sie bleiben bewegungslos mit schlaff herunter->1 <1 ha%ngenden Armen und eingeknickten Knien stehen. Ihre>1 <1 Ko%pfe sind nach vorne auf die Brust gesunken.>1 <2ESTRAGON>2 <1schwach:>1 Wir sind doch nicht gebunden? <1Pause.>1 He! <2WLADIMIR>2 <1hebt seine Hand:>1 Ho%r mal! <1Sie lauschen, in einer grotesken Stellung verharrend.>1 <2ESTRAGON>2 Ich ho%re nichts. <2WLADIMIR>2 Pssst! <1Sie lauschen, Estragon verliert das Gleichgewicht und fa%llt>1 <1 beinahe hin. Er klammert sich am A rm Wladimirs fest, der>1 <1 schwankt. Sie lauschen, einer an den anderen gelehnt, und>1 <1 schauen sich in die Augen.>1 Ich auch nicht! <1Seufzer der Erleichterung. Entspannung. Sie gehen ausein->1 <1 ander.>1 <2ESTRAGON>2 Du hast mir Angst eingejagt. <2WLADIMIR>2 Ich glaubte, er sei es. <2ESTRAGON>2 Wer? <2WLADIMIR>2 Godot. <2ESTRAGON>2 Pah! Der Wind im Schilf. <2WLADIMIR>2 Ich ha%tte geschworen, dass einer schreit. <2ESTRAGON>2 Wen soll er denn anschreien? <2WLADIMIR>2 Sein Pferd. 53 <1Schweigen.>1 <2ESTRAGON>2 Komm, wir gehen. <2WLADIMIR>2 Wohin? <1Pause.>1 Heute abend schlafen wir viel- leicht bei Ihm, im Warmen, im Trocknen, mit vollem Bauch, auf Stroh. Dann lohnt es sich zu warten. Nicht? <2ESTRAGON>2 Nicht die ganze Nacht. <2WLADIMIR>2 Es ist noch Tag. <1Schweigen.>1 <2ESTRAGON>2 Ich hab Hunger. <2WLADIMIR>2 Willst du eine gelbe Ru%be? <2ESTRAGON>2 Gibt's nichts anderes? <2WLADIMIR>2 Ich muss noch ein paar weisse haben. <2ESTRAGON>2 Gib mir eine gelbe! <1Wladimir sucht in seinen Taschen, zieht eine weisse Ru%be>1 <1 heraus und gibt sie Estragon.>1 <2ESTRAGON>2 Danke. <1Er beisst hinein. Klagend:>1 Das ist eine weisse! <2WLADIMIR>2 Oh, Verzeihung! Ich ha%tte geschworen, dass es eine gelbe ist. <1Er sucht von neuem in seinen Taschen und>1 <1 findet nur weisse Ru%ben.>1 Das sind alles weisse. <1Er sucht im->1 <1 mer noch.>1 Du hast die letzte wohl gegessen. <1Er sucht.>1 Warte, da ist sie. <1Er bringt endlich eine gelbe Ru%be zum>1 <1 Vorschein und gibt sie Estragon.>1 Da, mein Lieber. <1Estra->1 <1 gonputzt sie an seinem Armel ab und beginnt, sie zu essen.>1 Gib die weisse wieder her! <1Estragon gibt die weisse Ru%be>1 <1 zuru%ck.>1 Geh sparsam damit um, es gibt keine mehr. <2ESTRAGON>2 <1kauend:>1 Ich hab dich etwas gefragt. <2WLADIMIR>2 So? <2ESTRAGON>2 Hast du mir geantwortet? <2WLADIMIR>2 Schmeckt dir die Ru%be? <2ESTRAGON>2 Sie ist su%ss. <2WLADIMIR>2 Um so besser. Um so besser. <1Pause.>1 Was wolltest 55 du wissen? <2ESTRAGON>2 Ich komm nicht mehr drauf. <1Er kaut.>1 Und das a%r- gert mich. <1Er betrachtet die gelbe Ru%be voller Bewunderung, ha%lt sie>1 <1 zwischen den Fingerspitzen und schwenkt sie durch die>1 <1 Luft.>1 Ko%stlich! <1Er lutscht nachdenklich am Ende der gel->1 <1 ben Ru%be.>1 Wart mal, es fa%llt mir wieder ein. <1Er beisst ein>1 <1 Stu%ck ab.>1 <2WLADIMIR>2 Na, und? <2ESTRAGON>2 <1mit vollem Mund, zerstreut:>1 Wir sind doch nicht gebunden? <2WLADIMIR>2 Ich verstehe nichts. <2ESTRAGON>2 <1kaut und schluckt:>1 Ich frage, ob wir gebunden sind. <2WLADIMIR>2 Gebunden? <2ESTRAGON>2 Ge-bun-de-n <2WLADIMIR>2 Wie gebunden? <2ESTRAGON>2 An Ha%nden und Fu%ssen. <2WLADIMIR>2 Aber an wen? Durch wen? <2ESTRAGON>2 An deinen guten Mann. <2WLADIMIR>2 An Godot? Gebunden an Godot? Wie kommst du darauf? Nie im Leben! <1Pause.>1 Noch -- nicht. <1Er betont>1 <1>>noch<<.>1 <2ESTRAGON>2 Heisst er Godot? <2WLADIMIR>2 Ich glaube. <2ESTRAGON>2 Soso! <1Er ha%lt den Rest der gelben Ru%be an dem>1 <1kurzen Strunk fest und schwenkt ihn vor seinen Augen.>1 Es ist eigenartig, je weiter man kommt, um so schlechter schmeckt's. <2WLADIMIR>2 Bei mir ist das Gegenteil der Fall. <2ESTRAGON>2 Das heisst? <2WLADIMIR>2 Ich gewo%hne mich nach und nach an den 57 Geschmack. <2ESTRAGON>2 <1nachdem er lange u%berlegt hat:>1 Ist es das Gegen- teil? <2WLADIMIR>2 Eine Frage des Temperaments. <2ESTRAGON>2 Des Charakters. <2WLADIMIR>2 Man kann nichts dafu%r. <2ESTRAGON>2 Was man auch anstellen mag. <2WLADIMIR>2 Man bleibt, wie man ist. <2ESTRAGON>2 Wie man sich auch winden mag. <2WLADIMIR>2 Im Grunde a%ndert sich nichts. <2ESTRAGON>2 Nichts zu machen. <1Er ha%lt Wladimir den Rest der gelben Ru%be hin.>1 Willst du sie aufessen? <1Ein lauter Schrei erto%nt ganz in der Na%he. Estragon la%sst die>1 <1 gelbe Ru%befallen. Sie bleiben regungslos stehen und rennen>1 <1 auf die Kulisse zu. Estragon bleibt auf halbem Wege stehen,>1 <1 geht wieder zuru%ck, hebt die gelbe Ru%be auf und stopft sie>1 <1 in seine Tasche. Dann la%uft er auf Wladimir zu, der ihn er->1 <1 wartet, ha%lt wieder an, geht zuru%ck, hebt seinen Schuh auf>1 <1 und la%uft dann zu Wladimir. Sie wenden sich engum->1 <1 schlungen mit eingezogenen Ko%pfen von der drohenden>1 <1 Gefahr ab und warten.>1 <1Pozzo und Lucky treten auf. Pozzo fu%hrt Lucky am Strick>1 <1 vor sich her. Der Strick ist um Luckys Hals geschlungen.>1 <1 Man sieht zuerst Lucky und den Strick. Der Strick muss so>1 <1 lang sein, dass Lucky bis auf die Mitte der Bu%hne gehen>1 <1 kann, ehe Pozzo aus den Kulissen tritt. Lucky tra%gt einen>1 <1 schweren Handkoffer, einen Klappstuhl, einen Vorrats->1 <1 korb und auf dem Arm einen Mantel; Pozzo hat eine Peit->1 <1 sche.>1 pozzo <1noch hinter den Kulissen:>1 Schneller! <1Peitschenknallen. Pozzo erscheint. Sie u%berqueren die>1 59 <1Bu%hne. Lucky geht an Wladimir und Estragon vorbei und>1 <1 verla%sst die Bu%hne. Pozzo bleibt stehen, nachdem er Wladi->1 <1 mir und Estragon erblickt hat. Der Strick spannt sich.>1 <1 Pozzo zieht heftig daran.>1 Zuru%ck! <1Gera%usch eines Sturzes.>1 <1 Lucky stu%rzt mit seiner ganzen Last zu Boden. Wladimir>1 <1 und Estragon schauen ihn an und sind unschlu%ssig, ob sie>1 <1 ihm zu Hilfe eilen oder ob sie sich aus Angelegenheiten, die>1 <1 sie nichts angehen, heraushalten sollen. Wladimir geht ei->1 <1 nen Schritt auf Lucky zu. Estragon ha%lt ihn am A%rmel zu->1 <1 ru%ck.>1 <2WLADIMIR>2 Lass mich los! <2ESTRAGON>2 Bleib ruhig. <2POZZO>2 Vorsicht! Er ist bissig. <1Estragon und Wladimir>1 <1schauen ihn an.>1 Fremden gegenu%ber. <2ESTRAGON>2 <1leise:>1 ISt er es? <2WLADIMIR>2 Wer? <2ESTRAGON>2 Na, der. . . <2WLADIMIR>2 Godot? <2ESTRAGON>2 Eben. <2POZZO>2 Ich stelle mich vor: Pozzo. <2WLADIMIR>2 Ach was! <2ESTRAGON>2 Er sagte: Godot. <2WLADIMIR>2 Ach was! <2ESTRAGON>2 <1zu Pozzo:>1 Mein Heir, sind Sie vielleicht Herr Godot? <2POZZO>2 <1mit schrecklicher Stimme:>1 Ich bin Pozzo! <1Schweigen.>1 Der Name sagt Ihnen nichts? <1Schweigen.>1 Ich frage Sie, ob der Name Ihnen nichts sagt? <1Wladimir und Estragon blicken einander fragend an.>1 <2ESTRAGON>2 <1tut so, als suche er:>1 Bozzo... Bozzo... <2WLADIMIR>2 <1tut auch so, als suche er:>1 Pozzo... <2POZZO>2 PPPOZZO! 61 <2ESTRAGON>2 Ah! Pozzo . . . ja, ja . . . Pozzo . . . <2WLADIMIR>2 Pozzo oder Bozzo? <2ESTRAGON>2 Pozzo... nein, ich wu%sste nicht. <2WLADIMIR>2 <1verso%hnlich:>1 Ich habe eine Familie Gozzo ge- kannt. Die Mutter arbeitete am Stickrahmen. <1 Pozzo geht drohend ein paar Schrine vor.>1 <2ESTRAGON>2 <1lebhaft:>1 Wir sind nicht von hier, mein Herr. <2POZZO>2 <1bleibtstehen:>1 Sie sind aber doch menschliche Wesen. <1Er setzt seine Brille auf.>1 Wie ich sehe. <1Er nimmt die Brille>1 <1 ab.>1 Von derselben Gattung wie ich. <1Er bricht in bru%llendes>1 <1 Lachen aus.>1 Von derselben Gattung wie Pozzo! Go%ttli- cher Abstammung! <2WLADIMIR>2 Das heisst... <2POZZO>2 <1ihm ins Wort fallend:>1 Wer ist Godot? <2ESTRAGON>2 Godot? <2POZZO>2 Ihr habt mich fu%r Godot gehalten. <2WLADIMIR>2 0 nein, mein Herr, nicht einen einzigen Augen- blick. <2POZZO>2 Wer ist es? <2WLADIMIR>2 Nu ja, das ist ein... das ist ein Bekannter. <2ESTRAGON>2 Ach was, ich bitte dich, wir kemen ihn kaum. <2WLADIMIR>2 Gewiss.. . wir kennen ihn nicht sehr gut.. . aber immerhin . . . <2ESTRAGON>2 Ich jedenfalls wu%rde ihn nicht wiedererkennen. <2POZZO>2 Ihr habt mich fu%r ihn gehalten. <2ESTRAGON>2 Das heisst.. . die Dunkelheit... die Mu%digkeit... die Schwa%che. . . das Warten . . . ich gebe zu. . . ich glaubte einen Moment. . . <2WLADIMIR>2 Ho%ren Sie nicht auf ihn, mein Herr, ho%ren Sie nicht auf ihn! <2POZZO>2 Das Warten? Sie warteten also auf ihn? <2WLADIMIR>2 Das heisst... 63 <2POZZO>2 Hier? Auf meinem Grund und Boden? <2WLADIMIR>2 Wir dachten uns nichts Bo%ses dabei. <2ESTRAGON>2 Es war in guter Absicht. <2POZZO>2 Die Strasse geho%rt allen. <2WLADIMIR>2 Das haben wir uns auch gesagt. <2POZZO>2 Es ist eine Schande, aber es ist so. <2ESTRAGON>2 Man kann es nicht a%ndern. <2POZZO>2 <1mit grosser Geste:>1 Sprechen wir nicht mehr daru%ber. <1Er zieht an dem Strick.>1 Auf! <1Pause.>1 Jedesmal, wenn er hin- fa%llt, schla%ft er ein. <1Er zieht an dem Strick.>1 Auf, du Aas! <1 Gera%usch Luckys, der aufsteht und seine Sachen aufhebt.>1 <1 Pozzo zieht am Strick.>1 Zuru%ck! <1Lucky tritt ru%ckwa%rts ge->1 <1 hend auf.>1 Halt! <1Lucky bleibt stehen.>1 Kehrt! <1Lucky dreht>1 <1 sich um. Zu Wladimir und Estragon, leutselig.>1 Meine Freunde, ich bin glu%cklich, Sie getroffen zu haben. <1Vor ih->1 <1 rem ungla%ubigen Blick.>1 Ganz gewiss, aufrichtig glu%ck- lich. <1Er zieht an dem Strick.>1 Na%her ran! <1Lucky geht ein>1 <1 paar Schritte.>1 Halt! <1Lucky bleibt stehen. Zu Wladimir und>1 <1 Estragon.>1 Sehen Sie, der Weg ist weit, wenn man ganz allein unterwegs ist, seit... <1Er schaut auf seine Uhr...>1 <1 seit... Er rechnet...>1 sechs Stunden, ja, es stimmt, sechs Stunden hintereinander, ohne einer Menschenseele zu begegnen. <1Zu Lucky.>1 Mantel! <1Lucky stellt den Koffer auf>1 <1 die Erde, tritt vor, reicht den Mantel, geht zuru%ck und>1 <1 nimmt den Koffer wieder in die Hand.>1 Halt das fest. <1Pozzo>1 <1 ha%lt ihm die Peitsche hin, Lucky tritt vor und, da er keine>1 <1 Hand mehr frei hat, bu%ckt er sich und nimmt die Peitsche>1 <1 zwischen seine Za%hne, dann geht er wieder an seinen Platz.>1 <1 Pozzo beginnt damit, seinen Mantel anzuziehen, und ha%lt>1 <1 dabei inne.>1 Mantel! <1Pozzo stellt alles auf die Erde, geht vor,>1 <1 hilft Pozzo in den Mantel, geht zuru%ck, nimmt alles wieder>1 <1 auf.>1 Es geht ein frischer Wind! <1Er kno%pft seinen Mantel>1 65 <1ganz Zu, bu%ckt sich, betrachteG sich und richtet sich wieder>1 <1auf.>1 Peitsche! <1Lucky geht vor, bu%ckt sich, Pozzo reisst ihm>1 <1die Peitsche aus dem Mund, Lucky geht wieder zuru%ck.>1 Se- hen Sie, meine Freunde, ich kann nicht lange auf die Ge- sellschaft von meinesgleichen verzichten. <1Er schaut Wla->1 <1dimir und Estragon an.>1 Selbst dann nicht, wenn sie mir nur unvollkommen gleichen. <1Zu Lucky.>1 Klappstuhl! <1Lucky>1 <1stellt den Koffer und den Korb auf die Erde, geht vor, o%ffnet>1 <1nimmt den Koffer und den Korb wieder in die Ha%nde.>1 <1Pozzo schaut den Klappstuhl an.>1 Na%her ran! <1Lucky stellt>1 <1den Koffer und den Korb auf die Erde, geht vor, schiebt>1 <1den Klappstuhl weiter vor, geht wieder an seinen Platz und>1 <1hebt Koffer und Korb wieder auf. Pozzo setzt sich, beru%hrt>1 <1mit dem Ende seiner Peitsche Luckys Brust und sto%sst zu.>1 Zuru%ck! <1Lucky geht zuru%ck.>1 Weiter! <1Lucky geht noch wei->1 <1ter zuru%ck.>1 Halt! <1Lucky bleibt stehen. Zu Wladimir und>1 <1Estragon.>1 Darum werde ich, mit Ihrer Erlaubnis, ein we- nig bei Ihnen verweilen, ehe ich mich weiter vorwa%rts wage. <1Zu Lucky.>1 Korb! <1Lucky geht vor, gibt den Korb und>1 <1geht wieder zuru%ck.>1 Die frische Luft zehrt! Er <1o%ffner den>1 <1Korb, nimmt ein Hu%hnerbein, ein Stu%ck Brot und eine Fla->1 <1sche Wein heraus. Zu Lucky.>1 Korb! <1Lucky geht vor, nimmt>1 <1den Korb, geht zuru%ck und bleibt stehen.>1 Weiter weg! <1Lucky geht weiter zuru%ck.>1 Halt! <1Lucky bleibt stehen.>1 Er stinkt. <1Er trinkt einen grossen Schluck aus der Flasche.>1 Auf unser aller Wohl! <1Er stellt seine Flasche auf de Erde und>1 <1beginnt zu essen. Schweigen. Estragon und Wladimir fas->1 <1sen sich allma%hlich ein Herz, gehen um Lucky herum und>1 <1betrachten ihn von allen Seiten. Pozzo beisst gierig in das>1 <1Hu%hnerbein und wirft die Knochen weg, nachdem er sie>1 <1abgelutscht hat. Lucky geht langsam in die Kniebeuge, bis>1 67 <1der Koffer den Boden beru%hrt. Er richtet sich plo%tzlich auf>1 <1 und sinkt wieder zusammen, wie jemand, der im Stehen>1 <1 schla%ft.>1 <2ESTRAGON>2 Was hat er? <2WLADIMIR>2 Er sieht mu%de aus. <2ESTRAGON>2 Warum setzt er sein Gepa%ck nicht ab? <2WLADIMIR>2 Weiss ich das? <1Sie gehen na%her an ihn heran.>1 Vor- sicht! <2ESTRAGON>2 Sollen wir ihn mal ansprechen? <2WLADIMIR>2 Schau dir das an! <2ESTRAGON>2 Was? <2WLADIMIR>2 <1zeigend:>1 Den Hals. <2ESTRAGON>2 <1betrachtet den Hals:>1 Ich sehe nichts. <2WLADIMIR>2 Stell dich hierhin. <1Estragon stellt sich an den Platz>1 <1Wladimirs.>1 <2ESTRAGON>2 Tatsa%chlich. <2WLADIMIR>2 Ganz wund. <2ESTRAGON>2 Das macht der Strick. <2WLADIMIR>2 Das Reiben. <2ESTRAGON>2 Was soll s? <2WLADIMIR>2 Das macht der Knoten. <2ESTRAGON>2 Unausbleiblich. <1Sie setzen ihre Inspektion fort und verharren bei der Be->1 <1 trachtung des Gesichtes.>1 <2WLADIMIR>2 Er ist nicht u%bel. <2ESTRAGON>2 <1zuckt die Achseln und zieht ein schiefes Maul:>1 Findest du? <2WLADIMIR>2 Etwas verweichlicht. <2ESTRAGON>2 Er sabbert. <2WLADIMIR>2 Das bleibt nicht aus. <2ESTRAGON>2 Er scha%umt. <2WLADIMIR>2 Ist vielleicht ein Idiot. 69 <2ESTRAGON>2 Ein Kretin. <2WLADIMIR>2 <1streckt den Kopf aus:>1 Er hat bestimmt 'nen Kropf <2ESTRAGON>2 <1streckt den Kopf ebenfalls aus:>1 Das ist nicht ge- sagt. <2WLADIMIR>2 Er schnauft. <2ESTRAGON>2 Das ist klar. <2WLADIMIR>2 Und seine Augen. <2ESTRAGON>2 Was ist damit? <2WLADIMIR>2 Sie quellen hervor. <2ESTRAGON>2 Fu%r mich ist er am Verrecken. <2WLADIMIR>2 Das ist nicht gesagt! <1Pause.>1 Frag ihn mal was. <2ESTRAGON>2 Meinst du? <2WLADIMIR>2 Was kann da schon passieren? <2ESTRAGON>2 <1schu%chtern:>1 Entschuldigen Sie . . . <2WLADIMIR>2 Lauter. <2ESTRAGON>2 <1lauter:>1 Entschuldigen Sie bitte . . . <2POZZO>2 Lasst ihn in Ruhe. <1Sie wenden sich Pozzo zu, der zu>1 <1essen aufgeho%rt hat und sich mit dem Handru%cken den>1 <1 Mund abwischt.>1 Seht ihr nicht, dass er sich ausruhen will? <1 Er nimmt seine Pfeife und beginnt sie zu stopfen. Estragon>1 <1 sieht die Hu%hnerknochen auf der Erde und starrt sie gierig>1 <1 an. Pozzo streicht ein Zu%ndholz an und versucht, seine>1 <1 Pfeife anzuzu%nden.>1 Korb! <1Lucky ru%hrt sich nicht, Pozzo>1 <1 wirft das Streichholz zornig weg und zieht am Strick.>1 Korb! <1 Lucky fa%llt fast hin, kommt wieder zu sich, geht vor, legt>1 <1 die Flasche in den Korb, kehrt an seinen Platz zuru%ck und>1 <1 nimmt seine alte Stellung wieder ein. Estragon heftet sein>1 <1 Augenmerk auf die Hu%hnerknochen. Pozzo streicht ein>1 <1 zweites Zu%ndholz an und zu%ndet seine Pfeife an.>1 Was wol- len Sie, es ist nicht seine Arbeit. <1Er tut einen Zug und>1 <1 streckt die Beine aus.>1 Ah! Jetzt geht's mir besser. <2ESTRAGON>2 <1schu%chtern:>1 Mein Herr. . . 71 <2POZZO>2 Was ist denn, mein Sohn? <2ESTRAGON>2 O%h... essen Sie... o%h... brauchen Sie die Kno- chen nicht mehr, mein Herr? <2WLADIMIR>2 <1a%rgerlich:>1 Konntest du nicht warten? <2POZZO>2 Was denn, was denn, da ist doch nichts dabei. Ob ich die Knochen brauche? <1Er schiebt sie mit dem Ende seines>1 <1 Peitschenstiels etwas weiter weg.>1 Nein, ich perso%nlich brauche sie nicht mehr. <1Estragon geht auf die Knochen zu.>1 Aber . . . <1Estragon bleibt stehen.>1 Aber eigentlich stehen sie dem Tra%ger zu. Ihn mu%ssen Sie also darum bitten. <1Estra->1 <1 gon wendet sich Lucky zu, zo%gert.>1 Fragen Sie doch, fragen Sie ihn, nur keine Angst, er wird es Ihnen sagen. <1Estragon geht auf Lucky zu und bleibt vor ihm stehen.>1 <2ESTRAGON>2 Entschuldigen Sie. . . mein Herr. <1Lucky reagiert nicht. Pozzo la%sst die Peitsche knallen.>1 <1 Lucky hebt den Kopf.>1 <2POZZO>2 Man spricht mit dir, Scheein. Antworte! <1Zu Estra->1 <1gon.>1 Los! <2ESTRAGON>2 Entschuldigen Sie, mein Herr, die Knochen... wollen Sie sie? <1Lucky schaut Estragon lange an.>1 <2POZZO>2 <1su%sslich, ironisch:>1 Mein Herr! <1Lucky la%sst den Kopf>1 <1sinken.>1 Antworte! Willst du sie oder willst du sie nicht? <1 Lucky schweigt. Zu Estragon.>1 Sie geho%ren Ihnen. <1Estra->1 <1 gon stu%rzt sich auf die Knochen, hebt sie auf und beginnt>1 <1 sie abzunagen.>1 Merkwu%rdig! Es ist sicher das erste Mal, dass er einen Knochen ablehnt. <1Er schaut Lucky beun->1 <1 ruhigt an.>1 Ich hoffe, dass er sich nicht den Spass erlaubt, krank zu werden. <1Er zieht an seiner Pfeife.>1 <2WLADIMIR>2 <1lautaufschreiend:>1 Es ist eine Schande! <1Schweigen. Estragon ist verblu%fft und ho%rt auf, an dem>1 <1 Knochen zu nagen. Er schaut abwechselnd Wladimir und>1 <1 Pozzo an. Pozzo ist sehr ruhig. Wladimir ist mehr und>1 73 <1mehr gehemmt.>1 <2POZZO>2 <1zu Wladimir:>1 Spielen Sie auf etwas Bestimmtes an? <2WLADIMIR>2 <1entschlossen und stammelnd:>1 Einen Menschen <1er zeigt auf Lucky>1 so zu behandeln... das finde ich. . . ein menschliches Wesen . . . nein . . . das ist eine Schande! <2ESTRAGON>2 <1der ihm nicht nachstehen mo%chte:>1 Ein Skandal! <1Er nagt weiter an seinem Knochen.>1 <2POZZO>2 Sie sind hart. <1Zu Wladimir.>1 Wie alt sind Sie, ohne indiskret zu sein? <1Schweigen.>1 Sechzig? . .. Siebzig? ... <1Zu>1 <1 Estragon.>1 Wie alt mag er sein? <2ESTRAGON>2 Fragen Sie ihn doch. <2POZZO>2 Ich bin indiskret. <1Er klopft seine Pfeife an seinem>1 <1Peitschenstiel aus, steht auf.>1 Ich werde Sie verlassen. Ich bedanke mich fu%r die Unterhaltung. <1Er u%berlegt.>1 Es sei denn, ich rauchte noch eine Pfeife mit Ihnen. Was sagen Sie dazu? <1Sie sagen nichts.>1 Oh, ich bin nur ein ma%ssiger Raucher, ein ganz ma%ssiger Raucher. Ich habe nicht die Gewohnheit, zwei Pfeifen hintereinander zu rauchen. Davon <1er legt seine Hand aufs Herz>1 bekomme ich Herz- klopfen. <1Pause.>1 Das kommt vom Nikotin, man nimmt es trotz aller Vorsichtsmassnahmen in sich auf. <1Er seufzt.>1 Was soll man machen? <1Pause.>1 Aber vielleicht sind Sie Nicht- raucher? Ja? Nein? Ist ja auch nebensa%chlich. <1Pause.>1 Aber wie soll ich jetzt, nachdem ich aufgestanden bin, unge- zwungen wieder Platz nehmen? Ohne dass es aussieht, als wu%rde ich -- wie soll man sagen -- weich werden? <1Zu Wla->1 <1 dimir.>1 Sie sagten? <1Schweigen.>1 Sie haben womo%glich nichts gesagt? <1Schweigen.>1 Ist ja auch unbedeutend. Na, ja . . . <1Er>1 <1 u%berlegt.>1 <2ESTRAGON>2 Ah! Jetzt geht's mir besser. <1Er steckt die Knochen>1 <1in die Tasche.>1 75 <2WLADIMIR>2 Gehen wir! <2ESTRAGON>2 Schon? <2POZZO>2 Einen Moment. <1Er zieht am Strick.>1 Klappstuhl! <1Er>1 <1zeigtmitseiner Peitsche den neuen Platz an. Lucky ru%cktden>1 <1 Klappstuhl dahin.>1 Weiter! Da! <1Er setzt sich wieder. Lucky>1 <1 geht zuru%ck, nimmt den Koffer und Korb wieder auf.>1 So, ich sitze wieder! <1Erfa%ngt an, seine Pfeife wieder zu stopfen.>1 <2WLADlMIR>2 Gehen wir! <2POZZO>2 Ich hoffe, dass Sie sich durch mich nicht verjagen las- sen. Bleiben Sie noch etwas, es wird Ihnen nicht leid tun. <2ESTRAGON>2 <1der ein Almosen wittert:>1 Wir haben Zeit! <2POZZO>2 <1nachdem er seine Pfeife angesteckt hat:>1 Die zweite ist immer schlechter <1er nimmt die Pfeife aus dem Mund und>1 <1 betrachtet sie>1 als die erste, meine ich. <1Er steckt die Pfeife>1 <1 wieder in den Mund.>1 Aber sie ist trotzdem gut. <2WLADIMIR>2 Ich gehe. <2POZZO>2 Er kann meine Anwesenheit nicht mehr ertragen. Ich bin vielleicht nicht gerade sehr menschlich, aber wer ist es? <1Zu Wladimir.>1 U%berlegen Sie, bevor Sie eine Dummheit machen. Angenommen, Sie gingen jetzt, so- lange es noch Tag ist, denn es ist immerhin noch Tag. <1Alle>1 <1 drei schauen zum Himmel.>1 Gut. Was wu%rde dann... <1Er>1 <1 nimmt seine Pfeife aus dem Mund, betrachtet sie.>1 . . sie ist aus . . . <1Er steckt die Pfeife wieder an.>1 . . was wu%rde dann. . . was wu%rde dann. .. was wu%rde dann aus Ihrer Verabre- dung mit diesem . . . Gono .: . Godot.. . Gobo . . . <1Pause>1. . . Sie wissen ja, wen ich meine, von dem Ihre Zukunft ab- ha%ngt . . . <1Pause>1. . . jedenfalls Ihre na%chste Zukunft. <2ESTRAGON>2 Er hat recht. <2WLADIMIR>2 Woher wissen Sie das? <2POZZO>2 Sieh da! Er spricht wieder mit mir! Schliesslich wer- den wir noch gute Freunde. 77 <2ESTRAGON>2 Warum setzt er sein Gepa%ck nicht ab? PozZo Ich wa%re auch glu%cklich, ihn zu treffen. Je mehr Leute ich treffe, um so glu%cklicher bin ich. Durch die un- scheinbarste Kreatur kann man sich fortbilden, reicher werden, sein Glu%ck besser geniessen lernen. Sogar ihr. .. <1 Er betrachtet einen nach dem anderen aufmerksam.>1 Wer weiss, sogar ihr ha%ttet mir vielleicht etwas gegeben. <2ESTRAGON>2 Warum setzt er sein Gepa%ck nicht ab? <2PoZZO>2 Aber, es wu%rde mich wundern. <2WLADIMIR>2 Man hat Ihnen eine Frage gestellt. <2POZZO>2 <1entzu%ckt:>1 Eine Frage? Wer? Welche? <1Schweigen.>1 Gerade sagten Sie noch zitternd >mein Herr< zu mir. Jetzt stellen Sie mir Fragen. Das wird u%bel enden. <2WLADIMIR>2 <1zu Estragon:>1 Ich glaube, dass er jetzt zuho%rt. <2ESTRAGON>2 <1der wieder um Lucky herumstreicht:>1 Was? <2WLADIMIR>2 Du kannSt ihn jetzt fragen. Er ist darauf gefasst. <2ESTRAGON>2 Was soll ich ihn fragen? <2WLADIMIR>2 Warum er sein Gepa%ck nicht absetzt. <2ESTRAGON>2 Das frag ich mich auch. <2WLADIMIR>2 Frag ihn doch, los! <2POZZO>2 <1der in der Angst, dass man die Frage vergessen ko%nnte,>1 <1der Unterhaltung aufmerksam folgte:>1 Sie fragen mich, warum er sein Gepa%ck nicht absetzt, wie Sie sagen. <2WLADIMIR>2 Eben. <2POZZO>2 <1zu Estragon:>1 Sie meinen dasselbe? <2ESTRAGON>2 <1streicht weiter um Lucky herum:>1 Er schnappt nach Luft wie ein Seehund. <2POZZO>2 Ich werde Ihnen antworten. <1Zu Estragon.>1 Ich muss Sie jedoch bitten, still zu sein; Sie machen mich ja nervo%s. <2WLADIMIR>2 Komm her. <2ESTRAGON>2 Was gibt's? <2WLADIMIR>2 Er will Was sagen. 79 <1Ohne sich zu ru%hren, stehen sie nebeneinander und warten.>1 PozZo Ausgezeichnet. Sind alle da? Schauen mich alle an? <1Er schaut nach Lucky, zieht am Strick. Lucky hebt den>1 <1 Kopf hoch.>1 Sieh mich an, Schwein! <1Lucky schaut ihn an.>1 Ausgezeichnet. <1Er steckt die Pfeife in die Tasche, kramt ei->1 <1 nen kleinen Zersta%uber hervor, besta%ubt seinen Rachen,>1 <1 steckt den Zersta%uber wieder in die Tasche, hu%stelt etwas,>1 <1 shuckt aus, holt den Zersta%uber wieder hervor, besta%ubt>1 <1 seinen Rachen noch einmal, steckt den Zersta%uber wieder>1 <1 in die Tasche.>1 Ich bin soweit. Ho%rt alles zu? <1Er schaut>1 <1 Lucky an, zieht am Strick.>1 Weiter vor! <1Lucky geht etwas>1 <1 vor.>1 Halt! <1Lucky bleibt stehen.>1 Ist alles soweit? <1Er schaut>1 <1 alle drei an, Lucky zuletzt. Er zieht am Strick.>1 Wird's bald? <1 Lucky hebt den Kopf hoch.>1 Ich mo%chte nicht ins Leere sprechen. Gut. Also . . . <1Er u%berlegt.>1 <2ESTRAGON>2 Ich gehe. <2POZZO>2 Was war es noch, wonach Sie mich gefragt haben? <2WLADIMIR>2 Warum er -- <2POZZO>2 <1wu%tend:>1 Fallen Sie mir nicht ins Wort! <1Pause. Ruhi->1 <1ger.>1 Wenn wir alle gleichzeitig reden, kommen wir nie weiter. <1Pause.>1 Was habe ich gerade gesagt? <1Pause. Lauter.>1 Was habe ich gerade gesagt? <1Wladimir mimt einen, der schweres Gepa%ck tra%gt. Pozzo>1 <1 schaut ihn versta%ndnislos an.>1 <2ESTRAGON>2 <1mit Nachdruck:>1 Gepa%ck! <1Er zeigt mit dem Finger>1 <1auf Lucky.>1 Warum? Immer halten. <1Er mimt einen, der zu->1 <1 sammensinkt und nach Luft schnappt.>1 Niemals absetzen. <1 Er o%ffnet die Ha%nde und richtet sich erleichtert auf.>1 Warum? <2PoZZO>2 Ach so. Ihr ha%ttet es eher sagen sollen. Warum er es sich nicht bequem macht. Versuchen wir, klar zu sehen. Darf er es nicht? Doch! Er will also nicht. Ist doch logisch! Und warum will er nicht? <1Pause.>1 Meine Herren, ich werd es Ihnen sagen. <2WLADIMIR>2 Pass auf! <2POZZO>2 Um mich zu beeindrucken. Damit ich ihn behalte. <2ESTRAGON>2 Wie bitte? <2POZZO>2 Ich habe mich vielleicht schlech versucht, mich weichzumachen, damit ich darauf ver- zichte, mich von ihm zu trennen. Nein, es stimmt nicht ganz. <2WLADIMIR>2 Wollen Sie ihn loswerden? <2POZZO>2 Er will mich kleinkriegen, aber er kriegt mich nicht. <2WLADIMIR>2 Wollen Sie ihn loswerden? <2POZZO>2 Er bildet sich ein, wenn er sich als ein guter Tra%ger zeigt, wa%re ich geneigt, ihn auch in Zukunft in dieser Ei- genschaft zu verwenden. <2ESTRAGON>2 Wollen Sie ihn nicht mehr haben? <2POZZO>2 Er tra%gt na%mlich wie ein Schwein. Es ist nicht sein Fach. <2WLADIMIR>2 Wollen Sie ihn loswerden? <2POZZO>2 Er malt sich aus, dass ich meinen Entschluss bedauern wu%rde, wenn ich ihn so unermu%dlich sehe. Das ist seine elende Berechnung. Als ob ich Mangel an Knechten ha%tte. <1Alle drei schauen Lucky an.>1 Atlas, Jupiters Sohn! <1Pause.>1 So. Ich glaube, auf Ihre Frage geantwortet zu haben. Ha- ben Sie noch andere? <1Er besta%ubt wieder seinen Rachen.>1 <2WLADIMIR>2 Wollen Sie ihn loswerden? <2POZZO>2 Schliesslich ha%tte ich in seiner Haut stecken ko%nnen und er in meiner. Wenn der Zufall es nicht anders gewollt ha%tte. Jedem das Seine. <2WLADIMIR>2 Wollen Sie ihn loswerden? <2POZZO>2 Wie bitte? <2WLADIMIR>2 Wollen Sie ihn loswerden? 83 <2POZZO>2 In der Tat. Aber anstatt ihn fortzujagen, wie ich ge- konnt ha%tte, ich meine, anstatt ihn einfach mit Fusstritten vor die Tu%r zu setzen, bring' ich ihn -- so gut bin ich nun mal -- zum Salvator-Markt, wo er mir noch etwas einbrin- gen wird. Offen gestanden, solche Wesen fortjagen, das iSt unmo%glich. Das Beste wa%r, sie einfach zu to%ten. <1Lucky weint.>1 <2ESTRAGON>2 Er weint. <2POZZO>2 Alte Hunde haben mehr Ehrgefu%hl. <1Er reicht Estra->1 <1gon sein Taschentuch.>1 Tro%sten Sie ihn, da Sie ihn schon beklagen. <1Estragon zo%gert.>1 Nehmen Sie. <1Estragon nimmt>1 <1 das Taschentuch.>1 Wischen Sie ihm die Augen, dann fu%hlt er sich nicht so einsam. <1Estragon zo%gert immer noch.>1 <2WLADIMIR>2 Gib her, ich mach das schon. <1Estragon will das Taschentuch nicht hergeben. Kindliche>1 <1 Gesten.>1 <2POZZO>2 Machen Sie schnell. Er weint schon bald nicht mehr. <1Estragon na%hert sich Lucky und schickt sich an, ihm die>1 <1 Tra%nen abzuwischen. Lucky versetzt ihm einen Fusstritt ge->1 <1 gen das Schienbein. Estragon la%sst das Taschentuch fallen,>1 <1 springt zuru%ck, la%uft hinkend im Kreis u%ber die Bu%hne und>1 <1 heult vor Schmerzen.>1 Taschentuch. <1Lucky setzt Koffer und Korb ab, hebt das Taschentuch auf,>1 <1 geht vor, gibt es Pozzo, geht zuru%ck, nimmt Koffer und>1 <1 Korb wieder auf.>1 <2ESTRAGON>2 Du Lump! Du Schweinehund! <1Er krempelt seine>1 <1Hose auf.>1 Er hat mir eins verpasst! <2POZZO>2 Ich hatte Ihnen gesagt, dass er Fremde nicht leiden kann. <2WLADIMIR>2 <1zu Estragon:>1 Zeig her. <1Estragon zeigt ihm sein>1 <1Bein.>1 <1Zu Pozzo, zornig.>1 Er blutet. 85 zusagen abgelo%st. <1Tra%umerisch.>1 Die Tra%nen der Welt sind unverga%nglich. Fu%r jeden, der anfa%ngt zu Weinen, ho%rt ir- gendwo ein anderer auf. Genauso ist es mit dem Lachen. <1 Er lacht.>1 Sagen wir also nichts Schlechtes von unserer Epoche. Sie ist nicht unglu%cklicher als die vergangene. <1 Pause.>1 Sagen wir auch nichts Gutes von ihr. <1Schweigen.>1 Sprechen wir nicht davon. <1Schweigen.>1 Die Bevo%lkerung hat zwar zugenommen. <2WLADIMIR>2 Versuch, zu laufen. <1Estragon geht hinkend ein paar Schritte, bleibt vor Lucky>1 <1 stehen, spuckt ihn an und setzt sich dann auf seinen Platz.>1 <2POZZO>2 Wissen Sie, wer mir all diese scho%nen Sachen beige- bracht hat? <1Pause. Er zeigt mit dem Finger auf seinen Be->1 <1 gleiter:>1 Er! <2WLADIMIR>2 <1schaut zum Himmel:>1 Wird es denn gar nicht Nacht? <2POZZO>2 Ohne ihn ha%tte ich nie an etwas anderes gedacht und nie etwas anderes gefu%hlt als die niederen Dinge, mit de- nen ich beruflich zu tun habe, als. .. ist ja unwichtig. Das Scho%ne, die Gnade, die allerletzten Wahrheiten waren zu hoch fu%r mich. Darum habe ich mir einen Knuck genom- men. <2WLADIMIR>2 <1ho%rt unwillku%rlich auf, zum Himmel zu schauen:>1 Einen Knuck? <2POZZO>2 Das ist nun bald sechzig Jahre her. <1Er rechnet es im>1 <1Kopf nach>1 . . . ja, bald sechzig. <1Er richtet sich stolz auf.>1 Das wurde man nicht sagen, nicht wahr? <1Wladimir schaut>1 87 <1Lucky an.>1 Neben ihm sehe ich aus wie ein junger Mann, nicht? <1Pause. Zu Lucky.>1 Hut! <1Lucky stellt den Korb auf>1 <1die Erde und nimmt seinen Hut ab. Wallendes weisses Haar>1 <1fa%llt auf seine Schultern. Er nimmt den Hut untern Arm und>1 <1hebt den Korb wieder auf.>1 Schauen Sie jetzt mal her! <1Pozzo nimmt seinen Hut ab.>1 -- <1Alle Personen tragen steife>1 <1Hu%te >Melonen<.>1 -- <1Er ist kahlko%pfig. Er setzt den Hut wie->1 <1der auf.>1 Haben Sie gesehen? <2WLADIMIR>2 Was ist ein Knuck? <2POZZO>2 Sie sind auch nicht von hier. Sind Sie u%berhaupt aus unserem Jahrhundert? Fru%her hatte man Hofnarren. Heutzutage hat man Knucks. Wenn man es sich leisten kann. <2WLADIMIR>2 Und Sie jagen ihn nun fort? Einen so alten, einen so treuen Diener? <2ESTRAGON>2 Scheisskerl! <1Pozzo wird immer unruhiger.>1 <2WLADIMIR>2 Nachdem Sie ihm das Mark ausgesogen haben, werfen Sie ihn weg wie einen.. . <1Er sucht.>1 .. wie eine Ba- nanenschale. Geben Sie zu, dass. . . <2POZZO>2 <1fu%hrt sto%hnend die Ha%nde an seinen Kopf:>1 Ich kann nicht mehr . . . kann nicht mehr ertragen . . . was er macht. . . ko%nnen nicht wissen . . . es ist schrecklich .. . er muss gehen. .. <1Er schwenkt seine Arme...>1 ich werde ver- ru%ckt... <1Er bricht zusammen. Sein Kopf sinkt in seine>1 <1Arme.>1 Ich kann nicht mehr. . . kann nicht mehr. .. <1Schweigen.>1 <1Alle schauen Pozzo an.>1 <1Lucky zittert.>1 <2WLADIMIR>2 Er kann nicht mehr. <2ESTRAGON>2 Schrecklich. <2WLADIMIR>2 Er wird verru%ckt. 89 <2ESTRAGON>2 Ekelhaft. <2WLADIMIR>2 <1zu Lucky:>1 Wie kommen Sie dazu? Eine Schande! Ein so guter Herr! Ihn so leiden zu lassen! Nach so vielen Jahren! Wahrhaftig! PoZzo <1schluchzend:>1 Fru%her. .. war er nett zu mir... er half mir. .. zerstreute mich . . . er war mein guter Geist. . . jetzt bringt er mich um... <2ESTRAGON>2 <1zu Wladimir:>1 Will er ihn ersetzen? <2WLADIMIR>2 Wie bitte? <2ESTRAGON>2 Ich hab nicht verstanden, ob er ihn ersetzen will, oder ob er nach ihm keinen mehr haben will. <2WLADIMIR>2 Ich glaube nicht. <2ESTRAGON>2 Wie bitte? <2WLADIMIR>2 Ich weiss nicht. <2ESTRAGON>2 Frag ihn mal. <2POZZO>2 <1beruhigt:>1 Meine Herren, ich weiss nicht, was mit mir passiert ist. Verzeihen Sie, bitte. Vergessen Sie das alles. <1 Er beherrscht sich mehr und mehr.>1 Ich weiss nicht mehr ge- nau, was ich gesagt habe, aber Sie ko%nnen sicher sein, dass kein wahres Wort daran war. <1Er richtet sich auf, schla%gt auf>1 <1 seine Brust.>1 Sehe ich so aus wie einer, den man leiden la%sst, ich? Na, ho%ren Sie mal! <1Er sucht in seinen Taschen.>1 Was habe ich mit meiner Pfeife gemacht? <2WLADIMIR>2 Reizender Abend. <2ESTRAGON>2 Unvergesslich. <2WLADIMIR>2 Und noch nicht vorbei. <2ESTRAGON>2 Es sieht so aus. <2WLADIMIR>2 Es fa%ngt erst an. <2ESTRAGON>2 Es ist schrecklich. <2WLADIMIR>2 Wie im Theater. <2ESTRAGON>2 Im Zirkus. <2WLADIMIR>2 Im Variete/. 91 <2ESTRAGON>2 Im Zirkus. <2POZZO>2 Was habe ich bloss mit meiner Bruye\re gemacht! <2ESTRAGON>2 Ist ja toll! Er hat seinen Rotzkocher verloren! <1Er>1 <1lacht schallend.>1 <2WLADIMIR>2 Ich komm gleich wieder! <1Er geht auf die Kulisse>1 <1zu.>1 <2ESTRAGON>2 Am Ende des Ganges links. <2WLADIMIR>2 Halt mir den Platz frei. <1Ab.>1 <2POZZO>2 Ich hab meine Abdullah verloren! <2ESTRAGON>2 <1kru%mmt sich vor Lachen:>1 Man lacht sich krumm. <2POZZO>2 <1hebt den Kopf hoch:>1 Haben Sie vielleicht gesehen, wo . . . <1Er bemerkt die Abwesenheit Wladimirs. Untro%stlich.>1 Oh! Er ist weg! Ohne >Auf Wiedersehen< zu sagen! Das ist nicht nett von ihm! Sie ha%tten ihn zuru%ckhalten sollen. <2ESTRAGON>2 Er hat es selbst zuru%ckgehalten. <2POZZO>2 Oh! <1Pause.>1 Das ist was anderes! <2ESTRAGON>2 <1steht>1 auf:Kommen Sie her! <2POZZO>2 Wozu? <2ESTRAGON>2 Sie werden s schon sehen. <2POZZO>2 Soll ich aufstehen? <2ESTRAGON>2 Kommen Sie... kommen Sie... schnell. <1Pozzo>1 <1steht auf und geht auf Estragon zu.>1 <2ESTRAGON>2 Sehen Sie! <2POZZO>2 Oje! Oje! <2ESTRAGON>2 Vorbei! <1Wladimir kommt mit du%sterem Blick zuru%ck, la%uft Lucky>1 <1 fast um, sto%sst den Klappstuhl mit einem Tritt um, geht er->1 <1 regt auf und ab.>1 <2POZZO>2 Er ist nicht zufrieden. <2ESTRAGON>2 Du hast tolle Sachen verpasst. Schade. <1Wladimir bleibt stehen, stellt den Klappstuhl wieder auf>1 <1 und geht weiter auf und ab, etwas ruhiger.>1 93 <2POZZO>2 Er wird friedlich. <1Blicktin die Runde.>1 U%brigens, alles wird friedlich, ich fu%hl's. Ein su%sser Frieden sinkt herab. <2WLADIMIR>2 <1bleibt stehen:>1 Wird es denn gar nicht Nacht? <1Alle drei schauen zum Himmel.>1 PoZzo Sie wollen nicht vorher weggehen? <2ESTRAGON>2 Ja... das heisst... <2POZZO>2 Aber es ist doch ganz natu%rlich, ganz natu%rlich. Ich wu%rde auch an Ihrer Stelle, wenn ich eine Verabredung mit einem Gono... Godot... Gobo... ha%tte... Sie wis- sen, wen ich meine, dann wu%rde ich auch die tiefe Nacht abwarten, bevor ich es aufga%be. <1Er schaut den Klappstuhl>1 <1 an.>1 Ich mo%chte mich gerne wieder hinsetzen, aber ich weiss nicht recht, wie ich es machen soll. <2ESTRAGON>2 Kann ich Ihnen helfen? <2POZZO>2 Vielleicht, wenn Sie mich darum bitten wu%rden. <2ESTRAGON>2 Worum? <2POZZO>2 Wenn Sie mich bitten wu%rden, wieder Platz zu neh- men. <2ESTRAGON>2 Wa%re Ihnen damit gedient? <2POZZO>2 Ich meine wohl. <2ESTRAGON>2 Also, bitte. Nehmen Sie doch wieder Platz, mein Herr, ich bitte Sie darum. <2POZZO>2 Nein, nein, es ist die Mu%he nicht wert. <1Pause. Leiser.>1 Nicht lockerlassen! <2ESTRAGON>2 Aber ich bitte Sie, bleiben Sie doch nicht so ste- hen, Sie werden sich erka%lten. <2POZZO>2 Glauben Sie? <2ESTRAGON>2 Aber gewiss, ganz gewiss. <2POZZO>2 Sie haben wahrscheinlich recht. <1Er setzt sich wieder.>1 Vielen Dank, mein Lieber. Da sitze ich also wieder. <1 Estragon setzt sich auch wieder. Pozzo schaut auf die Uhr.>1 95 Aber es wird Zeit. dass ich Sie verlasse. wenn ich nicht zu spa%t kommen will. <2WLADIMIR>2 Die Zeit ist stehengeblieben. <2POZZO>2 <1ha%lt die Uhr ans Ohr:>1 Glauben Sie das nicht, mein Herr, glauben Sie das nicht. <1Er steckt die Uhr wieder in die>1 <1 Tasche.>1 Alles, was Sie wollen, nur das nicht. <2ESTRAGON>2 <1zu Pozzo:>1 Er sieht heute alles schwarz. <2POZZO>2 Bis auf das Firmament. <1Er lachtzufrieden u%ber diesen>1 <1Witz.>1 Nur Geduld, es wird schon kommen. Aber ich merk es, Sie sind nicht von hier, Sie wissen noch nicht, was das ist, eine Da%mmerung hierzulande. Soll ich es Ihnen sagen? <1 Schweigen. Estragon ist wieder mit der Untersuchung sei->1 <1 nes Schuhs bescha%ftigt, wa%hrend Wladimir seinen Hut un->1 <1 tersucht. Luckys Hut fa%llt herunter, ohne dass er es merkt.>1 Ich mo%chte Sie gerne zufriedenstellen. <1Spiel mit dem Zer->1 <1 sta%uber.>1 Darf ich um etwas Aufmerksamkeit bitten? <1 Estragon und Wladimir lassen sich nicht von ihrer Be->1 <1 scha%ftigung ablenken. Lucky ist halb eingeschlafen. Pozzo>1 <1 schwingt seine Peitsche, die aber nur sehr schwach knallt.>1 Was ist denn los mit der Peitsche? <1Er steht auf und la%sst sie>1 <1 lauter knallen, endlich mit Erfolg. Lucky fa%hrt auf. Estra->1 <1 gon la%sst seinen Schuh und Wladimir seinen Hut fallen.>1 <1 Pozzo wirft die Peitsche weg.>1 Taugt nichts mehr, die Peit- sche. <1Er schaut seine Zuho%rer an.>1 Was sagte ich noch? <2WLADIMIR>2 Komm, wir gehen. <2ESTRAGON>2 Bleiben Sie doch nicht so stehen, Sie holen sich den Tod. <2POZZO>2 Es ist wahr. <1Er setzt sich wieder. Zu Estragon.>1 Wie heissen Sie eigentlich? <2ESTRAGON>2 <1wie aus der Pistole geschossen:>1 Catull. <2POZZO>2 <1der nicht zugeho%rt hat:>1 Ach ja, die Nacht. <1Er blickt>1 <1auf.>1 Passen Sie doch etwas besser auf, sonst kommen wir 97 ja zu nI-chts. <1Er blickt zum Himmel.>1 Schauen Sie mal. <1Alle>1 <1 blicken zum Himmel, ausser Lucky, der wieder vor sich>1 <1 hintra%umt. Pozzo merkt es und zieht am Strick.>1 Willst du den Himmel wohl anschauen, du SchWein? <1Lucky blickt>1 <1 in die Ho%he.>1 Gut, das genu%gt. <1Sie lassen den Kopf wieder>1 <1 sinken.>1 Was ist daran so aussergewo%hnlich? Fu%r einen Himmel? Er ist blass und leuchtend wie jeder Himmel um diese Tageszeit. <1Pause.>1 In diesen Breiten. <1Pause.>1 Bei scho%nem Wetter. <1Seine Stimme beginnt zu schwingen.>1 Seit einer Stunde <1er schaut auf seine Uhr, prosaisch>1 ungefa%hr <1 wieder lyrisch>1 nachdem er uns seit <1er stockt, spricht pro->1 <1 saisch weiter>1 sagen wir: 10 Uhr morgens <1wieder lyrisch>1 unermu%dlich mit Fluten roten und weissen Lichts u%ber- Stro%mt hat, beginnt er seinen Glanz zu verlieren, blasser zu werden, <1er la%sst die Ha%nde stufenweise sinken>1 blasser zu werden, immer etwas blasser und noch etwas blasser, bis es <1dramatische Pause, weitra%umige waagerechte Ausbrei->1 <1 tung der Arme>1 stop, aus, nicht mehr geht! <1Pause.>1 Aber <1er>1 <1 hebt mahnend eine Hand>1 -- aber, hinter diesem Schleier su%ssen Friedens <1er hebt die Augen zum Himmel, die ande->1 <1 ren auch, ausser Lucky>1 galoppiert die Nacht <1die Stimme>1 <1 vibriert noch mehr>1 und u%berfa%llt uns <1er schnalzt mit den>1 <1 Fingern>1 fft! ganz einfach <1die Phantasie verla%sst ihn>1 in dem Augenblick, wo wir am wenigsten darauf gefasst sind. <1 Schweigen. Du%stere Stimme.>1 So geht es eben auf dieser verfluchten Erde. <1Lange Pause.>1 <2ESTRAGON>2 Sobald man Bescheid weiss. <2WLADIMIR>2 Kann man sich gedulden. <2ESTRAGON>2 Weiss man, woran man sich zu halten hat. <2WLADIMIR>2 Kein Grund mehr zur Unruhe. <2ESTRAGON>2 Man braucht nur zu warten. 99 <2WLADIMIR>2 Wir haben's bald raus. <1Er hebt seinen Hut auf,>1 <1schaut hinein, schu%ttelt ihn, setzt ihn wieder auf.>1 <2POZZO>2 Wie fanden Sie mich? <1Estragon und Wladimir>1 <1schauen ihn versta%ndnislos an.>1 Gut? Mittelma%ssig? Leid- lich? Nicht besonders? Gerade heraus: schlecht? <2WLADIMIR>2 <1begreift als ersrer:>1 Oh, sehr gut, sehr, sehr gut! <2POZZO>2 <1zu Estragon:>1 Und Sie, mein Herr? <2ESTRAGON>2 <1mit englischem Akzent:>1 Oh, sehr gut, sehr, sehr gut! <2POZZO>2 <1schwungvoll:>1 Danke, meine Herren! <1Pause.>1 Ich brauche die Ermutigung so sehr! <1Er u%berlegt.>1 Ich fiel etwas ab gegen Ende. Haben Sie es nicht gemerkt? <2WLADIMIR>2 Oh, vielleicht ein ganz klein wenig. " <2ESTRAGON>2 Ich glaubte, es geho%rte dazu. <2POZZO>2 Es liegt an meinem schwachen Geda%chtnis. <1Schweigen.>1 <2ESTRAGON>2 Es Passiert aber auch gar nichts. <2POZZO>2 <1untro%stlich:>1 Langweilen Sie sich? <2ESTRAGON>2 Kann man wohl sagen. <2POZZO>2 <1zu Wladimir:>1 Und Sie, mein Herr? <2WLADIMIR>2 Es ist kein reines Vergnu%gen. <1Schweigen.>1 <1Pozzo ka%mpft mit sich.>1 <2POZZO>2 Meine Herren, Sie waren... <1er sucht.>1 . . ansta%ndig zu mir. <2ESTRAGON>2 Aber, nein. <2WLADIMIR>2 Ach, was! <2POZZO>2 Aber ja doch, Sie waren korrekt, so dass ich mich frage... Was kann ich meinerseits fu%r diese guten Leute tun, die sich so langweilen? <2ESTRAGON>2 Ein paar Mark ka%men uns schon gut zustatten. <2WLADIMIR>2 Wir sind keine Bettler. 101 <2POZZO>2 Was ko%nnte ich tun, so frage ich mich, damit die Zeit ihnen nicht so lange wird?.Ich habe ihnen Knochen gege- ben, ich habe ihnen von diesem und jenem erza%hlt, ich habe ihnen die Da%mmerung erkla%rt. Das wa%re erledigt. Und es ist nicht mal alles. Aber genu%gt es, das qua%lt mich eben, genu%gt es? <2ESTRAGON>2 Ein paar Groschen tun's auch. <2WLADIMIR>2 Schweig! <2ESTRAGON>2 Ich bin auf dem besten Wege dazu. <2POZZO>2 Genu%gt es? Wahrscheinlich. Aber ich bin grosszu%gig. Das ist meine Art. Heute. Wenn ich es auch bereuen werde. <1Er zieht am Strick. Lucky schaut ihn an.>1 Denn ich werde leiden, das ist sicher. <1Ohne aufzustehen, bu%ckt er sich und>1 <1 nimmt seine Peitsche auf.>1 Was wollen Sie lieber? Soll er tanzen, soll er singen, soll er deklamieren, soll er denken, soll er. . . <2ESTRAGON>2 Wer? <2POZZO>2 Wer?! Ko%nnt ihr etwa denken, ihr? <2WLADIMIR>2 Er denkt? <2POZZO>2 Ganz recht. Mit lauter Stimme. Fru%her dachte er so- gar recht hu%bsch, ich konnte ihm stundenlang zuho%ren. Jetzt . . . <1Es schaudert ihn.>1 Na ja, nicht zu a%ndern. Alsdann, soll er uns etwas denken? <2ESTRAGON>2 Mir wa%r's lieber, Wenn er tanzte, das wa%r lustiger? <2POZZO>2 Nicht unbedingt. <2ESTRAGON>2 Nicht wahr, Didi, das wa%r doch lustiger? <2WLADIMIR>2 Ich mo%chte ihn gern denken ho%ren. <2ESTRAGON>2 Er ko%nnte vielleicht zuerst tanzen und dann den- ken, wenn das nicht zuviel von ihm verlangt ist. <2WLADIMIR>2 <1zu Pozzo:>1 Ist es mo%glich? <2POZZO>2 Aber sicher. Nichts leichter als das. Es ist u%brigens 103 die natu%rliche Reihenfolge. <1Kurzes Lachen.>1 <2WLADIMIR>2 Lassen Sie ihn also tanzen. <1Schweigen.>1 <2POZZO>2 <1zu Lucky:>1 Ho%rst du? <2ESTRAGON>2 Er lehnt es nie ab? <2POZZO>2 Das sage ich Ihnen nachher. <1Zu Lucky.>1 Tanze, Schweinigel. <1Lucky stellt Koffer und Korb auf die Erde, geht ein wenig>1 <1 vor und wendet sich Pozzo zu. Estragon steht auf, um bes->1 <1 ser zu sehen. Lucky tanzt. Er ho%rt auf zu tanzen.>1 <2ESTRAGON>2 Ist das alles? <2POZZO>2 Weiter! <1Lucky wiederholt dieselben Bewegungen und ho%rt wieder>1 <1auf.>1 <2ESTRAGON>2 Nun ja, mein Guter! <1Er imitiert die Bewegungen>1 <1Luckys.>1 Das kann ich auch. <1Er verliert das Gleichgewicht>1 <1 und fa%llt beinahe hin.>1 Mit etwas U%bung. <2WLADIMIR>2 Er ist mu%de. <2POZZO>2 Fru%her tanzte er die Farandole, die Alme/e, den Branle, die Gigue, den Fandango und sogar den Horn- pipe. Er sprang dabei. Jetzt macht er nur noch das. Wissen Sie, wie er es nennt? <2ESTRAGON>2 Den Tod des armen Schluckers. <2WLADIMIR>2 Das Krebsgeschwu%r der Greise. <2POZZO>2 Den Netztanz. Er bildefsich ein, sich in einem Netz verfangen zu haben. <2WLADIMIR>2 <1er windet sich wie ein A%sthet:>1 Es ist etwas dar- an... <1Lucky versucht, wieder zu seinem Gepa%ck zuru%ckzukeh->1 <1 ren.>1 <2POZZO>2 <1wie zu einem Pferde:>1 Hu%hh! <1Lucky bleibt stehen.>1 105 <2ESTRAGON>2 Er lehnt es nie ab? <2POZZO>2 Ich werde es Ihnen erkla%ren. <1Er wu%hlt in seinen Ta->1 <1schen.>1 Warten Sie. <1Er wu%hlt.>1 Was habe ich denn mit mei- nem Ba%llchen gemacht? <1Er wu%hlt.>1 Na, so was! <1Er zeigt ein>1 <1verdutztes Gesicht. Mit todschwacher Stimme:>1 Ich hab meinen Zersta%uber verloren! <2ESTRAGON>2 <1mit todschwacher Stimme:>1 Meine linke Lunge ist sehr schwach. <1Er hu%stelt. Mit Donnerstimme.>1 Aber meine rechte Lunge ist kerngesund! <2POZZO>2 <1mit normaler Stimme:>1 Na, wenn schon, ich werde darauf verzichten. Was sagte ich noch? <1Er u%berlegt.>1 War- ten Sie! <1Er u%berlegt.>1 So was! <1Er hebt den Kopf.>1 Helfen Sie mir! <2ESTRAGON>2 Ich suche. <2WLADIMIR>2 Ich auch. <2POZZO>2 Warten Sie! <1Alle drei nehmen gleichzeitig die Hu%te ab, fu%hren die>1 <1Ha%nde an die Stirn, konzentrieren sich mit verkrampftem>1 <1Gesicht. Lange Pause.>1 <2ESTRAGON>2 <1triumphierend:>1 Ah! <2WLADIMIR>2 Er hat's gefunden. <2POZZO>2 <1ungeduldig:>1 Na und? <2ESTRAGON>2 Warum setzt er sein Gepa%ck nicht ab? <2WLADIMIR>2 Ach was! <2POZZO>2 Sind Sie sicher? <2WLADIMIR>2 Na ho%ren Sie mal, Sie haben es uns doch schon gesagt. <2POZZO>2 Ich habe es Ihnen schon gesagt? <2ESTRAGON>2 Er hat es uns schon gesagt? <2WLADIMIR>2 Er hat es u%brigens abgesetzt. <2ESTRAGON>2 <1wirft einen Blick auf Lucky:>1 Ach ja. Na, und? <2WLADIMIR>2 Da er sein Gepa%ck schon abgesetzt hat, ist es un- 107 mo%glich, dass wir gefragt haben, warum er es nicht absetzt. <2POZZO>2 Ist doch logisch. <2ESTRAGON>2 Und warum hat er es abgesetzt? PoZzo Ja, warum? <2WLADIMIR>2 Um tanzen zu ko%nnen. <2ESTRAGON>2 Ach ja. <1Schweigen.>1 <2ESTRAGON>2 <1steht auf:>1 Es geschieht nichts. Keiner kommt, keiner geht, es ist schrecklich. <2WLADIMIR>2 <1zu Pozzo:>1 Lassen Sie ihn denken. PoZzo Geben Sie ihm seinen Hut. <2WLADIMIR>2 Seinen Hut? <2POZZO>2 Ohne Hut kann er nicht denken. <2WLADIMIR>2 <1zu Estragon:>1 Gib ihm seinen Hut. <2ESTRAGON>2 Ich! Nach dem Tritt, den er mir verpasst hat? Nie- mals! <2WLADIMIR>2 Ich werde ihn ihm selbst geben! <1Er ru%hrt sich>1 <1nicht.>1 <2ESTRAGON>2 Er soll ihn sich doch holen! <2POZZO>2 Es ist besser, wenn man ihn ihm gibt. <2WLADIMIR>2 Ich werde ihn ihm geben. <1Er hebt den Hut auf, reicht ihn Lucky mit weit ausgestreck->1 <1tem Arm. Lucky ru%hrt sich nicht.>1 <2POZZO>2 Sie mu%ssen ihm den Hut aufsetzen. <2ESTRAGON>2 <1zu Pozzo:>1 Er soll ihn sich nehmen. <2POZZO>2 Es ist besser, wenn man ihn ihm aufsetzt. <2WLADIMIR>2 Ich werd ihn ihm aufsetzen. <1Er geht vorsichtig um Lucky herum, na%hert sich ihm leise>1 <1von hinten, setzt ihm den Hut auf und springtschnell wieder>1 <1zuru%ck. Lucky ru%hrt sich nicht. Schweigen.>1 <2EsTRAGON>2 Worauf wartet er noch? <2POZZO>2 Gehen Sie weiter weg! <1Estragon und Wladimir ent->1 109 <1fernen sich von Lucky. Pozzo zieht am Strick. Lucky>1 <1schaut ihn an.>1 Denke, Schwein! <1Pause. Lucky f%angt an zu>1 <1tanzen.>1 Ho%r auf! <1Lucky ho%rt auf.>1 Weiter vor! <1Lucky geht>1 <1auf Pozzo zu.>1 Halt! <1Lucky bleibt stehen.>1 Denke!! Pause. <2LUCKY>2 Andererseits ist in Anbetracht... <2POZZO>2 Ho%r auf! <1Lucky schweigt.>1 Zuru%ck! <1Lucky geht zu->1 <1ru%ck.>1 Halt! <1Lucky bleibt stehen.>1 Hu%hh! <1Lucky wendet sich>1 <1dem Publikum zu.>1 Denke!! <2LUCKY>2 <1monotoner Vortrag:>1 Auf Grund der sich aus den letzten o%ffentlichen Arbeiten von Poinc#on und Wattmann ergebenden Existenz eines perso%nlichen Gottes kwakwa- kwakwa mit weissem Bart kwakwa ausserhalb von Zeit und Raum der aus der Ho%he seiner go%ttlichen Apathie go%ttli- chen Athambie go%ttlichen Aphasie uns gern hat bis auf einige Ausnahmen man weiss nicht warum aber das kommt noch und so wie die go%ttliche Miranda leidet mit de- <1Anhaltende Aufmerk->1 nen die man weiss nicht warum <1samkeitvon Estragon>1 aber man hat ja Zeit in der Fol- <1und Wladimir. Pozzo>1 terkammer sind in dem Feuer <1ist niedergeschlagen>1 dessen Feuer dessen Flammen <1und angeekelt.>1 wenn es auch noch ein wenig dauert und wer kann daran zweifeln endlich alles in die Luft sprengen na%mlich die Ho%lle an den Himmel dra%ngen der so blau manchmal noch heute und ruhig so ruhig von einer Ruhe die wenn auch sporadisch nichtsdestoweniger willkommen ist aber grei- fen wir nicht vor und andererseits in Anbetracht dass im Anschluss an die unvollendeten Forschungen aber greifen wir nicht vor die unvollendeten Forschungen nichtsdesto- weniger pra%miiert von der anthropopopometrischen Akakakakademie in Burg am Berg von Testu und Conard festgestellt wurde bei Aussc altung aller Fehlerquellen bis auf die von den menschlichen Berechnungen untrenn- baren Irrtu%mer dass im Anschluss an die unvollendeten unvollen- <1Estragon und>1 deten Forschungen von Testu <1Wladimir beginnen>1 und Conard festgestellt gestellt <1zu murren. Gesteiger->1 gestellt Wurde was folgt was folgt <1tes Leiden bon Pozzo.>1 was na%mlich folgt aber greifen wir nicht vor man weiss nicht warum im Anschluss an die Arbeiten von Poinc#on und Wattmann es ebenso klar erscheint wie im Hinblick auf die Bemu%hungen Fartovs und Belchers unvollendet unvollendet man weiss nicht warum von Testu und Conard unvollendet unvollendet wird deutlich dass der Mensch im Gegensatz zu der entgegengesetzten Meinung dass der Mensch in Burg von Testu und Conard dass der Mensch endlich kurz dass der Mensch in Ku%rze endlich trotz der Fortschritte der Erna%hrung und der Abschaffung des Stuhlgangs im Begriff ist abzumagern und zugleich paral- lel verlaufend man weiss nicht warum trotz der Blu%te der Leibesu%bungen der Praxis der Sportarten wie wie wie Tennis Fussball Rennen zu Fuss und mit dem Fahrrad Schwimmen Reiten Fliegen Siegen Tennis Kegeln Kunst- lauf auf Eis und Asphalt Tennis Fliegen Sport Sport Wintersport <1Estragon und>1 Sommersport Herbstsport <1Wladimir beruhigen>1 Herbstsport Tennis auf Rasen <1sich, ho%ren wieder zu.>1 auf Tannen und auf festem Bo- <1Pozzo wird immer>1 den Fliegen Tennis Hockey zu <1aufgeregter. Seufzer.>1 Lande zu Wasser in der Luft Penizillin und Surrogate kurz ich wiederhole zugleich parallel verlaufend kleiner zu werden man weiss nicht warum trotz Tennis ich wieder- . hole Flieien Golf mit neun und mit achtzehn Lo%chern Tennis auf Eis kurz man weiss nicht warum am Rhein Rhein und Ruhr Rhein und Main Main und Ruhr zugleich parallel verlaufend man weiss nicht warum abzumagern einzulaufen ich wiederhole Ruhr Main kurz mit glattem Verlust pro Nase seit Gottscheds Tod von zwei Finger hundert Gramm pro Nase grob gesagt durchschnittlich ungefa%hr runde Zahlen gutes Gewicht Lebendgewicht ohne Schuhe in Oldenburg man weiss nicht warum kurz endlich gar nicht wichtig die Dinge sind so und wenn man andererseits dabei bedenkt was noch schlimmer ist dass daraus hervorgeht was noch schlimmer ist dass im Lichte im Lichte der laufenden Untersuchungen von Steinweg und Petermann daraus hervorgeht was noch schlimmer ist dass daraus hervorgeht was noch schlimmer ist im Lichte im Lichte der aufgegebenen Versuche von Steinweg und Petermann dass auf dem Lande im Gebirge und am Rande des Meeres der Stro%me des Wassers und des Feuers die Luft dieselbe ist und die Erde na%mlich die Luft und die Erde <1Ausrufe von>1 <1Wladimir und>1 bei der grossen Ka%lte die Luft <1Estragon. Pozzo>1 und die Erde gut fu%r die Steine <1springt plo%tzlich aut,>1 bei der grossen Ka%lte leider lei- <1zieht an dem Strick.>1 der in dem siebenten saeculum <1Alle schreien. Lucky>1 ihrer A%ra der A%ther die Erde das <1zieht an dem Strick,>1 Meer gut fu%r die Steine in den <1stolpert und heult.>1 grossen Tiefen bei der grossen <1Alle fallen u%ber>1 Ka%lte auf dem Meer auf der <1Lucky her, der um>1 Erde und in den Lu%ften leider <1sich schla%g tund>1 leider ich wiederhole man weiss <1seinen Text heult.>1 nicht warum trotz Tennis die Dinge sind so man weiss nicht warum ich wiederhole zum folgenden kurz endlich leider leider zum folgenden fu%r die Steine wer kann daran zweifeln ich Wiederhole aber greI-- 115 fen wir nicht vor ich wiederhole der Kopf gleichzeitig par- allel verlaufend man weiss nicht warum trotz Tennis zum folgenden der Bart die Flammer die Tra%nen die Steine so blau so ruhig leider leider der Kopf der Kopf der Kopf der Kopf in Oldenburg trotz Tennis Bemu%hungen aufgege- bene unvollendete noch schlimmer die Steine kurz ich wiederhole leider leider aufgegebene unvollendete der Kopf der Kopf in Oldenburg trotz Tennis der Kopf leider leider die Steine Conard Conard . . . <1Handgemenge. Lucky>1 <1 sto%sst noch einige Worte aus.>1 Tennis! ... Steine! ... so ru- hig! . . . Conard! . . . Unvollendete! . . . <2POZZO>2 Sein Hut! <1Wladimir ergreift den Hut Luckys,- Lucky schweigt und>1 <1 fa%llt hin. Grosse Stille. Die Sieger holen tief Atem.>1 <2ESTRAGON>2 Das war die Rache! <1Wladimir betrachtet Luckys Hut und schaut hinein.>1 <2POZZO>2 Gib her! <1Er reisst den Hutaus den Ha%nden Wladimirs,>1 <1wirft ihn auf die Erde und springt darauf herum.>1 So, jetzt denkt er nicht mehr! <2WLADIMIR>2 Wie wird er sich denn zurechtfinden? <2POZZO>2 Ich werde ihn schon zurechtweisen. <1Er versetzt>1 <1Lucky Fusstritte.>1 Auf! Schwein! <2ESTRAGON>2 Er ist vielleicht tot. <2WLADIMIR>2 Sie bringen ihn noch um. <2POZZO>2 Auf! Du Aas! <1Er zieht am Strick, Lucky rutscht ein>1 <1wenig. Zu Estragon und Wladimir:>1 Helfen Sie mir. <2WLADIMIR>2 Ja, aber wie? <2POZZO>2 Heben Sie ihn auf. <1Estragon und Wladimir heben Lucky auf, halten ihn einen>1 <1 Augenblickfest und lassen ihn dann los. Erfa%llt wieder hin.>1 <2ESTRAGON>2 Er tut's extra. <2POZZO>2 Man muss ihn stu%tzen. 117 <1Pause.>1 Los, los, heben Sie ihn auf. <2ESTRAGON>2 Ich hab's satt. <2WLADIMIR>2 Komm, wir versuchen es noch mal. <2ESTRAGON>2 Wofu%r ha%lt er uns? <2WLADIMIR>2 Komm. <1Sie heben Lucky auf und stu%tzen ihn.>1 <2POZZO>2 Lassen Sie ihn nicht los! <1Estragon und Wladimir>1 <1schwanken.>1 Bleiben Sie so stehen. <1Pozzo holt Koffer und>1 <1Korb und bringt beides Lucky.>1 Halten Sie ihn gut fest. <1Er>1 <1gibt den Koffer Lucky in die Hand, der ihn sofort fallen>1 <1la%sst.>1 Lassen Sie ihn nicht los! <1Er versucht es noch einmal.>1 <1Nach und nach kommt Lucky bei der Beru%hrung mit dem>1 <1Koffer wieder zu sich, und seine Finger klammern sich>1 <1schliesslich um den Griff.>1 Halten Sie ihn weiter fest! <1Das->1 <1selbe Spiel mit dem Korb.>1 So, jetzt ko%nnen Sie ihn loslas- sen. <1Estragon und Wladimir entfernen sich von Lucky, der>1 <1strauchelt, schwankt, dessen Knie nachgeben, der sich>1 <1trotzdem aufrecht ha%lt und Korb und Kofferfestha%lt. Pozzo>1 <1geht etwas zuru%ck und knallt mit der Peitsche.>1 Voran! <1Lucky geht vor.>1 Zuru%ck! <1Lucky geht zuru%ck.>1 Kehrt! <1Lucky>1 <1macht eine Kehrtwendung.>1 Es klappt, er kann marschie- ren. <1Wendetsich Estragon und Wladimir zu.>1 Vielen Dank, meine Herren, und lassen Sie mich Ihnen wu%nschen <1er>1 <1sucht in seinen Taschen>1 Ihnen wu%nschen <1er sucht>1 Ihnen wu%nschen <1er sucht>1 wo habe ich bloss meine Uhr hinge- steckt? <1Er sucht.>1 Na, so was! <1Er blickt mit niedergeschla->1 <1genem Gesicht auf.>1 Eine echte Sprungdeckeluhr, meine Herren, mit Sekundenzeiger. Ein Geschenk von meinem Opa! <1Er sucht.>1 Sie ist vielleicht runtergefallen. <1Er sucht>1 <1auf der Erde, Estragon und Wladimir ebenfalls. Pozzo>1 <1dreht mit seinem Fuss die Reste von Luckys Hut um.>1 So was, nein, so was! <2WLADIMIR>2 Sie ist vielleicht in Ihrer Westentasche. <2POZZO>2 Moment mal! <1Er beugt sich nach vorn, na%hert seinen>1 <1Kopf seinem Bauch und lauscht.>1 Ich ho%re nichts! <1Er gibt>1 <1ihnen ein Zeichen, sich zu na%hern.>1 Kommen Sie, ho%ren Sie! <1Estragon und Wladimir na%hern sich ihm und neigen>1 <1sich u%ber seinen Bauch. Stille.>1 Ich meine, man mu%sste das Ticken ho%ren. <2WLADIMIR>2 Ruhe! <1Alle lauschen nach vorn heru%bergebeugt.>1 <2ESTRAGON>2 Ich ho%re was. <2POZZO>2 Wo? <2WLADIMIR>2 Es ist das Herz! <2POZZO>2 <1entta%uscht:>1 Verflucht nochmal! <2WLADIMIR>2 Ruhe! <1Sie lauschen.>1 <2ESTRAGON>2 Vielleicht ist sie stehengeblieben. <1Sie richten sich auf.>1 <2POZZO>2 Wer von euch riecht so schlecht? <2ESTRAGON>2 Er stinkt aus dem Mund, ich an den Fu%ssen. <2POZZO>2 Ich verlasse euch. <2ESTRAGON>2 Und Ihre Sprungdeckeluhr? <2POZZO>2 Ich hab sie wohl im Schloss liegengelassen. <2ESTRAGON>2 Also adieu! <2POZZO>2 Adieu! <2WLADIMIR>2 Adieu! <2ESTRAGON>2 Adieu! <1Schweigen. Keiner ru%hrt sich.>1 <2WLADIMIR>2 Adieu! <2POZZO>2 Adieu! <2ESTRAGON>2 Adieu! <1Schweigen.>1 121 <2POZZO>2 Und vielen Dank auch. <2WLADIMIR>2 Wir danken Ihnen. <2POZZO>2 Nichts zu danken. <2ESTRAGON>2 Doch, doch. <2POZZO>2 Nein, nein. <2WLADIMIR>2 Doch, doch. <2ESTRAGON>2 Nein, nein. <1Schweigen.>1 <2POZZO>2 Ich komme einfach nicht . . . <1er zo%gert.>1 . . weg von hier. <2ESTRAGON>2 So ist das Leben. <1Pozzo dreht sich um, la%sst Lucky allein stehen, geht auf die>1 <1rechte Kulisse zu und la%sst dabei den Strick durch seine>1 <1Ha%nde gleiten.>1 <2WLADIMIR>2 Sie gehen in die falsche Richtung. <2POZZO>2 Ich muss einen Anlauf nehmen. <1Am Ende des Strickes>1 <1angelangt, das heisst, in der Kulisse, bleibt er stehen, dreht>1 <1sich um und ruft.>1 Gehen Sie aus dem Weg! <1Estragon und>1 <1Wladimir stellen sich hinten hin und blicken zu Pozzo.>1 <1Peitschenknall.>1 Los! <1Lucky bewegt sich nicht.>1 <2ESTRAGON>2 Los! <2WLADIMIR>2 Los! <1Peitschenknall. Lucky setzt sich in Bewegung.>1 <2POZZO>2 Schneller! <1Er kommt aus den Kulissen wieder zum>1 <1Vorschein und u%berquert Lucky folgend die Bu%hne. Estra->1 <1gon und Wladimir ziehen ihre Hu%te, winken mit der Hand.>1 <1Lucky verla%sst die Bu%hne. Pozzo knallt mit Strick und Peit->1 <1sche.>1 Schneller! Schneller! <1In dem Augenblick, da Pozzo>1 <1ebenfalls verschwindet, bleibt er stehen und dreht sich um.>1 <1Der Strick spannt sich. Gera%usch Luckys, der hinfa%llt.>1 Mein Klappstuhl! <1Wladimir holt den Klappstuhl und gibt>1 <1ihn Pozzo, der ihn Lucky zuwirft.>1 Adieu! <2ESTRAGoN UND WLADIMIR>2 <1winkend:>1 Adieu! Adieu! 123 <2POZZO>2 Auf! Schwein! <1Gera%usch Luckys, der wieder aufsteht.>1 Los! <1Pozzo verschwindet. Peitschenknallen.>1 Los, voran! Adieu! Schneller! Schwein! Hu%h! Adieu! <1Langes Schwei->1 <1gen.>1 <2WLADIMIR>2 So ist die Zeit vergangen. <2ESTRAGON>2 Sie wa%re sowieso vergangen. <2WLADIMIR>2 Ja. Aber langsamer! <1Pause.>1 <2ESTRAGON>2 Was sollen wir jetzt machen? <2WLADIMIR>2 Ich weiss nicht. <2ESTRAGON>2 Komm, wir gehen. <2WLADIMIR>2 Wir ko%nnen nicht. <2ESTRAGON>2 Warum nicht? <2WLADIMIR>2 Wir warten auf Godot. <2ESTRAGON>2 Ach ja. <1Pause.>1 <2WLADIMIR>2 Sie haben sich sehr vera%ndert. <2ESTRAGON>2 Wer? <2WLADIMIR>2 Die beiden. <2ESTRAGON>2 Das ist es, lass uns ein bisschen Konversation ma- chen. <2WLADIMIR>2 Findest du nicht, dass sie sich sehr vera%ndert ha- ben? <2ESTRAGON>2 Ist mo%glich. Nur wir a%ndern uns nie. <2WLADIMIR>2 Mo%glich? Es ist sicher. Du hast sie doch gut gese- hen? <2ESTRAGON>2 Mag sein. Aber ich kenne sie nicht. <2WLADIMIR>2 Natu%rlich kennst du sie. <2ESTRAGON>2 Ich kenn sie nicht. <2WLADIMIR>2 Wir kennen sie, sag ich dir. Du vergisst alles. <1Pause.>1 Es sei denn, dass es nicht dieselben sind. <2ESTRAGON>2 Beweis: sie haben uns nicht erkannt. 125 <2WLADIMIR>2 Das will nichts heissen. Ich habe auch so getan, als wu%rde ich sie nicht erkennen. Und uns erkennt man so- wieso nie. <2ESTRAGON>2 Ho%r auf! Man wu%sste... Au! <1Wladimir reagiert>1 <1nicht darauf.>1 Au! <2WLADIMIR>2 Es sei denn, dass es nicht dieselben sind. <2ESTRAGON>2 Didi! Es ist der andere Fuss! <1Er geht hinkend auf>1 <1die Stelle zu, an der er zu Beginn des Stu%ckes gesessen>1 <1hat.>1 <2STIMME HINTER DEN KULISSEN>2 Mein Herr... <1Estragon bleibtstehen. Beide schauen in die Richtung, aus der>1 <1die Stimme kam.>1 <2ESTRAGON>2 Es geht wieder los. <2WLADIMIR>2 Komm her, mein Junge. <1Ein junger, a%ngstlicher Knabe tritt auf. Er bleibt stehen.>1 <2JUNGE>2 Herr Albert? <2WLADIMIR>2 Hier bin ich. <2ESTRAGON>2 Was willst du? <2WLADIMIR>2 Komm her. <1Der Junge ru%hrt sich nicht von der Stelle.>1 <2ESTRAGON>2 <1laut:>1 Du sollst herkommen, wurde gesagt! <1Der Junge geht a%ngstlich weiter vor und bleibt stehen.>1 <2WLADIMIR>2 Was ist denn? <2JUNGE>2 Herr Godot... <1Er schweigt wieder.>1 <2WLADIMIR>2 Natu%rlich. <1Pause.>1 Komm her. <1Der Junge ru%hrt sich nicht von der Stelle.>1 <2ESTRAGON>2 Du sollst herkommen, wurde gesagt! <1Der Junge geht a%ngstlich weiter vor und bleibt stehen.>1 Warum kommst du so spa%t? <2WLADIMIR>2 Bringst du eine Nachricht von Herrn Godot? <2JUNGE>2 Ja! <2WLADIMIR>2 Dann mal los! 127 <2ESTRAGON>2 Warum kommst du so spa%t? <1Der Junge schaut einen nach dem anderen an und weiss>1 <1nicht, wem er antworten soll.>1 <2WLADIMIR>2 <1zu Estragon:>1 Lass ihn in Ruhe. <2ESTRAGON>2 <1zu Wladimir:>1 Halt dich draus! <1Geht auf den Jun->1 <1gen zu.>1 Weisst du, wie spa%t es ist? <2JUNGE>2 <1zuru%ckweichend:>1 Es ist nicht meine Schuld. <2ESTRAGON>2 Ist es vielleicht meine? <2JUNGE>2 Ich hatte Angst. <2ESTRAGON>2 Angst, wovor? Vor uns? <1Pause.>1 Antworte! <2WLADIMIR>2 Ich weiss schon, die anderen haben ihm Angst eingej agt. <2ESTRAGON>2 Wie lange bist du schon hier? <2JUNGE>2 Schon eine Weile. <2WLADIMIR>2 Du hattest Angst vor der Peitsche? <2JUNGE>2 Ja. <2WLADIMIR>2 Vor dem Geschrei? <2JUNGE>2 Ja. <2WLADIMIR>2 Der beiden Herren? <2JUNGE>2 Ja. <2WLADIMIR>2 Kennst du sie? <2JUNGE>2 Nein. <2WLADIMIR>2 Bist du von hier? <2JUNGE>2 Ja. <2ESTRAGON>2 Ist alles gelogen! <1Er packt den Jungen am Arm>1 <1und schu%ttelt ihn.>1 Sag uns die Wahrheit! <2JUNGE>2 <1zitternd:>1 Das ist doch die Wahrheit. <2WLADIMIR>2 Nu lass ihn doch in Ruhe! Was hast du nur? <1Estragon la%sst den Jungen los, geht zuru%ck, fu%hrt seine>1 <1Ha%nde zum Gesicht. Wladimir und der Junge schauen ihn>1 <1an. Estragon nimmt die Ha%nde vom Gesicht. Das Gesicht>1 <1ist verzerrt.>1 129 Was hast du? <2ESTRAGON>2 Ich bin Unglu%cklich. <2WLADIMIR>2 Nicht mo%glich! Seit wann? <2ESTRAGON>2 Ich hatte es vergessen. <2WLADIMIR>2 Das Geda%chtnis spielt uns solche Streiche. <1Estra->1 <1gon will sprechen, verzichtet darauf, geht hinkend fort, setzt>1 <1sich hin und beginnt, seinen Schuh auszuziehen. Zu dem>1 <1Jungen.>1 Na. und? <2JUNGE>2 Herr Godot... <2WLADIMIR>2 <1unterbricht ihn:>1 Ich habe dich doch schon mal ge- sehen, nicht wahr? <2JUNGE>2 Ich weiss nicht. <2WLADIMIR>2 Kennst du mich nicht? <2JUNGE>2 Nein. <2WLADIMIR>2 Warst du gestern nicht hier? <2JUNGE>2 NeI-n <2WLADIMIR>2 Kommst du zum erstenmal? <2JUNGE>2 Ja. <1Pause.>1 <2WLADIMIR>2 Das sagt man so. <1Pause.>1 Na ja. Weiter. <2JUNGE>2 <1in einem Zuge:>1 Herr Godot hat mir gesagt, Ihnen zu sagen, dass er heute abend nicht kommt, aber sicher mor- gen. <1Pause.>1 <2WLADIMIR>2 Ist das alles? <2JUNGE>2 Ja. <2WLADIMIR>2 Arbeitest du fu%r Herrn Godot? <2JUNGE>2 Ja. <2WLADIMIR>2 Was machst du denn? <2JUNGE>2 lch hu%te die Ziegen <2WLADIMIR>2 Ist er gut zu dir? <2JUNGE>2 Ja. <2WLADIMIR>2 Schla%gt er dich nicht? <2JUNGE>2 Nein, mich nicht. 131 <2WLADIMIR>2 Wen schla%gt er denn? <2JUNGE>2 Er schla%gt meinen Bruder. <2WLADIMIR>2 Ah! Du hast einen Bruder? <2JUNGE>2 Ja. <2WLADIMIR>2 Was macht er denn? <2JUNGE>2 Er hu%tet die Schafe. <2WLADIMIR>2 Und warum schla%gt er dich nicht? <2JUNGE>2 lch weiss nicht. <2WLADIMIR>2 Er hat dich wohl gern? <2JUNGE>2 Ich weiss nicht. <2WLADIMIR>2 Gibt er dir genug zu essen? <1Der Junge zo%gert.>1 Gibt er dir gut zu essen? <2JUNGE>2 Ziemlich gut. <2WLADIMIR>2 Du bist nicht unglu%cklich? <1Der Junge zo%gert.>1 Verstehst du mich? <2JUNGE>2 Ja. <2WLADIMIR>2 Na, und? <2JUNGE>2 Ich weiss nI-cht. <2WIADIMIR>2 Du weisst nicht, ob du unglu%cklich bist oder nicht? <2JUNGE>2 Nein. <2WLADIMIR>2 Genauso wie ich. <1Pause.>1 Wo schla%fst du denn? <2JUNGE>2 Auf dem Boden. <2WLADIMIR>2 Mit deinem Bruder? <2JUNGE>2 Ja. <2WLADIMIR>2 Im Heu? <2JUNGE>2 Ja. <1Pause.>1 <2WLADIMIR>2 Gut, dann geh nur. <2JUNGE>2 Was soll ich denn Herrn Godot sagen? <2WLADIMIR>2 Sag ihm... <1Er zo%gert.>1 Sag ihm, dass du uns gese- hen hast. <1Pause.>1 133 Du hast uns doch gut gesehen, nicht wahr? <2JUNGE>2 Ja. <1Er geht zuru%ck, dreht sich um und rennt weg. Das>1 <1Licht wird plo%tzlich schwa%cher. In ganz kurzer Zeit wird es>1 <1Nacht. Der Mond geht im Hintergrund auf, steigt zum>1 <1Himmel, bleibt stehen und strahlt ein silbriges Licht auf die>1 <1Bu%hne.>1 <2WLADIMIR>2 Endlich! <1Estragon steht auf und geht mit beiden>1 <1Schuhen in den Ha%nden auf Wladimir zu. Er stelltsie nahe>1 <1an der Rampe hin, richtet sich auf und betrachtet den>1 <1Mond.>1 Was machst du? <2ESTRAGON>2 Dasselbe wie du, ich gucke in den Mond. <2WLADIMIR>2 Ich meine, mit deinen Schuhen. <2ESTRAGON>2 Die lass ich stehen. <1Pause.>1 Es kommt wohl ein an- derer genauso.. . genauso .. . Wie ich, aber mit kleineren Fu%ssen, und ist glu%cklich daru%ber. <2WLADIMIR>2 Du kannst aber nicht barfuss laufen. <2ESTRAGON>2 Jesus hat es getan. <2WLADIMIR>2 Jesus! Was soll denn das heissen? Du willst dich doch wohl nicht mit ihm vergleichen! <2ESTRAGON>2 Mein ganzes Leben lang hab ich mich mit ihm verglichen. <2WLADIMIR>2 Aber da unten war's warm! Es war scho%n! <2ESTRAGON>2 Ja. Und man kreuzigte schnell. <1Pause.>1 <2WLADIMIR>2 Wir haben hier nichts mehr zu tun. <2ESTRAGON>2 Anderswo auch nicht. <2WLADIMIR>2 Ho%r mal, Gogo, sei nicht so. Morgen geht's wie- der besser. <2ESTRAGON>2 Wieso? <2WLADIMIR>2 Hast du nicht geho%rt, was der Junge gesagt hat? <2ESTRAGON>2 Nein. <2WLADIMIR>2 Er hat gesagt, dass Godot morgen bestimmt 135 kommt. <1Pause.>1 Das sagt dir wohl nichts? <2ESTRAGON>2 AlSo brauchen wir nur hier zu warten. <2WLADIMIR>2 Du bist verru%ckt. Wir mu%ssen irgendwo unter- kommen. <1Erpackt Estragon am Arm.>1 Komm. <1Er zieht ihn>1 <1 weiter. Estragon gibt zuna%chst nach und leistet dann Wi->1 <1 derstand. Sie bleiben stehen->1 <2ESTRAGON>2 <1schaut den Baum an:>1 Schade, dass wir kein Stu%ck Kordel haben. <2WLADIMIR>2 Komm. Es wird kalt. <1Er zieht ihn hinter sich her.>1 <1Estragon gibt zuna%chst nach und widersetzt sich dann.>1 <2ESTRAGON>2 Hilf mit daran denken, dass ich morgen einen Strick mitbringe. <2WLADIMIR>2 Ja. Komm. <1Er zieht ihn hinter sich her. Estragon>1 <1gibt zuna%chst nach und widersetzt sich dann.>1 <2ESTRAGON>2 Wie lange dauert es nun schon, dass wir immer zusammen sind? <2WLADIMIR>2 Ich weiss nicht. Fu%nfzig Jahre vielleicht. <2ESTRAGON>2 Erinnerst du dich an den Tag, an dem ich in den Neckar gesprungen bin? <2WLADIMIR>2 Wir waren bei der Weinlese. <2ESTRAGON>2 Du hast mich herausgefischt. <2WLADIMIR>2 Das ist la%ngst begraben und vergessen. <2ESTRAGON>2 Meine Kleider haben in der Sonne getrocknet. <2WLADIMIR>2 Denk doch nicht mehr daran. Komm. <1Estragon>1 <1gibt zuna%chst nach und bleibt dann wieder stehen.>1 <2ESTRAGON>2 Warte. <2WLADIMIR>2 Mich friert. <2ESTRAGON>2 Ich frage mich. ob wir nicht besser allein geblie- ben wa%ren, jeder fu%r sich. <1Pause.>1 Wir waren nicht fu%r den- selben Weg gemacht. <2WLADIMIR>2 <1ohne bo%se zu werden:>1 Das ist nicht sicher. <2ESTRAGON>2 Nein, nichts ist sicher. 137 <2WLADIMIR>2 Wir ko%nnen noch auseinandergehen, wenn du meinst. dass es besser Wa%re. <2ESTRAGON>2 Jetzt lohnt es sich nicht mehr. <1Schweigen.>1 <2WLADIMIR>2 Nein, jetzt lohnt es sich nicht mehr. <1Schweigen.>1 <2ESTRAGON>2 Also. wir gehen? <2WLADIMIR>2 Gehen wir! <1Sie gehen nicht von der Stelle.>1 <1Vorhang>1. Zweiter Akt Acte deuxie\me Act two <1Am na%chsten Tag, um dieselbe Zeit, an derselben Stelle.>1 <1 Estragons Schuhe stehen nahe an der Rampe, die Absa%tze>1 <1 nebeneinander, die Schuhspitzen auseinander. Luckys Hut>1 <1 liegt da, wo er liegengeblieben war.>1 <1Der Baum tra%gt einige Bla%tter.>1 <1Wladimir tritt mitflotten Schritten auf. Er bleibt stehen und>1 <1 betrachtet eine Zeitlang den Baum. Dann beginnt er plo%tz->1 <1 lich, nach allen Richtungen auf der Bu%hne hin- und herzu->1 <1 laufen. Er bleibt vor den Schuhen stehen, bu%ckt sich, hebt>1 <1 einen auf, untersucht ihn, schnu%ffelt daran und stellt ihn>1 <1 behutsam wieder an seinen Platz. Er geht von neuem eilig>1 <1 hin und her. Er bleibt vor der rechten Kulisse stehen, blickt>1 <1 eine Weile in die Ferne, wobei er mit der Hand die Augen>1 <1 abschirmt. Er geht wieder hin und her, bleibt vor der linken>1 <1 Kulisse stehen und blickt in die Ferne.>1 <1Dann gehter von neuem auf und ab, bleibtplo%tzlich stehen,>1 <1 faltet die Ha%nde vor der Brust, wirft den Kopf zuru%ck und>1 <1 beginnt, aus voller Brust zu singen.>1 <2WLADIMIR>2 Ein Hund kam in... <1Da er zu tief einsetzt, ho%rt er auf, hustet und fa%ngt von>1 <1 neuem etwas ho%her an zu singen.>1 Ein Hund kam in die Ku%che und stahl dem Koch ein Ei. Da nahm der Koch den Lo%ffel und schlug den Hund zu Brei. Da kamen die anderen Hunde und gruben ihm ein Grab... 143 <1Er ho%rt auf, denkt nach und beginnt von neuem.>1 Da kamen die anderen Hunde und gruben ihm ein Grab. Und setzten ihm ein'n Grabstein, worauf geschrieben stand: Ein Hund kam in die Ku%che und stahl dem Koch ein Ei. Da nahm der Koch den Lo%ffel und schlug den Hund zu BreI-. Da kamen die anderen Hunde und gruben ihm ein Grab. .. <1Er ho%rt auf, denkt nach und beginnt wieder.>1 Da kamen die anderen Hunde und gruben ihm ein Grab... <1Er ho%rt auf, denkt nach und singt dann, etwas leiser, weiter.>1 Und gruben ihm ein Grab... <1Er schweigt, bleibt einen Augenblick stehen, ohne sich zu>1 <1 bewegen, geht dann wieder in fieberhafter Eile auf der>1 <1 Bu%hne hin und her und auf und ab. Er bleibt wieder vor>1 <1 dem Baum stehen, geht auf und ab und bleibt vor den>1 <1 Schuhen stehen, geht auf und ab und la%uft zur linken Ku->1 <1 lisse, blickt in die Ferne, la%uft zur rechten Kulisse und ha%lt>1 <1 wieder Ausschau. In diesem Augenblick tritt Estragon von>1 <1 links kommend auf, barfuss, mit ha%ngendem Kopf, und>1 <1 geht langsam u%ber die Bu%hne. Wladimir dreht sich um und>1 <1 sieht ihn.>1 <2WLADIMIR>2 Du, schon wieder! <1Estragon beibt stehen, hebt>1 <1seinen Kopf aber nicht. Wladimir geht auf ihn zu.>1 Komm, lass dich umarmen! <2ESTRAGON>2 Ru%hr mich nicht an! <1Wladimir verliert seinen Schwung und ist beku%mmert.>1 <1 Schweigen.>1 145 <2WLADIMIR>2 Soll ich gehen? <1Pause.>1 Gogo! <1Pause. Wladimir>1 <1beobachtet ihn gespannt.>1 Hat man dich geschlagen? <1Pause.>1 Gogo! <1Estragon sch weigt immer noch mit ha%ngendem>1 <1 Kopf.>1 Wo warst du diese Nacht? <1Schweigen. Wladimir>1 <1 geht vor.>1 <2ESTRAGON>2 Ru%hr mich nicht an! Nichts fragen! Nichts sagen! Bleib bei mir! <2WLADIMIR>2 Hab ich dich jemals allein gelassen? <2ESTRAGON>2 Du hast mich gehen lassen. <2WLADIMIR>2 Schau mich an! <1Estragon ru%hrt sich nicht. Mit>1 <1donnernder Stimme.>1 Schau mich an, sag ich! <1Estragon>1 <1 blickt auf. Sie schauen einander lange an, gehen zuru%ck und>1 <1 wieder vor und neigen den Kopf wie vor einem Kunstge->1 <1 genstand, sie gehen zitternd mehr und mehr aufeinander zu>1 <1 und umklammern sich dann plo%tzlich, wobei sie sich ge->1 <1 genseitig auf den Ru%cken schlagen. Ende der Umarmung.>1 <1 Estragon, der nicht mehr unterstu%tzt wird, fa%llt beinahe hin.>1 <2ESTRAGON>2 Was fu%r ein Tag! <2WLADIMIR>2 Wer hat dich so zugerichtet? Erza%hl doch! <2ESTRAGON>2 Wieder ein Tag weniger. <2WLADIMIR>2 Noch nicht. <2ESTRAGON>2 Fu%r mich ist er vorbei, ganz gleich, was passiert. <1Schweigen.>1 Du hast soeben gesungen. ich hab es geho%rt. <2WLADIMIR>2 Du hast recht, ich erinner mich. <2ESTRAGON>2 Das hat mir weh getan. Ich sagte mir, er ist allein, er meint, ich sei fu%r immer weg. und er singt. <2WLADIMIR>2 Man kann seine Laune nicht a%ndern. Ich fu%hl mich schon den ganzen Tag in bester Form. <1Pause.>1 Ich brauchte diese Nacht nicht aufzustehen. Nicht ein einziges Mal. <2ESTRAGON>2 <1traurig:>1 Siehst du, du kannst besser pissen, Wenn ich nicht da bin. 147 <2WLADIMIR>2 Du fehltest mir, und dabei war ich doch zufrie- den. Ist das nicht merkwu%rdig? <2ESTRAGON>2 <1aussersich:>1 Zufrieden? <2WLADIMIR>2 <1nachdem er u%berlegt hat:>1 Das ist vielleicht nicht das richtige Wort. <2ESTRAGON>2 Und jetzt? <2WLADIMIR>2 <1nachdem er mit sich zu Rate gegangen ist:>1 Jetzt. . . ja. . . <1froh>1 da bist du wieder. . . <1gleichgu%ltig>1 da sind wir wie- der... <1traurig>1 da bin ich wieder. <2ESTRAGON>2 Siehst du, es geht dir schlechter, wenn ich da bin. Ich auch, ich fu%hle mich auch wohler, wenn ich allein bin. <2WLADIMIR>2 <1pikiert:>1 Warum bist du denn wiedergekom- men? <2ESTRAGON>2 Ich weiss nicht. <2WLADIMIR>2 Aber ich, ich weiss es. Weil du dich nicht wehren kannst. Ich ha%tte dich nicht schlagen lassen. <2ESTRAGON>2 Du ha%ttest nichts daran a%ndern ko%nnen. <2WLADIMIR>2 Wieso? <2ESTRAGON>2 Es waren zehn. <2WLADIMIR>2 Ach was, ich meine, dass ich dich vor der Gefahr, geschlagen zu werden, bewahrt ha%tte. <2ESTRAGON>2 Ich hab nichts getan. <2WLADIMIR>2 Warum haben sie dich denn geschlagen? <2ESTRAGON>2 Ich weiss nicht. <2WLADIMIR>2 Nein, weisst du, Gogo, es gibt Dinge, von denen du keine Ahnung hast, ich aber wohl. Das musst du doch spu%ren. <2ESTRAGON>2 Ich sage dir, dass ich nichts getan habe. <2WLADIMIR>2 Kann sein. Aber es kommt ganz darauf an, wie man auftritt, wenn man seine Haut liebt. Also, reden wir nicht mehr daru%ber. Da bist du wieder, und ich bin ganz zufrieden. 149 <2ESTRAGON>2 Es waren zehn. <2WLADIMIR>2 Du musst eigentlich auch zufrieden sein, gib's zu. <2ESTRAGON>2 Womit zufrieden? <2WLADIMIR>2 Dass du mich wiedergefunden hast. <2ESTRAGON>2 Meinst du? <2WLADIMIR>2 Sag es doch, wenn es auch nicht wahr ist. <2ESTRAGON>2 Was soll ich denn sagen? <2WLADIMIR>2 Sag: Ich bin zufrieden. <2ESTRAGON>2 Ich bin zufrieden. <2WLADIMIR>2 Ich auch. <2ESTRAGON>2 Ich auch. <2WLADIMIR>2 Wir sind zufrieden. <2ESTRAGON>2 Wir sind zufrieden. <1Schweigen.>1 Was sollen wir jetzt machen, da wir zufrieden sind? <2WLADIMIR>2 Wir warten auf Godot. <2ESTRAGON>2 Ach ja. <1Schweigen>1. <2WLADIMIR>2 Es gibt was Neues hier seit gestern. <2ESTRAGON>2 Und wenn er nicht kommt? <2WLADIMIR>2 <1der ihn zuna%chst nicht richtig verstanden hat:>1 Das werden wir dann schon sehen. <1Pause.>1 Ich sag dir, dass es was Neues hier gibt, seit gestern. <2ESTRAGON>2 Alles rinnt. <2WLADIMIR>2 Schau dir den Baum mal an. <2ESTRAGON>2 Man tritt nicht zweimal in denselben Dreck. <2WLADIMIR>2 Den Baum, hab ich gesagt, guck ihn dir an! <1Estragon schaut den Baum an.>1 <2ESTRAGON>2 Stand er gestern nicht da? <2WLADIMIR>2 Na klar! Erinnerst du dich nicht daran? Um ein Haar ha%tten wir uns an ihm aufgeha%ngt. <1Er u%berlegt.>1 Ja, richtig <1er betont die Worte einzeln>1 ha%tten -- wir -- uns -- an 151 ihm -- aufgeha%ngt. Aber du wolltest nicht. Erinnerst du dich nicht daran? <2ESTRAGON>2 Das hast du getra%umt. <2WLADIMIR>2 Ist es mo%glich, dass du es schon vergessen hast? <2ESTRAGON>2 Ich bin nun mal so. Entweder vergesse ich sofort oder ich vergesse niemals. <2WLADIMIR>2 Und Pozzo und Lucky, hast du die auch verges- sen? <2ESTRAGON>2 Pozzo und Lucky? <2WLADIMIR>2 Er hat alles vergessen! <2ESTRAGON>2 Ich erinnere mich an einen Tobsu%chtigen, der mir Fusstritte verpasst hat. Dann hat er den Idioten gespielt. <2WLADIMIR>2 Das war Lucky! <2ESTRAGON>2 Daran erinnere ich mich. Aber wann war es? <2WLADIMIR>2 Und der andere, der ihn antrieb, erinnerst du dich? <2ESTRAGON>2 Der hat mir Knochen gegeben. <2WLADIMIR>2 Das war Pozzo! <2ESTRAGON>2 Und du sagst, dass es alles gestern war? <2WLADIMIR>2 Na, klar. <2ESTRAGON>2 Und an dieser Stelle? <2WLADIMIR>2 Aber sicher. Erkennst du es nicht wieder? <2ESTRAGON>2 <1plo%tzlich wu%tend:>1 Wiedererkennen! Was ist da wiederzuerkennen? Ich bin mein Leben lang in der Sand- wu%ste herumgezogen! Und da verlangst du, dass ich Un- terschiede sehe! <1Er blicktin die Runde.>1 Schau dir doch den Dreck an. Ich bin hier nie herausgekommen. <2WLADIMIR>2 Ruhig, ruhI-g. <2ESTRAGON>2 Ho%r mir auf mit deinen Landschaften. Sag mir lieber, wie es drunter aussieht! <2WLADIMIR>2 Du wirst doch nicht behaupten, dass es hier <1Geste>1 so aussieht wie im Breisgau! Da ist doch wohl ein grosser 153 Unterschied. <2ESTRAGON>2 Breisgau! Wer spricht hier vom Breisgau? <2WLADIMIR>2 Du bist doch im Breisgau gewesen? <2ESTRAGON>2 Nein, ich bin nie im Breisgau gewesen! Ich habe meine ganze Lebenslust hier ausgepinkelt, sag ich dir. Hier, im Scheissgau. <2WLADIMIR>2 Wir waren aber zusammen im Breisgau. Ich lege meine Hand dafu%r ins Feuer. Wir haben bei der Weinlese mitgemacht. Bei einem. .. wie hiess er noch. . . Guttmann in Du%rkweiler. <2ESTRAGON>2 <1ruhiger:>1 Mo%glich. Ist mir nicht aufgefallen. <2WLADIMIR>2 Da leuchtet doch alles so rot. <2ESTRAGON>2 <1gereizt:>1 Ist mir nicht aufgefallen, sag ich dir! <1Schweigen. Wladimir seufzt.>1 <2WLADIMIR>2 Du bist schwer zu nehmen, Gogo. <2ESTRAGON>2 Wir sollten lieber auseinandergehen. <2WLADIMIR>2 Das sagst du immer. Und jedesmal kommst du wieder. <1Schweigen.>1 <2ESTRAGON>2 Das Beste wa%re, mich zu to%ten, wie den anderen. <2WLADIMIR>2 Welchen anderen? <1Pause.>1 Welchen anderen? <2ESTRAGON>2 Wie Milliarden andere. <2WLADIMIR>2 <1betonend:>1 Jedem sein Kreuzchen. <1Er seufzt.>1 Bis man begraben ist. . . <1Pause...>1 und vergessen. <2ESTRAGON>2 Bis dahin wollen wir uns ganz ruhig unterhalten, weil wir doch nicht schweigen ko%nnen. <2WLADIMIR>2 Du hast recht. Wir sind unerscho%pflich. <2ESTRAGON>2 Um nicht denken zu mu%ssen. <2WLADIMIR>2 Wir haben Entschuldigungen dafu%r. <2ESTRAGON>2 Um nicht ho%ren zu mu%ssen. <2WLADIMIR>2 Wir haben unsere Gru%nde. <2ESTRAGON>2 All die toten Stimmen. <2WLADIMIR>2 Die rauschen wie Flu%gel. 155 <2ESTRAGON>2 Wie Bla%tter. <2WLADIMIR>2 Wie Sand. <2ESTRAGON>2 Wie Bla%tter. <1Schweigen>1 . <2WLADIMIR>2 Sie sprechen alle durcheinander. <2ESTRAGON>2 Jede fu%r sich. <1Schweigen.>1 <2WLADIMIR>2 Sie flu%stern vielmehr. <2ESTRAGON>2 Sie murmeln. <2WLADIMIR>2 Sie rauschen. <2ESTRAGON>2 Sie murmeln. <1Schweigen.>1 <2WLADIMIR>2 Was sagen sie? <2ESTRAGON>2 Sie sprechen u%ber ihr Leben. <2WLADIMIR>2 Es genu%gt ihnen nicht, gelebt zu haben. <2ESTRAGON>2 Sie mu%ssen daru%ber sprechen. <2WLADIMIR>2 Es genu%gt ihnen nicht, tot zu sein. <2ESTRAGON>2 Das genu%gt nicht. <1Schweigen.>1 <2WLADIMIR>2 Es ist wie das Rauschen von Federn. <2ESTRAGON>2 Von Bla%ttern. <2WLADIMIR>2 Von Asche. <2ESTRAGON>2 Von Bla%ttern. <1Lange Pause.>1 <2WLADIMIR>2 Sag doch was! <2ESTRAGON>2 Ich suche. <1Lange Pause.>1 <2WLADIMIR>2 <1bea%ngstigt:>1 Sag doch irgendwas. <2ESTRAGON>2 Was sollen wir jetzt machen? <2WLADIMIR>2 Wir warten auf Godot. <2ESTRAGON>2 Ach ja. <1Schweigen.>1 157 <2WLADIMIR>2 Ist das schwer! <2ESTRAGON>2 Willst du nicht was singen? <2WLADIMIR>2 Nein, nein. <1Er sucht.>1 Wir ko%nnen ja wieder von vorne anfangen. <2ESTRAGON>2 Das scheint mir wirklich nicht sehr schwer zu sein. <2WLADIMIR>2 Aller Anfang ist schwer. <2ESTRAGON>2 Ist doch gleich, womit wir anfangen. <2WLADIMIR>2 Ja, aber wir mu%ssen uns entscheiden. <2ESTRAGON>2 Eben. <1Schweigen.>1 <2WLADIMIR>2 Hilf mir! <2ESTRAGON>2 Ich suche. <1Schweigen.>1 <2WLADIMIR>2 Wenn man sucht, ho%rt man. <2ESTRAGON>2 Eben. <2WLADIMIR>2 Wenn man ho%rt, kann man nichts finden. <2ESTRAGON>2 Eben. <2WLADIMIR>2 Wenn man ho%rt, kann man nicht denken. <2ESTRAGON>2 Man denkt aber doch. <2WLADIMIR>2 Ach was, das ist unmo%glich. <2ESTRAGON>2 Das ist es, wir wollen einander widersprechen. <2WLADIMIR>2 Unmo%glich. <2ESTRAGON>2 Meinst du? <2WLADIMIR>2 Kann uns nicht mehr passieren, dass wir denken. <2ESTRAGON>2 Woru%ber beklagen wir uns dann? <2WLADIMIR>2 Denken ist nicht das Schlimmste. <2ESTRAGON>2 Gewiss, gewiss, aber das ist doch schon etwas. <2WLADIMIR>2 Wieso, das ist doch schon etwas? <2ESTRAGON>2 Das ist es, wir wollen uns Fragen stellen! <2WLADIMIR>2 Was willst du damit sagen: das ist doch schon et- was? 159 <2ESTRAGON>2 Das ist doch schon etwas weniger. <2WLADIMIR>2 Eben. <2ESTRAGON>2 Also? Wie wa%r's, wenn wir uns freuten? <2WLADIMIR>2 Es ist eben schrecklich, gedacht zu haben. <2ESTRAGON>2 Ist es uns u%berhaupt je passiert? <2WLADIMIR>2 Woher kommen all diese Leichen? <2ESTRAGON>2 Diese Gebeine. <2WLADIMIR>2 Eben. <2ESTRAGON>2 Eben. <2WLADIMIR>2 Wir haben doch wohl ein wenig gedacht. <2ESTRAGON>2 Ganz am Anfang. <2WLADIMIR>2 Ein Beinhaus, ein Beinhaus. <2ESTRAGON>2 Man braucht nur nicht hinzuschauen. <2WLADIMIR>2 Es zieht den Blick an. <2ESTRAGON>2 Eben. <2WLADIMIR>2 Ganz unwillku%rlich. <2ESTRAGON>2 Was? <2WLADIMIR>2 Ganz unwillku%rlich. <2ESTRAGON>2 Man sollte sich entschlossen der Natur zuwen- den. <2WLADIMIR>2 Wir haben s versucht. <2ESTRAGON>2 Ach ja. <2WLADIMlR>2 Oh, es ist nicht das Schlimmste, gewiss nicht. <2ESTRAGON>2 Was denn? <2WLADIMIR>2 Gedacht zu haben. <2ESTRAGON>2 Klar. <2WLADIMIR>2 Aber wir ha%tten darauf verzichten ko%nnen. <2ESTRAGON>2 Was Soll's? <2WLADIMIR>2 Eben. <1Schweigen.>1 <2ESTRAGON>2 War gar nicht so schlecht als kleiner Galopp. <2WLADIMIR>2 Ja. aber jetzt muss uns was anderes einfallen. <2ESTRAGON>2 Mal sehen. 161 <2WLADIMIR>2 Mal sehen. <2ESTRAGON>2 Mal sehen. <1Sie u%berlegen.>1 <2WLADIMIR>2 Was hab ich gesagt? Man ko%nnte da anknu%pfen. <2ESTRAGON>2 Wann? <2WLADIMIR>2 Ganz am Anfang. <2ESTRAGON>2 An welchem Anfang? <2WLADIMIR>2 Heute abend. Ich sagte... ich sagte... <2ESTRAGON>2 Jetzt verlangst du aber zuviel von mir. <2WLADIMIR>2 Moment mal. . . wir haben uns umarmt. . . wir wa- ren zufrieden . . . zufrieden . . . was machen wir jetzt, da wir zufrieden sind.. . wir warten. .. Moment... es kommt. .. wir warten . . . jetzt, da wir zufrieden sind . . . wir warten . . . Moment... Ah! Der Baum! <2ESTRAGON>2 Der Baum? <2WLADIMIR>2 Erinnerst du dich nicht? <2ESTRAGON>2 Ich bin mu%de. <2WLADIMIR>2 Guck ihn dir an. <1Estragon schaut den Baum an.>1 <2ESTRAGON>2 Ich sehe nichts. <2WLADIMIR>2 Gestern abend war er noch schwarz und kahl wie ein Skelett! Heute ist er voller Bla%tter. <2ESTRAGON>2 Bla%tter? <2WLADIMIR>2 In einer einzigen Nacht! <2ESTRAGON>2 Es ist sicher Fru%hling? <2WLADIMIR>2 Aber in einer einzigen Nacht. <2ESTRAGON>2 Ich sag dir. dass wir gestern abend nicht hier wa- ren. Das hast du getra%umt. <2WLADIMIR>2 Und wo sollen wir gestern abend gewesen sein? <2ESTRAGON>2 Ich weiss nicht. Woanders. In einem anderen Ab- teil. Es fehlt ja nicht an leerem Raum. 163 <2WLADIMIR>2 <1seiner Sache sicher:>1 Gut. Wir waren gestern abend nicht hier. Was haben wir also gestern abend getan? <2ESTRAGON>2 Was wir getan haben? <2WLADIMIR>2 Versuch mal, dich zu erinnern. <2ESTRAGON>2 Hm. Wir haben sicher gequatscht. <2WLADIMIR>2 <1beherrscht sich:>1 Woru%ber? <2ESTRAGON>2 Oh. .. dies und das, dummes Zeug. <1Sicher.>1 Ja, es fa%llt mir wieder ein, gestern abend haben wir dummes Zeug gequatscht. Das tun wir ja schon ein Leben lang. <2WLADIMIR>2 Du erinnerst dich an kein Ereignis, an keine Ein- zelheit? <2ESTRAGON>2 <1mu%de:>1 Qua%l mich doch nicht, Didi. <2WLADIMIR>2 Die Sonne? Der Mond? Erinnerst du dich nicht? <2ESTRAGON>2 Sie waren sicher da, wie immer. <2WLADIMIR>2 Ist dir nichts Ungewo%hnliches aufgefallen? <2ESTRAGON>2 Leider nicht. <2WLADIMIR>2 Und Pozzo? Und Lucky? <2ESTRAGON>2 Pozzo? <2WLADIMIR>2 Die Knochen. <2ESTRAGON>2 Sag lieber die Gra%ten. <2WLADIMIR>2 Pozzo hat sie dir gegeben. <2ESTRAGON>2 Ich weiss nicht. <2WLADIMIR>2 Und der Fusstritt? <2ESTRAGON>2 Der Fusstritt? Ach ja, man hat mir Fusstritte ge- geben. <2WLADIMIR>2 Lucky hat sie dir gegeben. <2ESTRAGON>2 Das war alles gestern? <2WLADIMIR>2 Zeig mal dein Bein. <2ESTRAGON>2 Welches? <2WLADIMIR>2 Beide. Zieh die Hose hoch. <1Estragon streckt, auf>1 <1einem Fusse stehend, sein Bein Wladimir entgegen und fa%llt>1 <1beinahe um. Wladimir erfasst das Bein. Estragon schwankt.>1 165 Zieh die Hose hoch. <2ESTRAGON>2 <1taumelnd:>1 Ich kann nicht. <1Wladimir zieht die Hose hoch, betrachtet das Bein, la%sst es>1 <1 los. Estragon fa%llt beinahe hin.>1 <2WLADIMIR>2 Das andere. <1Estragon streckt dasselbe Bein noch->1 <1mal vor.>1 Das andere hab ich gesagt! <1Das gleiche Spiel mit>1 <1 dem anderen Bein.>1 Da ist die Wunde; auf dem besten Wege, sich zu entzu%nden. <2ESTRAGON>2 Ja, und? <2WLADIMIR>2 Wo sind deine Schuhe? <2ESTRAGON>2 Ich hab sie sicher weggeworfen. <2WLADIMIR>2 Wann? <2ESTRAGON>2 Ich weiss nicht. <2WLADIMIR>2 Warum? <2ESTRAGON>2 Es fa%llt mir nicht mehr ein. <2WLADIMIR>2 Nein, ich meine, warum du sie weggeworfen hast. <2ESTRAGON>2 Sie taten mir weh. <2WLADIMIR>2 <1zeigt die Schuhe:>1 Da sind sie. <1Estragon betrachtet>1 <1die Schuhe.>1 An derselben Stelle, wo du sie gestern abend hingestellt hast. <1Estragon geht auf die Schuhe zu, bu%ckt>1 <1 sich und schaut sie sich genau an.>1 <2ESTRAGON>2 Das sind nicht meine. <2WLADIMIR>2 Nicht deine? <2ESTRAGON>2 Meine waren schwarz. Die sind gelb. <2WLADIMIR>2 Bist du sicher, dass deine schwarz waren? <2ESTRAGON>2 Das heisst, sie waren gra%ulich. <2WLADIMIR>2 Und diese sind gelb? Lass sehen. <2ESTRAGON>2 <1hebt einen Schuh auf:>1 Na ja, sie sind gru%nlich. <2WLADIMIR>2 <1geht vor:>1 Lass sehen. <1Estragon gibt ihm den>1 <1Schuh. Wladimir betrachtet ihn und wirft ihn wu%tend weg.>1 So was! <2ESTRAGON>2 Siehst du, das ist alles. .. 167 <2WLADIMIR>2 Ich weiss, was es ist. Ja, ich weiss, was passiert ist. <2ESTRAGON>2 Das ist alles... <2WLADIMIR>2 Ist doch ganz einfach. Da ist einer gekommen, der deine genommen und seine dafu%r stehengelassen hat. <2ESTRAGON>2 Warum? <2WLADIMIR>2 Seine passten ihm nicht. Darum hat er deine ge- nommen. <2ESTRAGON>2 Meine waren doch zu klein. <2WLADIMIR>2 Dir, ihm nicht. <2ESTRAGON>2 Ich bin mu%de. <1Pause.>1 Komm, lass uns gehen. <2WLADIMIR>2 Wir ko%nnen nicht. <2ESTRAGON>2 Warum nicht? <2WLADIMIR>2 Wir warten auf Godot. <2ESTRAGON>2 Ach ja. <1Pause.>1 Also, was sollen wir machen? <2WLADIMIR>2 Da ist nichts zu machen. <2ESTRAGON>2 Ich kann aber nicht mehr. <2WLADIMIR>2 Willst du ein Radieschen? <2ESTRAGON>2 Ist das alles, was da ist? <2WLADIMIR>2 Es gibt Radieschen und weisse Ru%ben. <2ESTRAGON>2 Sind keine gelben mehr da? <2WLADIMIR>2 Nein. Du u%bertreibst es mit den gelben. <2ESTRAGON>2 Dann gib mir ein Radieschen. <1Wladimir sucht in>1 <1seinen Taschen, findet nur weisse Ru%ben. Er kramt endlich>1 <1ein Radieschen hervor, das er Estragon gibt, der es unter->1 <1sucht und beschnuppert.>1 Es ist schwarz! <2WLADIMIR>2 Es ist ein Radieschen. <2ESTRAGON>2 Ich mag nur die roten, das weisst du doch. <2WLADIMIR>2 Du willst es also nicht. <2ESTRAGON>2 Ich mag nur die roten. <2WLADIMIR>2 Dann gib es her. <1Estragon gibt es zuru%ck.>1 169 <2ESTRAGON>2 Ich geh mir eine gelbe Ru%be suchen. <1Er ru%hrt sich nicht.>1 <2WLADIMIR>2 Nun wird es wirklich sinnlos. <2ESTRAGON>2 Noch nicht genug. <1Schweigen.>1 <2WLADIMIR>2 Willst du es nicht noch mal versuchen? <2ESTRAGON>2 Ich habe alles versucht. <2WLADIMIR>2 Ich meine mit den Schuhen. <2ESTRAGON>2 Meinst du? <2WLADIMIR>2 Dann vergeht die Zeit. <1Estragon zo%gert.>1 Es ist be- stimmt eine Ablenkung. <2ESTRAGON>2 Eine Entspannung. <2WLADIMIR>2 Eine Zerstreuung. <2ESTRAGON>2 Eine Entspannung. <2WLADIMIR>2 Versuch s <2ESTRAGON>2 Hilfst du mir? <2WLADIMIR>2 Natu%rlich. <2ESTRAGON>2 Wir schlagen uns doch ganz gut durch, nicht wahr, Didi, wir zwei? <2WLADIMIR>2 Ja, ja. Komm, zuerst versuchen wir es mit dem linken. <2ESTRAGON>2 Wir finden doch immer was, um uns einzureden, dass wir existieren, nicht wahr, Didi? <2WLADIMIR>2 <1ungeduldig:>1 Ja, ja. Wir sind Zauberer. Aber wir sollten uns nicht von unserem Entschluss abbringen lassen. <1Er hebt einen Schuh auf.>1 Komm, gib deinen Fuss. <1Estragon>1 <1na%hert sich ihm und hebt den Fuss.>1 Den anderen, Schwein! <1Estragon hebt den anderen Fuss.>1 Ho%her! <1Eng aneinander->1 <1lehnend taumeln sie u%ber die Bu%hne. Wladimir gelingt es>1 <1endlich, ihm den Schuh anzuziehen.>1 Versuch, zu laufen. <1Estragon geht einige Schritte.>1 Na, und? <2ESTRAGON>2 Passt. 171 <2WLADIMIR>2 <1nimmt eine Schnur aus seiner Tasche:>1 Da... ein Schuhriemen. <2ESTRAGON>2 <1heftig:>1 Nein, nein, keine Schuhriemen, keine Schuhriemen. <2WLADIMIR>2 Das tut dir noch mal leid. Versuchen wir den an- deren. <1Das gleiche Spiel.>1 Na, und? <2ESTRAGON>2 Passt auch. <2WLADIMIR>2 Tun sie dir nicht weh? <2ESTRAGON>2 <1geht einige Schritte vorsichtig auftretend u%ber die>1 <1Bu%hne:>1 Noch nicht. <2WLADIMIR>2 Dann kannst du sie behalten. <2ESTRAGON>2 Sie sind zu gross. <2WLADIMIR>2 Du kriegst vielleicht mal Socken. <2ESTRAGON>2 Ach ja. <2WLADIMIR>2 Du beha%ltst sie also? <2ESTRAGON>2 Ho%r auf, von den Schuhen zu sprechen. <2WLADIMIR>2 Ja, aber... <2ESTRAGON>2 Ho%r auf! <1Schweigen.>1 Jetzt setz ich mich aber. <1Er sucht mit den Augen einen geeigneten Platz und setzt>1 <1sich dann da hin, wo er zu Beginn des Stu%ckes gesessen hat.>1 <2WLADIMIR>2 Da hast du gestern abend auch gesessen. <1Schweigen.>1 <2ESTRAGON>2 Wenn ich doch schlafen ko%nnte. <2WLADIMIR>2 Gestern abend hast du geschlafen. <2ESTRAGON>2 Ich will's versuchen. <1Er steckt seinen Kopf zwischen die Beine.>1 <2WLADIMIR>2 Warte! <1Er na%hert sich Estragon und beginnt mit>1 <1lauter Stimme zu singen.>1 Eiapopeia, eiapopeia . . . <2ESTRAGON>2 <1hebt den Kopf:>1 Nicht so laut. <2WLADIMIR>2 <1leiser:>1 Eiapopeia, .eIapopeIa, 173 eiapopeia, eiapopeia, eiapopeia, eiapopeia, eiapopeia, eia... <1Estragon schla%ft ein. Wladimir zieht seine Jacke aus und>1 <1 legt sie ihm u%ber die Schultern, dann beginnt er auf der>1 <1 Bu%hne auf und ab zu gehen, wobei er die Arme hin- und>1 <1 herschla%gt, um sich zu wa%rmen. Estragon fa%hrt aus dem>1 <1 Schlafe auf, steht auf und geht aufgeregt einige Schritte.>1 <1 Wladimir la%uft auf ihn zu und legt seinen Arm um ihn.>1 <2WLADIMIR>2 Was denn... was denn. .. ich bin doch da... hab keine Angst! <2ESTRAGON>2 Ah! <2WLADIMIR>2 Ruhig... ruhig... es ist ja vorbeI-. <2ESTRAGON>2 Ich fiel. <2WLADIMIR>2 Es ist vorbei. Denk nicht mehr daran. <2ESTRAGON>2 Ich war auf einem... <2WLADIMIR>2 Nein, nein, nichts sagen. Komm, wir laufen ein Stu%ckchen. <1Er ha%ngtseinen A rm bei Estragon ein und fu%hrt>1 <1 ihn auf der Bu%hne auf und ab, bis Estragon sich weigert>1 <1 weiterzugehen.>1 <2ESTRAGON>2 Ho%r auf. Ich bin mu%de. <2WLADIMIR>2 Du mo%chtest lieber da anwachsen und nichts tun? <2ESTRAGON>2 Ja. <2WLADIMIR>2 Wie du willst. <1Er la%sst Estragon los, hebt seine Jacke auf und zieht sie wie->1 <1 der an.>1 <2ESTRAGON>2 Komm, wir gehen. <2WLADIMIR>2 Wir ko%nnen nicht. <2ESTRAGON>2 Warum nicht? <2WLADIMIR>2 Wir warten auf Godot. <2ESTRAGON>2 Ach ja. <1Wladimir geht wieder auf und ab.>1 Kannst du nicht ruhig bleiben? 175 <2WLADIMIR>2 Mich friert. <2ESTRAGON>2 Wir sind zu fru%h gekommen. <2WLADIMIR>2 Immer bei Einbruch der Nacht. <2ESTRAGON>2 Aber die Nacht bricht nicht herein. <2WLADIMIR>2 Sie wird ganz plo%tzlich hereinbrechen, Wie ge- stern. <2ESTRAGON>2 Und dann ist es Nacht. <2WLADIMIR>2 Und wir ko%nnen gehen. <2ESTRAGON>2 Und dann wird es wieder Tag. <1Pause.>1 Was soll man machen? Was soll man machen? <2WLADIMIR>2 <1ho%rt auf zu gehen und wird heftig:>1 Bist du bald fertig mit deinem Klagen? Du gehst mir langsam auf die Nerven mit deinem Gejammer. <2ESTRAGON>2 Ich gehe jetzt. <2WLADIMIR>2 <1sieht den Hut Luckys:>1 Da! <2ESTRAGON>2 Adieu! <2WLADIMIR>2 Der Hut von Lucky! <1Er na%hert sich dem Hut.>1 Ich bin schon seit einer Stunde hier, und ich hatte ihn noch nicht gesehen. <1Sehr zufrieden.>1 Ist ja grossartig. <2ESTRAGON>2 Du siehst mich nicht wieder. <2WLADIMIR>2 Ich hab mich also nicht in dem Platz geirrt. Jetzt ko%nnen wir beruhigt sein. <1Er hebt Luckys Hut auf, be->1 <1 trachtet ihn und gibt ihm wieder seine alte Form.>1 Muss ein scho%ner Hut gewesen sein. <1Er reicht seinen eigenen Hut>1 <1 Estragon.>1 Da! <2ESTRAGON>2 Was? <2WLADIMIR>2 Halt fest. <1Estragon nimmt den Hut Wladimirs.>1 <1Wladimir setzt Luckys Hut auf. Estragon tauscht seinen>1 <1 Hut mit Wladimirs Hut und reicht seinen eigenen Hut Wla->1 <1 dimir. Wladimir nimmt den Hut Estragons. Estragon setzt>1 <1 Wladimirs Hut auf. Wladimir tauscht Estragons Hut mit>1 <1 Luckys Hut, den er Estragon reicht. Estragon nimmt Luk->1 177 <1tauscht Luckys Hut mit dem Hut Wladimirs, den er Wladi->1 <1 mir wieder reicht. Wladimir nimmt seinen Hut. Estragon>1 <1 setzt Luckys Hut auf. Wladimir tauscht seinen Hut mit dem>1 <1 Hut Estragons, den er Estragon reicht. Estragon nimmt>1 <1 seinen Hut. Wladimir setzt seinen Hut auf. Estragon>1 <1 tauschtseinen Hut mit Luckys Hut, den er Wladimir reicht.>1 <1 Wladimir nimmt Luckys Hut. Estragon setzt seinen Hut>1 <1 auf. Wladimir tauscht Luckys Hut mit seinem eigenen, den>1 <1 er Estragon reicht. Estragon nimmt Wladimirs Hut. Wla->1 <1 dimir setzt Luckys Hut auf. Estragon reicht Wladimirs Hut>1 <1 Wladimir, der ihn nimmt und ihn Estragon reicht, der ihn>1 <1 nimmt und ihn Wladimir reicht, der ihn annimmt und weg->1 <1 wirft. Das alles mit schnellen Bewegungen.>1 <2WLADIMIR>2 Steht er mir? <2ESTRAGON>2 Ich weiss nicht. <2WLADIMIR>2 Nein, wie findest du mich denn? <1Er drehtseinen Kopf kokett nach rechts und nach links und>1 <1 nimmt die Haltungen eines Mannequins an.>1 <2ESTRAGON>2 Gra%sslich. <2WLADIMIR>2 Doch nicht schlimmer als gewo%hnlich? <2ESTRAGON>2 Genauso. <2WLADIMIR>2 Dann kann ich ihn ja behalten. Meiner tat mir weh. <1Pause.>1 Wie soll man sagen? <1Pause.>1 Er kratzte mich. <2ESTRAGON>2 Ich gehe. <2WLADIMIR>2 Willst du nicht spielen? <2ESTRAGON>2 Was spielen? <2WLADIMIR>2 Wir ko%nnten Pozzo und Lucky spielen. <2ESTRAGON>2 Kenn ich nicht. <2WLADIMIR>2 Ich spiele Lucky, du Pozzo. <1Er stellt sich so hin>1 <1wie Lucky, der unter der Last seines Gepa%cks fast zusam->1 179 <1menbricht. Estragon sieht ihm verblu%fft zu.>1 Mach schon! <2ESTRAGON>2 Was soll ich machen? <2WLADIMIR>2 Mich anschnauzen! <2ESTRAGON>2 Du Schweinehund! <2WLADIMIR>2 Lauter! <2ESTRAGON>2 Du Scheisskerl! Du Lump! <1Wladimir geht vor und zuru%ck, als wu%rde er beinahe zu->1 <1 sammenbrechen.>1 <2WLADIMIR>2 Sag mir, dass ich denken soll. <2ESTRAGON>2 Wie denn? <2WLADIMIR>2 Sag: Denke, Schwein! <2ESTRAGON>2 Denke, Schwein! <1Schweigen.>1 <2WLADIMIR>2 Ich kann es nicht! <2ESTRAGON>2 Ho%r auf! <2WLADIMIR>2 Sag mir, dass ich tanzen soll! <2ESTRAGON>2 Ich gehe! <2WLADIMIR>2 Tanze, Schwein! <1Er macht Verrenkungen auf der>1 <1Stelle. Estragon la%uft weg.>1 Ich kann es nicht. <1Er hebt den>1 <1 Blick, sieht, dass Estragon nicht mehr da ist und sto%sst einen>1 <1 herzzerreissenden Schrei aus.>1 Gogo! <1Stille. Er geht kreuz>1 <1 und quer u%ber die Bu%hne und rennt fast. Estragon kommt>1 <1 rennend wieder auf die Bu%hne. Ausser Atem la%uft er auf>1 <1 Wladimir zu. Sie bleiben einige Schritte voneinander ent->1 <1 fernt stehen.>1 Da bist du endlich wieder! <2ESTRAGON>2 <1Atem scho%pfend:>1 Ich bin verdammt! <2WLADIMIR>2 Wo warst du? Ich glaubte, du wa%rst weg, fu%r im- mer. <2ESTRAGON>2 Sie kommen. <2WLADIMIR>2 Wer? <2ESTRAGON>2 Ich weiss nicht. <2WLADIMIR>2 Wie viele? 181 <2ESTRAGON>2 Ich weiss nicht. <2WLADIMIR>2 <1triumphierend:>1 Das ist Godot! Endlich! <1Er um->1 <1armt Estragon und ist ausser sich vor Freude.>1 Gogo! Es ist Godot! Wir sind gerettet! Wir wollen ihm entgegengehen! Komm! <1Er zieht Estragon zur Kulisse. Estragon stra%ubt>1 <1 sich, reisst sich los und la%uft auf die andere Seite, wo er die>1 <1 Bu%hne verla%sst.>1 Gogo! Komm zuru%ck! <1Schweigen. Wladi->1 <1 mir la%uft auf die Kulisse zu, durch die Estragon vorher wie->1 <1 der aufgetreten war. Er blickt in die Ferne. Estragon>1 <1 kommt plo%tzlich wieder zuru%ck, la%uft auf Wladimir zu, der>1 <1 sich ihm zuwendet.>1 Da bist du ja wieder! <2ESTRAGON>2 Ich bin verflucht! <2WLADIMIR>2 Warst du weit weg? <2ESTRAGON>2 Bis zum Rand des Abhangs. <2WLADIMIR>2 Wir sind hier also auf einem Plateau, das steht fest. Sozusagen auf dem Pra%sentierteller. <2ESTRAGON>2 Von da kommen sie auch. <2WLADIMIR>2 Wir sind eingekesselt! <1Estragon la%uft aufgeregt>1 <1auf den Hintergrund zu, er la%uft dagegen und fa%llt.>1 Idiot, da ist kein Ausgang! <1Wladimir hebt ihn auf, fu%hrt ihn an>1 <1 die Rampe und zeigt auf den Zuschauerraum.>1 Da ist nie- mand. Ab durch die Mitte! Los! <1Er dru%ckt ihn an die>1 <1 Rampe. Estragon weicht entsetzt zuru%ck.>1 Du willst nicht? Na ja, kann man verstehen. Mal sehen! <1Er u%berlegt.>1 Da gibt's nur noch eins, sich du%nne machen! <2ESTRAGON>2 Wohin denn? <2WLADIMIR>2 Hintern Baum. <1Estragon zo%gert.>1 Schnell! Hintern Baum. <1Estragon la%uft, um sich hinterm Baum zu verstek->1 <1 ken, der ihm nur eine unvollkommene Deckung bietet>1 Ru%hr dich nicht! <1Estragon kommt wieder aus seinem Ver->1 <1 steck hervor.>1 Den Baum kann man wirklich zu nichts brauchen. <1Zu Estragon.>1 Bist du wahnsinnig geworden? 183 <2ESTRAGON>2 <1ruhiger:>1 Ich hab den Kopf verloren. <1Er la%sst be->1 <1scha%mt seinen Kopf sinken.>1 Verzeih! <1Er richtet stolz seinen>1 <1 Kopf wieder auf.>1 Es ist vorbei. Jetzt sollst du mal sehen. Sag mir, was ich machen soll. <2WLADIMIR>2 Da ist nichts zu machen. <2ESTRAGON>2 Du wirst dich da aufstellen. <1Er zieht Wladimir>1 <1nach sich bis zur linken Kulisse, stellt ihn so hin, dass er den>1 <1 Weg beobachten kann.>1 Da, bleib so stehen und mach die Augen auf. <1Er la%uft zur rechten Kulisse. Wladimir schaut>1 <1 ihm u%ber die Schulter nach. Estragon bleibt stehen, schaut>1 <1 in die Weite und schaut dann zuru%ck. Beide schauen sich>1 <1 u%ber die Schultern an.>1 Ru%cken an Ru%cken wie in der guten alten Zeit! <1Sie schauen einander noch eine Weile an und>1 <1 blicken dann beide auf den Weg, also jeweils rechts und>1 <1 links hinter die Kulissen. Lange Pause.>1 Siehst du nichts kommen? <2WLADIMIR>2 <1dreht sich um:>1 Wie bitte? <2ESTRAGON>2 <1lauter:>1 Siehst du nichts kommen? <2WLADIMIR>2 Nein. <2ESTRAGON>2 Ich auch nicht. <1Sie halten weiter Ausschau. Lange Pause.>1 <2WLADIMIR>2 Du hast dich sicher geta%uscht. <2ESTRAGON>2 <1schaut Wladimir>1 an:Wie bitte? <2WLADIMIR>2 <1lauter:>1 Du hast dich sicher geta%uscht. <2ESTRAGON>2 Schrei nicht so. <1Sie halten weiter A usschau. Lange Pause.>1 <2WLADIMIR>2 und <2ESTRAGON>2 <1wenden ihre Ko%pfe gleichzeitig>1 <1einander zu:>1 Hast du. . . <2WLADIMIR>2 Oh, Verzeihung! <2ESTRAGON>2 Sprich nur! <2WLADIMIR>2 Aber nein! <2ESTRAGON>2 Aber ja! 185 <2WLADIMIR>2 Ich bin dir ins Wort gefallen. <2ESTRAGON>2 Im Gegenteil. <1Sie schauen sich zornig an.>1 <2WLADIMIR>2 Bitte, keine Fo%rmlichkeiten. <2ESTRAGON>2 Sei doch nicht so dickko%pfig. <2WLADIMIR>2 <1entschieden:>1 Sprich deinen Satz zu Ende, sag ich dir. <2ESTRAGON>2 <1ebenso entschieden:>1 Sprich du deinen zu Ende. <1Schweigen. Sie gehen aufeinander zu und bleiben stehen.>1 <2WLADIMIR>2 Schurke! <2ESTRAGON>2 Das ist es, wir wollen uns beschimpfen. <1Sie gehen auseinander, drehen sich um und stehen sich mit>1 <1 Abstand gegenu%ber.>1 <2WLADIMIR>2 Schurke! <2ESTRAGON>2 Wu%rstchen! <2WLADIMIR>2 Saftsack! <2ESTRAGON>2 Giftzwerg! <2WLADIMIR>2 Rotzlo%ffel! <2ESTRAGON>2 Rindsknochen! <2WLADIMIR>2 Scheisskerl! <2ESTRAGON>2 Ober . . . forstinspektor! <2WLADIMIR>2 <1u%bertrieben:>1 Ohh! <2ESTRAGON>2 Wir wollen uns wieder vertragen! <2WLADIMIR>2 Gogo! <2ESTRAGON>2 Didi! <2WLADIMIR>2 Deine Hand! <2ESTRAGON>2 Da! <2WLADIMIR>2 Komm in meine Arme! <2ESTRAGON>2 Deine Arme? <2WLADIMIR>2 <1breitet die Arme aus:>1 An meine Brust! <2ESTRAGON>2 Also los! <1Sie umarmen sich. Schweigen.>1 187 <2WLADIMIR>2 Wie die Zeit vergeht, wenn man sich amu%siert! <1Schweigen.>1 <2ESTRAGON>2 Was sollen wir jetzt machen? <2WLADIMIR>2 Bis er kommt. <2ESTRAGON>2 Bis er kommt. <1Schweigen.>1 <2WLADIMIR>2 Sollen wir unsere U%bungen machen? <2ESTRAGON>2 Unsere Leibesu%bungen. <2WLADIMIR>2 Geschmeidigkeitsu%bungen. <2ESTRAGON>2 Lockerungsu%bungen. <2WLADIMIR>2 Gelenkigkeitsu%bungen. <2ESTRAGON>2 Lockerungsu%bungen. <2WLADIMIR>2 Um warm zu werden. <2ESTRAGON>2 Um ruhig zu werden. <2WLADIMIR>2 Also, los. <1Er beginnt zu springen.>1 <1Estragon macht es nach.>1 <2ESTRAGON>2 <1ho%rt auf:>1 Ho%r auf. Ich bin mu%de. <2WLADIMIR>2 <1ho%rtauf:>1 Wir sind nicht in Form. Lass uns ein paar Atemu%bungen machen. <2ESTRAGON>2 Ich will nicht mehr atmen. <2WLADIMIR>2 Du hast recht. <1Pause.>1 Lass uns trotzdem den Baum machen, fu%rs Gleichgewicht. <2ESTRAGON>2 Den Baum? <1Wladimir macht den >>Baum<<, auf einem Fusse stehend.>1 <1 Er beginnt zu schwan ken.>1 <2WLADIMIR>2 <1ho%rt auf:>1 Du bist dran. <1Estragon macht den >>Baum<< und schwankt dabei.>1 <2ESTRAGON>2 Glaubst du, dass Gott mich sieht? <2WLADIMIR>2 Man muss die Augen zumachen. <1Estragon schliesst die Augen und schwankt noch mehr.>1 <2ESTRAGON>2 <1ho%rt auf, schwingt die Fa%uste und schreit aus>1 189 <1vollem Halse:>1 Gott hab Erbarmen mit mir! <2WLADIMIR>2 <1vera%rgert:>1 Und ich? <2ESTRAGON>2 <1laut:>1 Mit mir! Mit mir! Erbarmen mit mir! <1Pozzo und Lucky treten auf. Pozzo ist blind geworden.>1 <1 Lucky ist beladen wie im ersten Akt. Strick, wie im ersten>1 <1 Akt, aber ku%rzer, damit Pozzo bequemer folgen kann.>1 <1 Lucky tra%gt einen neuen Hut. Beim Anblick von Wladimir>1 <1 und Estragon bleibt er stehen. Pozzo, der seinen Weg weiter>1 <1 fortsetzt, la%uft gegen ihn. Wladimir und Estragon weichen>1 <1 zuru%ck.>1 <2POZZO>2 <1klammert sich an Lucky, der unter dieser neuen Last>1 <1schwankt:>1 Was ist los? Wer hat gerufen? <1Lucky bricht zusammen, la%sst alles fallen und reisst Pozzo>1 <1 mit sich zu Boden. Sie bleiben lang ausgestreckt inmitten>1 <1 des Gepa%cks liegen.>1 <2ESTRAGON>2 Ist das Godot? <2WLADIMIR>2 Das haut aber hin! <1Er geht auf den Haufen zu. Estragon folgt ihm.>1 Endlich Versta%rkung! <2POZZO>2 <1mit a%ngstlicher Stimme:>1 Hilfe! <2ESTRAGON>2 Ist das Godot? <2WLADIMIR>2 Wir fingen an, weich zu werden. Jetzt ist das Ende des Programms gesichert. <2POZZO>2 Zu mir! <2ESTRAGON>2 Er ruft um Hilfe. <2WLADIMIR>2 Wir sind nicht mehr allein und warten auf die Nacht, und warten auf Godot, und warten, und warten. Den ganzen Abend haben wir ganz allein geka%mpft. Das ist jetzt vorbei. Es ist schon morgen. <2POZZO>2 Zu mir! <2WLADIMIR>2 Die Zeit verfliesst schon ganz anders. Die Sonne geht unter, der Mond geht auf, und wir gehen weg -- 191 von hier. <2POZZO>2 Erbarmen! <2WLADIMIR>2 Armer Pozzo! <2ESTRAGON>2 Ich wusste. dass er es war. <2WLADIMIR>2 Wer? <2ESTRAGON>2 Godot. <2WLADIMIR>2 Das ist doch nicht Godot. <2ESTRAGON>2 Es ist nicht Godot? <2WLADIMIR>2 Es ist nicht Godot. <2ESTRAGON>2 Wer ist es denn? <2WLADIMIR>2 Es ist Pozzo. <2POZZO>2 Ich bin's! Ich bin's! Hebt mich auf! <2WLADIMIR>2 Er kann nicht aufstehen. <2ESTRAGON>2 Komm, wir gehen. <2WLADIMIR>2 Wir ko%nnen nicht. <2ESTRAGON>2 Warum nicht? <2WLADIMIR>2 Wir warten auf Godot. <2ESTRAGON>2 Ach ja. <2WLADIMIR>2 Vielleicht hat er noch Knochen fu%r dich. <2ESTRAGON>2 Knochen? <2WLADIMIR>2 Hu%hnchen. Erinnerst du dich denn nicht? <2ESTRAGON>2 War er das? <2WLADIMIR>2 Ja. <2ESTRAGON>2 Frag ihn mal. <2WLADIMIR>2 Sollen wir ihm nicht zuerst helfen? <2ESTRAGON>2 Wobei? <2WLADIMIR>2 Beim Aufstehen. <2ESTRAGON>2 Kann er nicht aufstehen? <2WLADIMIR>2 Er mo%chte aufstehen. <2ESTRAGON>2 Dann soll er aufstehen. <2WLADIMIR>2 Er kann nicht. <2ESTRAGON>2 Was hat er denn? 193 <2WLADIMIR>2 Ich weiss nicht. <1Pozzo windet sich, sto%hnt und schla%gt mit den Fa%usten auf>1 <1die Erde.>1 <2ESTRAGON>2 Wenn wir zuerst die Knochen verlangten? Wenn er sie dann nicht geben will, lassen wir ihn einfach liegen. <2WLADIMIR>2 Du willst sagen, dass er uns auf Gnade und Barm- herzigkeit ausgeliefert ist? <2ESTRAGON>2 Ja. <2WLADIMIR>2 Und dass wir Bedingungen an unsere Hilfe knu%p- fen sollten. <2ESTRAGON>2 Ja. <2WLADIMIR>2 Das klingt in der Tat intelligent. Ich fu%rchte nur eins. <2ESTRAGON>2 Was? <2WLADIMIR>2 Dass Lucky sich auf einmal in Bewegung setzt. Dann wa%ren wir bedient. <2ESTRAGON>2 Lucky? <2WLADIMIR>2 Das ist der, der dich gestern angegriffen hat. <2ESTRAGON>2 Ich sagte dir doch, dass es zehn waren. <2WLADIMIR>2 Ach was, vorher, der dir die Fusstritte gegeben hat. <2ESTRAGON>2 Ist der da? <2WLADIMIR>2 Schau doch hin. <1Geste.>1 Noch ru%hrt er sich nicht. Aber es kann jeden Moment losgehen. <2ESTRAGON>2 Sollen wir ihn mal geho%rig verpru%geln? <2WLADIMIR>2 Du meinst, dass wir u%ber ihn herfallen sollten, wa%hrend er schla%ft? <2EsTRAGON>2 Ja. <2WLADIMIR>2 Das ist eine gute Idee. Sind wir aber dazu im- stande? Schla%ft er wirklich? <1Pause.>1 Nein, das Beste wa%re, davon zu profitieren, dass Pozzo um Hilfe ruft. Wir werden ihm helfen und mit seiner Dankbarkeit rechnen. 195 <2ESTRAGON>2 Mo%glich. Aber.. . <2WLADIMIR>2 Wir wollen unsere Zeit nicht bei unnu%tzen Reden verlieren. <1Pause. Ungestu%m.>1 Wir wollen etwas tun, so- lange die Gelegenheit sich bietet! Uns braucht man nicht alle Tage. Es ist offen gesagt nicht so, als brauchte man gerade uns. Andere wu%rden die Sache ebensogut, wenn nicht besser, machen. Der Ruf, den wir soeben vernah- men, richtet sich vielmehr an die ganze Menschheit. Aber in dieser Gegend und in diesem Augenblick sind wir die Menschheit, ob es uns passt oder nicht. Nu%tzen wir es aus, ehe es zu spa%t ist. Wir wollen einmal wu%rdig die Sippschaft vertreten. in die das Missgeschick uns hineingeworfen hat. Was sagst du dazu? <1Estragon sagt nichts.>1 Es ist wahr, dass wir unserer Gattung mit verschra%nkten Armen beim Abwa%gen der Fu%r und Wider auch alle Ehre machen. Der Tiger eilt den Seinen ohne die mindeste U%berlegung zu Hilfe. Oder aber er rettet sich im dichte- sten Dschungel. Aber da liegt das Problem nicht. Was tun wir hier, das muss man sich fragen. Wir haben das Glu%ck, es zu wissen. Ja, in dieser ungeheuren Verwirrung ist eines klar: wir warten darauf, dass Godot kommt. <2ESTRAGON>2 Ach ja. <2WLADIMIR>2 Oder, dass die Nacht kommt. <1Pause.>1 Wir sind da, wie verabredet, da gibt es nichts. Wir sind keine Heiligen, aber wir sind da, wie verabredet. Wieviel Leute ko%nnen das von sich behaupten? <2ESTRAGON>2 Eine ganze Masse. <2WLADIMIR>2 Meinst du? <2ESTRAGON>2 Ich weiss nicht. <2WLADIMIR>2 Mo%glich. <2POZZO>2 Hilfe! 197 <2WLADIMIR>2 Sicher ist, dass die Zeit unter solchen Umsta%nden lange dauert und uns dazu treibt, sie mit Ta%tigkeiten aus- zufu%llen, die -- wie soll man sagen -- auf den ersten Blick vernu%nftig erscheinen ko%nnen, an die wir uns aber ge- wo%hnt haben. Du wirst mir sagen, dass es geschieht, um unseren Verstand vor dem Untergang zu bewahren. Klar. Aber irrt er nicht schon in der ewigen Nacht unergru%ndli- cher Tiefen? Das frage ich mich manchmal. Folgst du meinen Gedanken? <2ESTRAGON>2 Wir werden alle verru%ckt geboren. Einige bleiben es. <2POZZO>2 Hilfe, ich gebe euch Geld! <2ESTRAGON>2 Wieviel? <2POZZO>2 Eine Mark. <2ESTRAGON>2 Nicht genug. <2WLADIMIR>2 So weit wu%rde ich nicht gehen. <2ESTRAGON>2 Findest du, dass es genug ist? <2WLADIMIR>2 Nein, ich wu%rde nicht so weit gehen, zu behaup- ten, mit einer weichen Birne auf die Welt gekommen zu sein. Aber da liegt das Problem nicht. <2POZZO>2 Zwei Mark. <2WLADIMIR>2 Wir warten. Wir langweilen uns. <1Er hebt seine>1 <1Hand.>1 Nein, widersprich mir nicht, wir langweilen uns zu Tode, das ist unbestreitbar. Gut. Es ergibt sich eine Ab- lenkung, und was tun wir? Wir lassen sie ungenu%tzt. Los, an die Arbeit. <1Er geht auf Pozzo zu, bleibt stehen.>1 Im Nu wird sich alles wieder auflo%sen, und wir sind von neuem allein, inmitten der Einsamkeiten. <1Er tra%umt.>1 <2POZZO>2 Zwei Mark. <2WLADIMIR>2 Wir kommen schon. <1Er versucht, Pozzo aufzuheben. Es gelingt ihm nicht. Er>1 <1wiederholt seine Bemu%hungen, stolpert u%ber das Gepa%ck,>1 199 <1fa%llt hin, versucht wieder aufzustehen, was ihm misslingt.>1 <2ESTRAGON>2 Was habt ihr bloss alle? <2WLADIMIR>2 Hilfe! <2ESTRAGON>2 Ich gehe. <2WLADIMIR>2 Lass mich nicht allein. Sie werden mich umbrin- gen. <2POZZO>2 Wo bin ich? <2WLADIMIR>2 Gogo! <2POZZO>2 Zu mir. <2WLADIMIR>2 Nein, zu mir! <2ESTRAGON>2 Ich gehe. <2WLADIMIR>2 Hilf mir zuerst. Dann gehen wir zusammen. <2ESTRAGON>2 Versprichst du es? <2WLADIMIR>2 Ich schwo%re! <2ESTRAGON>2 Und wir kommen nie wieder zuru%ck. <2WLADIMIR>2 Nie. <2ESTRAGON>2 Und wir gehen ins Emsland. <2WLADIMIR>2 Wohin du willst. PozZo Drei Mark! Vier Mark! <2ESTRAGON>2 Ich wollte schon immer durchs Emsland wan- dern. <2WLADIMIR>2 Du wirst dort wandern. <2ESTRAGON>2 Wer hat da gefurzt? <2WLADIMIR>2 Es war Pozzo. <2POZZO>2 Ich bin's! Ich bin's! Erbarmen! <2ESTRAGON>2 Pfui Teufel! <2WLADIMIR>2 Schnell! Schnell! Reich mir die Hand! <2ESTRAGON>2 Ich gehe. <1Pause. Lauter.>1 Ich gehe. <2WLADIMIR>2 Letzten Endes werde ich auch wohl allein aufste- hen ko%nnen. <1Er versucht aufzustehen und fa%llt wieder hin.>1 Fru%her oder spa%ter! <2ESTRAGON>2 Was hast du? 201 <2ESTRAGON>2 Bleibst du hier? <2WLADIMIR>2 Momentan. <2ESTRAGON>2 Steh doch auf. Du erka%ltest dich noch. <2WLADIMIR>2 Ku%mmere dich nicht um mich. <2ESTRAGON>2 Ho%r mal, Didi, sei nicht so dickko%pfig. <1Er streckt>1 <1seine Hand nach Wladimir aus, der hastig danach greift.>1 Los, auf! <2WLADIMIR>2 Zieh! <1Estragon zieht, stolpert, fa%llt.>1 <1Lange Pause.>1 <2POZZO>2 Zu mir! <2WLADIMIR>2 Wir sind schon da. <2POZZO>2 Wer sind Sie? <2WLADIMIR>2 Wir sind Menschen. <1Schweigen.>1 <2ESTRAGON>2 Man ist doch gut aufgehoben bei Mutter Erde. <2WLADIMIR>2 Kannst du aufstehen? <2ESTRAGON>2 Ich weiss nicht. <2WLADIMIR>2 Versuch's mal. <2ESTRAGON>2 Wart schon! Wart schon! <1Schweigen.>1 <2POZZO>2 Was ist denn passiert? <2WLADIMIR>2 <1laut:>1 Willst du wohl endlich das Maul halten! Du Pestbeule! Er denkt nur an sich. <2ESTRAGON>2 Sollen wir versuchen zu schlafen? <2WLADIMIR>2 Hast du das geho%rt? Er will wissen, was passiert ist! <2ESTRAGON>2 Lass ihn doch. Schlaf! <1Stille.>1 <2POZZO>2 Erbarmen! Erbarmen! <2ESTRAGON>2 <1auffahrend:>1 Was? Was ist los? 203 <2WLADIMIR>2 Schliefst du? <2ESTRAGON>2 Ich glaube. <2WLADIMIR>2 Das ist schon wieder dieser schmierige Pozzo! <2ESTRAGON>2 Er soll die Schnauze halten. Gib ihm eins in die Fresse. <2WLADIMIR>2 <1sto%sst Pozzo mehrmals:>1 Bist du fertig? Willst du wohl still sein, du Mistvieh? <1Pozzo befreit sich unter>1 <1Schmerzensschreien aus dem Menschenkna%uel und ent->1 <1ferntsich kriechend. Von Zeit zu Zeit ha%lt er an und streckt>1 <1die Arme wie ein Blinder tastend aus, wobei er Lucky ruft.>1 <1Wladimir stu%tzt sich auf seinen Ellbogen und folgt ihm mit>1 <1seinem Blick.>1 Er hat sich davongemacht! <1Pozzo bricht zu->1 <1sammen. Schweigen.>1 Er ist hingefallen! <1Pause.>1 <2ESTRAGON>2 Was sollen wir jetzt machen? <2WLADIMIR>2 Wenn ich zu ihm hinkriechen ko%nnte. <2ESTRAGON>2 Lass mich nicht allein! <2WLADIMIR>2 Soll ich ihn rufen? <2ESTRAGON>2 Das ist es, ruf ihn. <2WLADIMIR>2 Pozzo! <1Pause.>1 Pozzo! <1Pause.>1 Er antwortet nicht mehr. <2ESTRAGON>2 Zusammen. <2WLADIMIR>2 und <2ESTRAGON>2 Pozzo! Pozzo! <2WLADIMIR>2 Er hat sich bewegt. <2ESTRAGON>2 Bist du sicher, dass er Pozzo heisst? <2WLADIMIR>2 <1bea%ngstigt:>1 Herr Pozzo! Komm zuru%ck! Wir tun dir nichts! <1Schweigen.>1 <2ESTRAGON>2 Wenn man es mit anderen Namen versuchte? <2WLADIMIR>2 Er ist sicher tot. <2ESTRAGON>2 Das wa%re amu%sant. <2WLADIMIR>2 Was wa%re amu%sant? <2ESTRAGON>2 Es mit anderen Namen zu versuchen, einen nach 205 dem anderen. Das vertreibt die Zeit. Wir wu%rden schliess- lich schon auf den richtigen kommen. <2WLADIMIR>2 Ich sag dir, dass er Pozzo heisst. <2ESTRAGON>2 Das werden wir sehen. Mal sehen. <1Er u%berlegt.>1 Abel! Abel! <2POZZO>2 Zu mir! <2ESTRAGON>2 Siehst du! <2WLADIMIR>2 Ich habe bald genug von diesem Thema. <2ESTRAGON>2 Vielleicht heisst der andere Kain. <1Er ruft.>1 Kain! Kain! <2POZZO>2 Zu mir! <2ESTRAGON>2 Das ist die ganze Menschheit. <1Schweigen.>1 Sieh mal da, die kleine Wolke. <2WLADIMIR>2 <1schaut in die Ho%he:>1 Wo? <2ESTRAGON>2 Da, am Zenit. <2WLADIMIR>2 Na, und? <1Pause.>1 Was ist denn daran so ausserge- wo%hnlich? <1Schweigen.>1 <2ESTRAGON>2 Lass uns jetzt zu etwas anderem u%bergehen, ja? <2WLADIMIR>2 Ich wollte es dir gerade vorschlagen. <2ESTRAGON>2 Aber zu was? <2WLADIMIR>2 Eben! <1Schweigen.>1 <2ESTRAGON>2 Wenn wir zuna%chst einmal aufstehen wu%rden? <2WLADIMIR>2 Wir ko%nnen s ja mal versuchen. <1Sie stehen auf.>1 <2ESTRAGON>2 Nichts leichter als das! <2WLADIMIR>2 Wollen, das ist alles! <2ESTRAGON>2 Und nun? <2POZZO>2 Hilfe! <2ESTRAGON>2 Komm, wir gehen. <2WLADIMIR>2 Wir ko%nnen nicht. <2ESTRAGON>2 Warum nicht? 207 <2WLADIMIR>2 Wir warten auf Godot. <2ESTRAGON>2 Ach ja. <1Pause.>1 Was soll man nur machen? <2POZZO>2 Hilfe! <2WLADIMIR>2 Sollen wir ihm helfen? <2ESTRAGON>2 Was sollen wir denn tun? <2 WLADIMIR>2 Er will aufstehen. <2ESTRAGON>2 Ja, und? <2WLADIMIR>2 Er will, dass wir ihm beim Aufstehen helfen. <2 ESTRAGoN>2 Na also, helfen Wir ihm. Worauf warten wir noch? <1Sie helfen Pozzo beim Aufstehen und lassen ihn dann allein>1 <1 stehen. Pozzo fa%llt wieder hin.>1 <2WLADIMIR>2 Man muss Ihn stutzen. <1Das gleiche Spiel. Pozzo>1 <1ha%lt sich an ihren Ha%lsen ha%ngend aufrecht.>1 Er muss sich wieder an das Stehen gewo%hnen. <1Zu Pozzo.>1 Geht's wieder besser? <2POZZO>2 Wer sind Sie? <2WLADIMIR>2 Kennen Sie uns nicht wieder? <2POZZO>2 Ich bin blind. <1Schweigen.>1 <2ESTRAGON>2 Vielleicht sieht er klar in die Zukunft? <2 WLADIMIR>2 <1zu Pozzo:>1 Seit wann? <2POZZO>2 Ich hatte wundervolle Augen -- sind Sie denn Freunde? <2ESTRAGON>2 <1laut lachend:>1 Er fragt, ob wir Freunde sind! <2 WLADIMlR>2 Nein, er meint: Freunde von ihm. <2 ESTRAGoN>2 Na, und? <2WLADIMIR>2 Dass wir ihm geholfen haben, ist ein Beweis da- fu%r. <2ESTRAGON>2 Richtig! Ha%tten wir ihm geholfen, wenn wir nicht seine Freunde gewesen wa%ren? <2WLADIMIR>2 Vielleicht. 209 <2ESTRAGON>2 Klar. <2WLADIMIR>2 Zanken wir uns nicht darum. <2POZZO>2 Seid ihr keine Ra%uber? <2ESTRAGON>2 Ra%uber? Sehen wir so aus wie Ra%uber? <2WLADIMIR>2 Nun ho%r mal! Er ist doch blind. <2ESTRAGON>2 Ach ja. <1Pause.>1 Wie er sagt. <2POZZO>2 Lasst mich nicht allein. <2WLADIMIR>2 Davon Ist keine Rede. <2EsTRAGON>2 Momentan. <2POZZO>2 Wie spa%t ist es? <2ESTRAGON>2 <1blickt forschend zum Himmel:>1 Mal sehen! . . . <2WLADIMIR>2 Sieben Uhr?... Acht Uhr? .. . <2ESTRAGON>2 Es ha%ngt von der Jahreszeit ab. <2POZZO>2 Ist es Abend? <1Schweigen. Wladimir und Estragon blicken nach Westen.>1 <2ESTRAGON>2 Man sollte meinen. dass sie steigt. <2WLADIMIR>2 Ist nicht mo%glich! <2ESTRAGON>2 Wenn es das Morgengrauen wa%re? <2WLADIMIR>2 Rede kein dummes Zeug. Da ist Westen. <2ESTRAGON>2 Was weisst du davon? <2POZZO>2 <1a%ngstlich:>1 Haben wir Abend? <2WLADIMIR>2 Sie hat sich u%brigens nicht bewegt. <2ESTRAGON>2 Ich sag dir, dass sie steigt. <2POZZO>2 Warum antworten Sie nicht? <2ESTRAGON>2 Weil wir Ihnen keinen Unsinn verzapfen wollen. <2WLADIMIR>2 <1beruhigend:>1 Es ist Abend, mein Herr, wir sind am Abend angelangt. Mein Freund versucht, Zweifel auf- kommen zu lassen, und ich muss zugeben, dass ich einen Moment schwankte. Aber ich habe nicht umsonst diesen langen Tag herumgebracht, und ich kann Ihnen versI-- chern, dass sein Repertoire bald erscho%pft ist. <1Pause.>1 Da- von abgesehen, wie fu%hlen Sie sich? 211 <2ESTRAGON>2 Wie lange mu%ssen Wir ihn noch herumschleppen? <1Sie lassen ihn etwas los, halten ihn dann wieder fest, weil>1 <1 sie sehen, dass er wieder hinfallen wu%rde.>1 Wir sind keine Karyatiden. <2WLADIMIR>2 Sie sagten, dass Sie fru%her gute Augen hatten, wenn ich recht verstanden habe. <2POZZO>2 Ja. wundervolle. <1Schweigen.>1 <2ESTRAGON>2 <1ungeduldig:>1 Weiter! Weiter! Erza%hlen Sie doch! <2WLADIMIR>2 Lass ihn in Ruhe. Siehst du nicht, dass er dabei ist, sich an sein Glu%ck zu erinnern? <1Pause.>1 Memoria praeteritorum bonorum -- das muss grau- envoll sein. <2POZZO>2 Ja, wundervoll. <2WLADIMIR>2 Ist es denn ganz plo%tzlich gekommen? <2POZZO>2 Wundervoll! <2WLADIMIR>2 Ich frage Sie, ob es ganz plo%tzlich gekommen ist. <2POZZO>2 Eines scho%nen Tages wurde ich wach und war blind wie das Schicksal. <1Pause.>1 Ich frage mich manchmal, ob ich nicht noch schlafe. <2WLADIMIR>2 Wann war es? <2POZZO>2 Ich weiss nicht. <2WLADIMIR>2 Doch nicht fru%her als gestern... <2POZZO>2 Fragen Sie mich nicht aus! Die Blinden haben keinen Zeitsinn. <1Pause.>1 Die Zeichen der Zeit sehen sie auch nicht. <2WLADIMIR>2 Soso! Ich ha%tte das Gegenteil behauptet. <2ESTRAGON>2 Ich gehe. <2POZZO>2 Wo sind wir u%berhaupt? <2WLADIMIR>2 Ich weiss nicht. <2POZZO>2 Sind wir nicht auf der sogenannten >Planke2 Kenn ich nicht. 213 <2POZZO>2 Wie sieht's hier denn aus? <2WLADIMIR>2 <1schaut in die Runde:>1 Man kann es nicht beschrei- ben. Es sieht nach nichts aus. Da ist gar nichts. Da ist ein Baum. <2POZZO>2 Dann ist es also nicht die >Planke<. <2ESTRAGON>2 <1Wird weich in den Knien.>1 Wenn du das eine Zerstreuung nennst. <2POZZO>2 Wo ist mein Knecht? <2WLADIMIR>2 Da liegt er. <2POZZO>2 Warum antwortet er nicht, wenn ich ihn rufe? <2WLADIMIR>2 Ich weiss nicht. Er scheint zu schlafen. Er ist viel- leicht tot. <2POZZO>2 Was ist denn eigentlich passiert? <2ESTRAGON>2 Eigentlich! <2WLADIMIR>2 Sie sind beide gefallen. <2POZZO>2 Schauen Sie nach, ob er verletzt ist. <2WLADIMIR>2 Wir ko%nnen Sie doch nicht loslassen. <2POZZO>2 Sie brauchen ja nicht beide hinzugehen. <2WLADIMIR>2 <1zu Estragon:>1 Geh du! <2POZZO>2 Ja, ja, Ihr Freund soll hingehen. Er stinkt so! <1Pause.>1 Worauf wartet er? <2WLADIMIR>2 <1zu Estragon:>1 Worauf wartest du? <2ESTRAGON>2 Ich warte auf Godot. <2WLADIMIR>2 Was soll er eigentlich tun? <2POZZO>2 Also, er soll zuerst am Strick ziehen, wobei er natu%r- lich darauf achten muss, dass er ihm den Hals nicht zuzieht. Im allgemeinen reagiert er darauf. Wenn nicht, so soll er ihm Fusstritte geben, in den Unterleib und ins Gesicht, so- viel wie mo%glich. <2WLADIMIR>2 <1zu Estragon:>1 Siehst du, du hast nichts zu befu%rch- ten. Du kannst dich sogar dabei ra%chen. <2ESTRAGON>2 Und wenn er sich wehrt? 215 <2POZZO>2 Nein, nein, er wehrt sich nie. <2WLADIMIR>2 Dann eile ich dir zu Hilfe. <2ESTRAGON>2 Lass die Augen nicht von mir! <1Er geht auf Lucky zu.>1 <2WLADIMIR>2 Schau zuerst nach, ob er noch lebt. Es hat keinen Zweck, sich anzustrengen, wenn er schon tot ist. <2ESTRAGON>2 <1beugt sich u%ber Lucky:>1 Er atmet. <2WLADIMIR>2 Dann gib ihm Saures! <1Estragon tritt Lucky plo%tzlich hemmungslos mit dem Fuss>1 <1 und heult dabei. Er tut sich dabei aber an seinem Fuss weh>1 <1 und geht hinkend und sto%hnend weg. Lucky kommt wieder>1 <1 zur Besinnung.>1 <2ESTRAGON>2 <1bleibt auf einem Fuss stehen:>1 Au, du Schweine- hund! <1Estragon setzt sich hin, versucht seine Schuhe auszuziehen.>1 <1 Er verzichtet jedoch bald darauf, kauert sich zusammen,>1 <1 legt den Kopf zwischen die Beine und ha%lt die Arme vor den>1 <1 Kopf.>1 <2POZZO>2 Was ist schon wieder passiert? <2WLADIMIR>2 Mein Freund hat sich weh getan. <2POZZO>2 Und Lucky? <2WLADIMIR>2 Er ist es also doch? <2POZZO>2 Wie bitte? <2WLADIMIR>2 Es ist also Lucky? <2POZZO>2 Ich verstehe nicht. <2WLADIMIR>2 Und Sie sind Pozzo? <2POZZO>2 Natu%rlich bin ich Pozzo. <2WLADIMIR>2 Dieselben wie gestern? <2POZZO>2 Wie gestern? <2WLADIMIR>2 Wir haben uns gestern gesehen. <1Schweigen.>1 Erinnern Sie sich nicht mehr daran? <2POZZO>2 Ich erinnere mich nicht daran, gestern irgend 217 jemanden getroffen zu haben. Aber morgen werde ich mich auch nicht daran erinnern, heute irgend jemanden getroffen zu haben. Rechnen Sie also nicht mit mir, wenn Sie eine Auskunft brauchen. Und nun genug davon. Auf! <2WLADIMIR>2 Sie nahmen ihn mit zum Salvator-Markt, um ihn zu verkaufen. Sie haben mit uns gesprochen. Er hat ge- tanzt. Er hat gedacht. Sie konnten gut sehen. <2POZZO>2 Wenn Sie darauf bestehen. Lassen Sie mich bitte los. <1Wladimir geht beiseite.>1 Auf! <2WLADIMIR>2 Er steht auf. <1Lucky steht auf und hebt sein Gepa%ck auf.>1 <2POZZO>2 Er hat recht. <2WLADIMIR>2 Wo gehen Sie denn hin? <2POZZO>2 Darum ku%mmere ich mich nicht. <2WLADIMIR>2 Sie haben sich aber vera%ndert! <1Lucky stellt sich mit dem Gepa%ck beladen vor Pozzo.>1 <2POZZO>2 Peitsche! <1Lucky stellt das Gepa%ck auf die Erde, sucht>1 <1die Peitsche, findet sie und gibt sie Pozzo. Dann nimmt er>1 <1 das Gepa%ck wieder auf.>1 Strick! <1Lucky setzt das Gepa%ck ab,>1 <1 legt das Strickende in Pozzos Hand und nimmt das Gepa%ck>1 <1 wieder auf.>1 <2WLADIMIR>2 Was ist denn in dem Koffer? <2POZZO>2 Sand. <1Er zieht am Strick.>1 Voran! <1Lucky zieht los,>1 <1Pozzo folgt ihm.>1 <2WLADIMIR>2 Gehen Sie noch nicht weg! <2POZZO>2 Ich gehe. <2WLADIMIR>2 Was machen Sie, Wenn Sie ohne jede Hilfe hin- fallen? <2POZZO>2 Wir warten, bis wir wieder aufstehen ko%nnen. Dann gehen wir wieder weiter. <2WLADIMIR>2 Bevor Sie weggehen, sagen Sie ihm, dass er singen soll. 219 <2POZZO>2 Wem? <2WLADIMIR>2 Lucky. <2POZZO>2 Er soll singen? <2WLADIMIR>2 Ja. Oder denken. Oder rezitieren. <2POZZO>2 Er ist doch stumm. <2WLADIMIR>2 Stumm! <2POZZO>2 Vollkommen. Er kann nicht mal sto%hnen. <2WLADIMIR>2 Stumm! Seit wann? <2POZZO>2 <1plo%tzlich wu%tend:>1 Ho%ren Sie endlich auf mich mit Ih- rer verdammten Zeit verru%ckt zu machen? Es ist uner- ho%rt! Wann! Wann! Eines Tages, genu%gt Ihnen das nicht? Irgendeines Tages ist er stumm geworden, eines Tages bin ich blind geworden, eines Tages werden wir taub, eines Tages wurden wir geboren, eines Tages sterben wir, am selben Tag, im selben Augenblick, genu%gt Ihnen das nicht? <1Beda%chtiger.>1 Sie geba%ren rittlings u%ber dem Grabe, der Tag ergla%nzt einen Augenblick und dann von neuem die Nacht. <1Er zieht am Strick.>1 Los, voran! <1Sie gehen. Wladimirfolgt ihnen bis an das Ende der Bu%hne,>1 <1 er schaut ihnen nach. Das Gera%usch eines Sturzes, unter->1 <1 stu%tzt von der Mimik Wladimirs, ku%ndigt an, dass sie von>1 <1 neuem gefallen sind. Schweigen. Wladimir geht auf den>1 <1 schlafenden Estragon zu, er betrachtet ihn eine Weile und>1 <1 weckt ihn dann.>1 <2ESTRAGON>2 <1schreckhafte Gesten, unzusammenha%ngende>1 <1Worte. Endlich:>1 Warum la%sst du mich niemals schlafen? <2WLADIMIR>2 Ich fu%hlte mich einsam. <2ESTRAGON>2 Ich tra%umte, dass ich glu%cklich war. <2WLADIMIR>2 So ist die Zeit vergangen. <2ESTRAGON>2 Ich tra%umte, dass.. . <2WLADIMIR>2 Sei still! <1Schweigen.>1 Ob er wirklich blind ist? 221 <2ESTRAGON>2 Wer? <2WLADIMIR>2 Wu%rde ein echter Blinder sagen, dass er keinen Zeitsinn hat? <2ESTRAGON>2 Wer? <2WLADIMIR>2 Pozzo. <2ESTRAGON>2 Ist er blind? <2WLADIMIR>2 Er hat es uns gesagt. <2ESTRAGON>2 Na, und? <2WLADIMIR>2 Es schien mir, dass er uns sah. <2ESTRAGON>2 Das hast du getra%umt. <1Pause.>1 Komm, wir gehen. Wir ko%nnen nicht. Ach ja. <1Pause.>1 Bist du sicher, dass er es nicht war? <2WLADIMIR>2 Wer? <2ESTRAGON>2 Godot? <2WLADIMIR>2 Wer denn? <2ESTRAGON>2 Pozzo. <2WLADIMIR>2 Ach was! Ach was! <1Pause.>1 Ach was! <2ESTRAGON>2 Jetzt steh ich aber auf. <1Er steht mit Mu%he auf.>1 Au! <2WLADIMIR>2 Ich weiss nicht mehr, was ich denken soll. <2ESTRAGON>2 Meine Fu%sse! <1Ersetztsich wieder und versucht, die>1 <1Schuhe auszuziehen.>1 Hilf mir! <2WLADIMIR>2 Habe ich geschlafen, wa%hrend die anderen litten? Schlafe ich denn in diesem Augenblick? Wenn ich morgen glaube, wach zu werden, was werde ich dann von diesem Tage sagen? Dass ich mit meinem Freund Estragon an dieser Stelle bis in die Nacht auf Godot gewartet habe? Dass Pozzo mit seinem Tra%ger vorbeigekommen ist und dass er mit uns gesprochen hat? Wahrscheinlich. Aber was wird wahr sein von alledem? <1Estragon, der sich ange->1 <1 strengt und vergeblich mit seinen Schuhen bescha%ftigte, ist>1 <1 von neuem eingeschlafen. Wladimir schaut ihn an.>1 Er wird nichts wissen. Er wird von den Schla%gen sprechen, die er 223 bekommen hat, und ich werde ihm eine Ru%be geben. <1 Pause.>1 Rittlings u%ber dem Grabe und eine schwere Ge- burt. Aus der Tiefe der Grube legt der Totengra%ber tra%u- merisch die Zangen an. Man hat Zeit genug, um alt zu Werden. Die Luft ist voll von unseren Schreien. <1Er lauscht.>1 Aber die Gewohnheit ist eine ma%chtige Sordine. <1Er be->1 <1 trachtet Estragon.>1 Auch mich, auch mich betrachtet eIn anderer, der sich sagt: Er schla%ft, er weiss nichts, lass ihn schlafen. <1Pause.>1 Ich kann nicht mehr weiter. <1Pause.>1 Was hab ich gesagt? <1Ergeht erregtauf und ab, bleibt endlich bei>1 <1 der linken Kulisse stehen und blicktin die Weite. Rechts tritt>1 <1 der Junge vom Vorabend auf. Er bleibt stehen.>1 <1Schweigen.>1 <2JUNGE>2 Mein Herr . . . <1Wladimir wendet sich ihm zu.>1 Herr Al- bert . . . <2WLADIMIR>2 Noch mal von vorne. <1Pause. Zu dem Jungen.>1 Er- kennst du mich nicht wieder? <2JUNGE>2 Nein. <2WLADIMIR>2 Du bist gestern auch gekommen? <2JUNGE>2 Nein. <2WLADIMIR>2 Du kommst zum erstenmal? <2JUNGE>2 Ja. <1Schweigen.>1 <2WLADIMIR>2 Du bringst eine Nachricht von Herrn Godot? <2JUNGE>2 Ja. <2WLADIMIR>2 Er kommt nicht heute abend. <2JUNGE>2 Nein. <2WLADIMIR>2 Aber er wird morgen kommen. <2JUNGE>2 Ja. <2WLADIMIR>2 Ganz bestimmt. <2JUNGE>2 Ja. <1Schweigen.>1 225 <2WLADIMIR>2 Bist du jemandem begegnet? <2JUNGE>2 Nein. <2WLADIMIR>2 Zwei anderen . . . <1Er zo%gert.>1 . . Menschen. <2JUNGE>2 Ich habe niemanden gesehen. <1Schweigen.>1 <2WLADIMIR>2 Was tut der Herr Godot? <1Schweigen.>1 Hast du verstanden? <2JUNGE>2 Ja. <2WLADIMIR>2 Na, und? <1Schweigen.>1 <2JUNGE>2 Er tut nichts. <1Schweigen.>1 <2WLADIMIR>2 Wie geht es deinem Bruder? <2JUNGE>2 Er ist krank. <2WLADIMIR>2 Er war es vielleicht, der gestern hier war. <2JUNGE>2 Ich weiss nicht. <1Sch weigen.>1 <2WLADIMIR>2 Tra%gt er einen Bart, der Herr Godot? <2JUNGE>2 Ja. <2WLADIMIR>2 Blond oder... <1er zo%gert...>1 schwarz? <2JUNGE>2 <1zo%gernd:>1 Ich glaube, dass er weiss ist. <1Schweigen.>1 <2WLADIMIR>2 Barmherzigkeit! <1Schweigen.>1 <2JUNGE>2 Was soll ich Herrn Godot sagen? <2WLADIMIR>2 Du sagst ihm... <1Er unterbricht sich...>1 Du sagst ihm, dass du mich gesehen hast und dass. .. <1Er u%berlegt.>1 .. dass du mich gesehen hast. <1Pause. Wladimir geht vor, der>1 <1 Junge geht zuru%ck. Wladimir bleibt stehen, der Junge bleibt>1 <1 auch stehen.>1 Sag mal, du bist doch sicher, mich gesehen zu haben, du wirst mir morgen nicht sagen, dass du mich nie gesehen hast? <1Schweigen. Wladimir springt plo%tzlich vor,>1 <1 der Junge rennt blitzschnell weg. Stille. Die Sonne geht un->1 <1 ter, der Mond geht auf. Wladimir bleibt stehen, ohne sich>1 <1 zu bewegen. Estragon wird wach, zieht die Schuhe aus,>1 227 <1steht auf, ha%lt die Schuhe in der Hand, stellt sie an die>1 <1 Rampe, geht auf Wladimir zu und schaut ihn an.>1 <2ESTRAGON>2 Was hast du? <2WLADIMIR>2 Ich habe nichts. <2ESTRAGON>2 Ich gehe. <2WLADIMIR>2 Ich auch. <1Schweigen.>1 <2ESTRAGON>2 Schlief ich schon lange? <2WLADIMIR>2 Ich weiss nicht. <1Schweigen.>1 <2ESTRAGON>2 Wohin gehen wir? <2WLADIMIR>2 Nicht weit. <2ESTRAGON>2 Doch, doch, lass uns weit weggehen von hier! <2WLADIMIR>2 Wir ko%nnen nicht. <2ESTRAGON>2 Warum nicht? <2WLADIMIR>2 Wir mu%ssen morgen wiederkommen. <2ESTRAGON>2 Um was zu tun? <2WLADIMIR>2 Um auf Godot zu warten. <2ESTRAGON>2 Ach ja. <1Pause.>1 Ist er nicht gekommen? <2WLADIMIR>2 Nein. <2ESTRAGON>2 Und jetzt ist es zu spa%t. <2WLADIMIR>2 Ja, es ist Nacht. <2ESTRAGON>2 Und wenn wir ihn fallenliessen? <1Pause.>1 Wenn wir ihn fallenliessen? <2WLADIMIR>2 Wu%rde er uns bestrafen. <1Schweigen. Er betrachtet>1 <1den Baum.>1 Nur der Baum lebt. <2ESTRAGON>2 <1schaut den Baum>1 an:Was ist denn das? <2WLADIMIR>2 Das ist der Baum. <2ESTRAGON>2 Nein, welche Art? <2WLADIMIR>2 Ich weiss nicht. Eine Trauerweide. <2ESTRAGON>2 Wir wollen mal sehen. <1Er zieht Wladimir nach>1 <1sich bis zum Baum, vor dem sie stehenbleiben. Stille.>1 Und 229 wenn wir uns aufha%ngen wu%rden? <2WLADIMIR>2 Womit? <2ESTRAGON>2 Hast du kein Stu%ck Kordel? <2WLADIMIR>2 Nein. <2ESTRAGON>2 Dann ko%nnen wir es nicht. <2WLADIMIR>2 Komm, wir gehen. <2ESTRAGON>2 Wart mal, hier ist mein Gu%rtel. <2WLADIMIR>2 Der ist zu kurz. <2ESTRAGON>2 Du ziehst dann an meinen Beinen. <2WLADIMIR>2 Und wer zieht an meinen? <2ESTRAGON>2 Ach ja. <2WLADIMIR>2 Lass mal sehen. <1Estragon lo%st den Knoten der>1 <1Kordel, die seine Hose ha%lt. Die viel zu weite Hose rutscht>1 <1 bis auf die Fusskno%chel. Sie schauen sich die Kordel an.>1 Zur Not ko%nnte es gehen. Ist sie denn stark genug? <2ESTRAGON>2 Das werden wir sehen. Nimm. <1Sie nehmen jeder ein Ende der Kordel und ziehen. Die>1 <1 Kordel reisst. Sie fallen beinahe hin.>1 <2WLADIMIR>2 Sie taugt gar nichts. <1Schweigen.>1 <2ESTRAGON>2 Du sagtest, dass wir morgen wiederkommen mu%ssen. <2WLADIMIR>2 Ja. <2ESTRAGON>2 Dann bringen wir einen guten Strick mit. <2WLADIMIR>2 Ja. <1Schweigen.>1 <2ESTRAGON>2 Didi. <2WLADIMIR>2 Ja. <2ESTRAGON>2 Ich kann nicht mehr so weitermachen. <2WLADIMIR>2 Das sagt man so. <2ESTRAGON>2 Sollen wir auseinandergehen? Es wa%re vielleicht besser. <2WLADIMIR>2 Morgen ha%ngen wir uns auf. <1Pause.>1 Es sei denn, 231 dass Godot ka%me. <2ESTRAGON>2 Und wenn er kommt? <2WLADIMIR>2 Sind wir gerettet. <1Wladimir nimmt seinen Hut-- den von Luckv -- ab, schaut>1 <1 hinein, steckt die Hand hinein, schu%ttelt ihn aus und setzt>1 <1 ihn wieder auf.>1 <2ESTRAGON>2 Also, wir gehen? <2WLADIMIR>2 Zieh deine Hose rauf. <2ESTRAGON>2 Wie bitte? <2WLADIMIR>2 Zieh deine Hose rauf. <2ESTRAGON>2 Meine Hose ausziehen? <2WLADIMIR>2 Zieh deine Hose herauf. <2ESTRAGON>2 Ach ja, <1Er zieht seine Hose herauf. Schweigen.>1 <2WLADIMIR>2 Also? Wir gehen? <2ESTRAGON>2 Gehen wir! <1Sie gehen nicht von der Stelle.>1 <1Vorhang>1